Freitag, 09. Dezember 2016


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Studie: Zuwanderer blicken optimistisch in das kommende Jahrzehnt

Mehrheit der Zuwanderer glaubt an eine gute Zukunft in Deutschland - mehr als ein Drittel befürchtet aber wachsende Spannungen zwischen Migranten und Deutschen

(lifePR) (Gütersloh, ) Die Zuwanderer in Deutschland schauen mit Zuversicht in das kommende Jahrzehnt. 53 Prozent von ihnen glauben mit Blick auf die nächsten zehn Jahre an eine gute Zukunft in der Bundesrepublik, bei den unter 25-Jährigen sind es sogar 70 Prozent. Das geht aus bislang unveröffentlichten Zahlen einer repräsentativen Umfrage der Bertelsmann Stiftung hervor, die vom Institut für Demoskopie in Allensbach durchgeführt wurde. Besonders zuversichtlich sind demnach Zuwanderer aus der ehemaligen Sowjetunion: 63 Prozent von ihnen blicken optimistisch in die Zukunft, bei Menschen mit türkischer Abstammung sind es hingegen nur 45 Prozent. Trotz der insgesamt positiven Zukunftseinschätzung fürchtet allerdings mehr als ein Drittel (37 Prozent) aller Befragten, dass die Spannungen zwischen Deutschen und Zuwanderern zunehmen werden.

Der Studie zufolge rechnen 42 Prozent der Zuwanderer damit, dass die Unterschiede zwischen Deutschen und Zuwanderern in den kommenden zehn Jahren abnehmen. Skeptischer sind sie, wenn es um die Wertschätzung von Menschen ausländischer Herkunft durch die Deutschen geht: Nur ein Drittel der Befragten glaubt, dass diese in Zukunft steigt. Lediglich 28 Prozent von ihnen erwarten, dass bei politischen Entscheidungen in Zukunft stärker auf die Bedürfnisse der Zuwanderer geachtet wird.

Die eigene gefühlte Integration schätzen die verschiedenen Zuwanderergruppen laut Studie sehr unterschiedlich ein. Um die gefühlte Integration zu messen, wurden die Aussagen der Teilnehmer zu verschiedenen Fragen wie beispielsweise Verbundenheit mit Deutschland und Zugehörigkeit zur Gesellschaft zusammengefasst und skaliert. Demnach fühlen sich 88 Prozent der Menschen mit spanischer Abstammung stark oder zumindest mittelstark integriert. Dieser Anteil ist bei Menschen türkischer Herkunft (58 Prozent) und bei Russischstämmigen (62 Prozent) deutlich geringer.

Zuwanderer aus diesen Ländern sehen sich aber auch häufiger Diskriminierungen ausgesetzt: 58 Prozent der Türkeistämmigen und 49 Prozent der Zuwanderer aus der ehemaligen Sowjetunion haben sich aufgrund ihrer Herkunft in Deutschland schon einmal ungerecht behandelt gefühlt; im Durchschnitt aller Zuwanderer sind es 46 Prozent. Dennoch setzen die Menschen ausländischer Herkunft auf das Miteinander mit den Deutschen: Nur jeder Fünfte von ihnen ist der Ansicht, dass Zuwanderer in Deutschland in Zukunft immer mehr unter sich bleiben werden.

Verhalten optimistisch bewerten Menschen mit Migrationshintergrund die Aussicht, dass Zuwanderer künftig mehr wichtige Positionen in Politik und Wirtschaft einnehmen werden. 45 Prozent von ihnen beantworten diese Frage mit ja. Bei den Türkeistämmigen sind es sogar 59 Prozent: Hierbei spielt sicher eine Rolle, dass bereits einige Menschen mit türkischer Abstammung wichtige Positionen in der Politik erreicht haben und als Beispiel dienen ("Cem-Özdemir-Effekt").

"Zuwanderer blicken mit Optimismus auf unser Land und wollen Verantwortung übernehmen", so Dr. Jörg Dräger, Vorstandsmitglied der Bertelsmann Stiftung. "Wenn unsere Gesellschaft Zuwanderern bessere Perspektiven in Bildung, Politik und Wirtschaft bietet, können sie ihr Potenzial noch mehr entfalten und eine aktivere Rolle spielen. Darauf ist Deutschland angesichts der demographischen Entwicklung in den nächsten Jahrzehnten mehr denn je angewiesen."

Zur Befragung

Die quantitative Umfrage wurde vom Institut für Demoskopie Allensbach durchgeführt und stützt sich auf 1.581 Interviews mit einem repräsentativen Querschnitt der Bevölkerung mit Migrationshintergrund aus der Türkei, der ehemaligen Sowjetunion (bzw. den Nachfolgestaaten Kasachstan, Russland, Ukraine), dem ehemaligen Jugoslawien (bzw. den Nachfolgestaaten Bosnien und Herzegowina, Kroatien, Serbien, Montenegro, Kosovo, Mazedonien, Slowenien), Polen, Italien, Spanien und Griechenland ab 16 Jahren. Analog zur Definition, die dem Mikrozensus zu Grunde liegt, wurden sowohl ausländische als auch deutsche Staatsbürger befragt, die entweder selbst aus dem Ausland zugewandert sind oder die zwar in Deutschland geboren sind, von denen aber mindestens ein Elternteil nach 1950 aus dem Ausland zugewandert ist. Die Befragung wurde mit teilweise zweisprachigen Interviewern sowie mehrsprachigen Fragebogen durchgeführt. Die face-to-face-Interviews fanden im 1. Quartal 2009 statt. Die in dieser Mitteilung vorgelegten Zahlen waren bislang unveröffentlicht.

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