Dienstag, 06. Dezember 2016


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Placebo aus der Auto-Steinzeit: Die Diesel-Abgasuntersuchung muss dringend renoviert werden

(lifePR) (Berlin, ) Technisch überholte Messgeräte zur Abgasuntersuchung von Pkw können Dieselstinker nicht erkennen / Schon vor der Einführung der Euro 5 Norm in diesem Jahr war die Diesel-Abgasuntersuchung (AU) vom Stand der Technik überholt und oft wirkungslos / Deutsche Umwelthilfe und Abgas-Experten fordern schärfere Prüfwerte und den Einsatz moderner Messmethoden

Die periodische Abgasuntersuchung, die Millionen Diesel-Pkw in Deutschland im Zwei-Jahres-Rhythmus absolvieren, ist seit Jahren bei modernen Dieselfahrzeugen wirkungslos. Veraltete Messgeräte reagieren erst auf Schadstoffkonzentrationen, die selbst bei defekten Abgasreinigungssystemen praktisch nie erreicht werden. Beispielsweise können defekte Diesel-Partikelfilter mit den bundesweit eingesetzten Messgeräten nicht entdeckt werden. Darauf hat die Deutsche Umwelthilfe e. V. (DUH) hingewiesen und eine sofortige "grundlegende Renovierung" der Abgasuntersuchung, die Einführung moderner Messmethoden und Prüfwerte gefordert, die sich an heutigen Abgasgrenzwerten orientieren.

Die periodische Abgasuntersuchung (AU) wurde verbindlich 1993 eingeführt, um sicherzustellen, dass sich der Schadstoffausstoß über die Lebensdauer eines Fahrzeugs nicht wesentlich erhöht. Die aktuell millionenfach durchgeführte Diesel-AU wird diesem Anspruch mit Messmethoden aus den 70er und viel zu hohen Prüfwerten aus den 90er Jahren nicht mehr gerecht. Einerseits wurden die EU-Abgasnormen in den vergangenen zwanzig Jahren drastisch verschärft, andererseits blieben die Prüfwerte seit dem Start der verpflichtenden periodischen Abgasuntersuchung unverändert auf einem inzwischen viel zu hohem Niveau.

"Es kann nicht sein, dass wir wegen der hohen Feinstaubbelastung in unseren Großstädten mit erheblichem Aufwand Umweltzonen einrichten, in die nur partikelreduzierte und schadstoffarme Autos einfahren dürfen, und andererseits die Wirksamkeit der Abgasreinigung nur zum Schein mit Placebo-Geräten überprüfen", sagte DUH-Bundesgeschäftsführer Jürgen Resch. Die Deutsche Umwelthilfe e. V. (DUH) fordert deshalb, dass die Diesel-Abgasuntersuchung schnell dem Stand der Technik angepasst wird. Andernfalls seien die für die periodischen Prüfungen von Pkw-Haltern verlangten etwa 38 Euro rausgeschmissenes Geld, so Resch.

"Es ist ein skandalöser Anachronismus", erklärte der internationale Verkehrsberater und frühere Abteilungsleiter im Umweltbundesamt Axel Friedrich anlässlich einer Pressevorführung der heutigen Messdefizite in Berlin. "Seit Jahren wird mit Wissen aller Beteiligten eine offensichtlich wirkungslose Massenuntersuchung am Leben erhalten, die den Bürger Geld kostet und dafür sorgt, dass defekte Fahrzeuge ungehindert und unbemerkt auf unseren Straßen fahren.

Unterstützung erhält die DUH vom Präsidenten des Bundesverbands Automobil Service-Ausrüstungen (ASA) Klaus Burger, der auch Geschäftsführer der Firma MAHA ist. Burger forderte konsequentes Handeln der Politik: "Nach dem schwierigen Start der Einführung von Dieselpartikelfiltern und deren Nachrüstprogrammen muss die Politik nun die Basis für eine zeitgerechte Kontrolle der Funktionsfähigkeit dieser Systeme über den Lebenszyklus gewährleisten".

Günter Afflerbach vom TÜV Nord bestätigte anlässlich der Pressekonferenz in Berlin, dass der Austausch der veralteten Messgeräte zügig erfolgen könne: "In einem gemeinsamen Vorhaben der DEKRA, des ZDK, von ASA und VdTÜV haben moderne Partikelmessgeräte bewiesen, dass sie einsatzfähig sind." Zur Einführung dieser neuen Messgeräte müsse nun noch die zuständige Physikalisch Technische Bundesanstalt (PTB) die Anforderungen der Eichordnung an diese Geräte formulieren.

Anlässlich der Pressevorführung in Berlin schlugen die Experten vor, die periodische Abgasuntersuchung in zwei Stufen grundlegend zu renovieren: In einem ersten Schritt sollen sofort die Prüfwerte unter Berücksichtigung der aktuellen EU-Abgasnormen reduziert werden. Denn während die zulässigen Schadstoff-Grenzwerte in den vergangenen Jahrzehnten schrittweise und massiv verschärft wurden, blieben die AU-Prüfwerte über den gesamten Zeitraum unverändert. Die Kluft zwischen beiden wuchs mittlerweile so weit, dass bei der Prüfung moderne und mittelalte Fahrzeuge auch bei defekter Abgasreinigung praktisch nicht mehr durchfallen können. Im zweiten Schritt sollen die veralteten Abgasmessgeräte schnell und flächendeckend erneuert werden. Moderne Messgeräte, die sehr kleine Partikel erfassen können, sind bereits heute kostengünstig verfügbar. Mit diesen modernen Geräten werden Fehler in der Abgasreinigung auch bei modernen Dieselfahrzeugen zuverlässig erkannt. Die periodische Abgasuntersuchung würde wieder ihren ursprünglichen Zweck erfüllen.

Friedrich wies darauf hin, dass auch die aktuellen Euro 5-Fahrzeuge mit Diesel-Partikelfilter und künftige Euro 6-Fahrzeuge die regelmäßige Abgasuntersuchung durchlaufen müssen, obwohl diese modernen Fahrzeuge serienmäßig über eine eingebaute elektronische Systemüberwachung des Schadstoffausstoßes (OBD, On-Board-Diagnose) verfügen. Die OBD-Technik ist nicht in der Lage, gravierende Fehler in der Abgasreinigung zu erkennen. Die Autoindustrie solle ihren Widerstand gegen eine wirksame Diesel- AU endlich aufgeben. Die Experten sind sich einig, dass OBD eine wirksame periodische Abgasuntersuchung nicht ersetzen kann.

Deswegen fordert die Deutsche Umwelthilfe das Instrument der Abgasuntersuchung nach zeitgemäßen und technisch angepassten Maßstäben für alle Dieselfahrzeuge (Pkw und Lkw) beizubehalten. Resch: "Damit die Diesel-AU wieder ihren Zweck erfüllt, muss die Bundesregierung jetzt handeln und die Renovierungsarbeiten unverzüglich in Angriff nehmen. Jeder unentdeckte Dieselstinker erhöht die Belastung der Menschen - besonders in den Ballungszentren - mit gesundheitsgefährdenden Schadstoffen."

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