Freitag, 09. Dezember 2016


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Prävention für die Mehrheit bedeutet alles andere als Marathon

(lifePR) (Königstein, ) "Prävention" ist heute in aller Munde, allerdings werden sehr unterschiedliche Konzepte damit verbunden. Was ist wirklich Vorsorge bzw. Krankheitsvermeidung? Und wie lässt sie sich für viele in ihr "ganz normales Leben" integrieren? Die Naturarzt-Redaktion sprach darüber mit Prof. Gerd Schnack, einem Pionier der Gesundheitsförderung.

- Naturarzt: Unter Prävention versteht die Schulmedizin (und die Krankenkasse) vor allem Vorsorgeuntersuchungen. Welche Vorstellungen oder Ideale verbinden Sie mit dem Begriff?

Prof. Schnack: Ich kam aus der Handchirurgie, und dabei ist mir mehr und mehr klar geworden, dass die normale Medizin immer zu spät kommt. Das gilt auch für die sogenannten Früherkennungsmaßnahmen.

- Im Unterschied zu den 80er Jahren gibt es heute viel mehr Fitness-Studios. Auch scheint der Marathon nahezu ein Volkssport geworden zu sein. Befinden wir uns damit auf dem richtigen Weg?

Die Fitness-Studios sprechen nur eine gewisse Schicht an. Abgesehen davon, dass es da viele Karteileichen gibt, stört mich oft die ganze Philosophie: Da wird viel auf Kraft - statt auch auf Elastizität - abgehoben. Und dann ist das ganze Umfeld künstlich. Ich denke, Prävention hat etwas mit Natur und Natürlichkeit zu tun. Das gilt umso mehr für die in Mode gekommenen Städtemarathons: Solch ein extremes Laufpensum auf Asphalt ist etwas für Fanatiker, für Muskeln und Gelenke sowie für Herz und Kreislauf eher schädlich, mit Gesundheit hat das nichts zu tun.

- Wie sieht - oder sähe - Prävention für die Mehrheit aus?

Es ist ja allgemein bekannt, dass sich die Mehrheit zu wenig bewegt. Dazu kommen sehr einseitige Arbeitshaltungen und Belastungen. Nehmen wir einen typischen Computer- Arbeitsplatz: Finger und Hände bewegen sich, die kleinen Muskeln werden überbeansprucht, die großen verkümmern. Also müssen wir bei der täglichen Arbeit immer wieder kleine Ausgleichseinheiten einlegen, in denen wir uns ganzheitlich bewegen, dehnen, entspannen. Solche Mini-Übungen, die ein paar Sekunden oder Minuten dauern, kann jeder einbauen, und das wäre das Allererste in einer Prävention für die Mehrheit.

- In der etablierten Medizin wird der "objektive Befund" meist hoch bewertet, daher freut sich der Arzt, wenn er die Ursache des Schmerzes auf einem Bild zu erkennen meint. Wie würden Sie vorgehen?

Die Möglichkeiten der bildgebenden Diagnostik sind prinzipiell erfreulich. Und entsprechende Diagnostik muss natürlich oft sein. Aber sie wird häufig auch überstrapaziert. Wenn ein 60jähriger Patient mit Nackenbeschwerden in die Praxis kommt, und er hat wirklich nur diese Beschwerden im Nacken, keine Ausstrahlungen, keine Missempfindungen in den Armen oder ähnliches - dann habe ich wahrscheinlich eine 60 Jahre alte Wirbelsäule mit entsprechendem Verschleiß vor mir, die muss ich doch nicht gleich röntgen oder in die Röhre schicken! Das ist der erste Fehler, und der nächste folgt sogleich - der Arzt interpretiert die Bilder gegenüber dem Patienten sehr negativ und dramatisch: "Da haben Sie eine schwere Spondylose!" oder so ähnlich. Das löst gravierende Nozebo-Effekte aus ...

- ... macht den Patienten also kränker als er ist.

Ja, und stellt ihn innerlich auf Ausweglosigkeit oder eben Operationen ein. Stattdessen müsste man eine sinnvolle und zielgerichtete Anamnese betreiben: "Wie schlafen Sie, was haben Sie für ein Kopfkissen, wie sitzen Sie, wie sieht Ihr Fahrrad aus, wie hoch ist Ihr Lenker - er sollte hoch sein! -, treiben Sie Überkopfsportarten? - bloß das nicht!" usw. Da haben wir so viele Ansatzpunkte für praktische Veränderungen, mit denen wir es zunächst einmal versuchen sollten. Aber dafür hat die moderne Medizin anscheinend keine Zeit mehr, daran krankt unser Gesundheitssystem.

Lesen Sie das vollständige Interview in Naturarzt- Ihr Gesundheitsratgeber, 10/2012.

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