"WELTREISE. Kunst aus Deutschland unterwegs"

Werke aus dem Kunstbestand des ifa 1949 - heute

(lifePR) ( Karlsruhe, )
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26.10.2013-02.03.2014

Das ifa (Institut für Auslandsbeziehungen) zeigt im ZKM | Zentrum für Kunst und Medientechnologie Karlsruhe ab dem 26. Oktober 2013 unter der Schirmherrschaft des Bundespräsidenten die Ausstellung WELTREISE. Kunst aus Deutschland unterwegs. Aus dem beeindruckenden Bestand zeitgenössischer Kunst des ifa haben die Kuratoren Matthias Flügge und Matthias Winzen einen Überblick erarbeitet, der die wichtigsten Kunstentwicklungen in Deutschland seit 1949 nachzeichnet.

Über 400 Kunstwerke von mehr als 100 KünstlerInnen stehen für unterschiedliche Positionen aus Ost und West, darunter Willi Baumeister, Joseph Beuys, Sibylle Bergemann, Chargesheimer, Carlfriedrich Claus, Hanne Darboven, Arno Fischer, Katharina Fritsch, Hermann Glöckner, Andreas Gursky, Georg Herold, Rebecca Horn, Jürgen Klauke, Helga Paris, Peter Piller, Sigmar Polke, Gerhard Richter, Thomas Ruff, Strawalde, Günther Uecker und Corinne Wasmuht. Den Kuratoren liegt daran, "einen international sehr erfolgreichen und innerhalb Deutschlands kaum bekannten Grundstock zu würdigen, eine Art intellektueller und künstlerischer Proviant durch die Jahrzehnte."

Der Kunstbestand des ifa hat sich auf einzigartige Weise entwickelt. Einzel- und Gruppenausstellungen wurden für die weltweite Präsentation deutscher Kunst im Ausland erstellt - und gingen auf Weltreise. Durch das offene Sammlungskonzept wurden die Werke für die weltweiten Ausstellungstourneen des ifa von jeweils beauftragten Kuratorinnen oder Kuratoren ausgewählt. Die Nähe unterschiedlicher Fachleute zu den KünstlerInnen bewirkte ein geistesgegenwärtiges und pluralistisches Abbild der künstlerischen Entwicklungen. Diese Nähe erklärt, warum die prozessorientierten, schwer musealisierbaren Praktiken der Fluxus- Bewegung heute einen Schwerpunkt des ifa-Bestandes bilden. Ebenso werden die feministische Kunst seit den 1970er Jahren und die heute selbstverständliche Bedeutung von Künstlerinnen für das Kunstgeschehen dokumentiert.

Nach dem Fall der Mauer gingen Teile des Bestandes des Zentrums für Kunstausstellungen der DDR in die ifa- Sammlung ein. Die erstmals in dieser Dichte zusammengestellte Präsentation von Kunstwerken aus Ost und West bricht mit dem künstlerisch unergiebigen BRD-DDR-Schema.

Die tatsächliche Entwicklung der Kunst richtete sich nicht nach dem Vorbild der politischen Geschichte, wie viele künstlerische Parallelen und untergründige Beziehungen offenbaren. So kann die Geschichte der Fotografie seit den 1950er Jahren aus dem ifa-Bestand prägnant dargestellt werden. In der Ost-West-Gegenüberstellung zeigt sich, dass die ostdeutsche Fotografie die unabhängigste visuelle Gattung innerhalb des zentralistischen Systems war.

Es erscheint ein Katalog. Im Anschluss präsentiert das ifa die Ausstellung im Museum of Modern Art, Moscow (Museum für Moderne Kunst, Moskau).

Über das ifa

Das ifa (Institut für Auslandsbeziehungen) engagiert sich weltweit für Kunstaustausch, den Dialog der Zivilgesellschaften und die Vermittlung außenkulturpolitischer Informationen. Als führende deutsche Institution im internationalen Kunstaustausch konzipiert und organisiert das ifa weltweit Ausstellungen deutscher Kunst, fördert Ausstellungsprojekte und vergibt Stipendien; in den eigenen Galerien in Stuttgart und Berlin präsentiert das ifa Kunst, Architektur und Design aus Afrika, Asien, Lateinamerika und Osteuropa. Die Fachbibliothek in Stuttgart, die Zeitschrift KULTURAUSTAUSCH und die Internetportale des ifa sind die wichtigsten Informationsforen zur Auswärtigen Kulturpolitik in Deutschland. Das ifa wird gefördert vom Auswärtigen Amt, dem Land Baden- Württemberg und der Landeshauptstadt Stuttgart.

KünstlerInnen der WELTREISE-Ausstellung

Gerhard Altenbourg, Dieter Appelt, Willi Baumeister, Thomas Bayrle, Marc Brandenburg, Bernd und Hilla Becher, Sibylle Bergemann, Joseph Beuys, Anna und Bernhard Blume, Christian Borchert, Manfred Butzmann, Carlfriedrich Claus, Chargesheimer, Hanne Darboven, Achim Duchow, Hartwig Ebersbach, Hans-Peter Feldmann, Arno Fischer, Thomas Florschuetz, Günther Förg, Katharina Fritsch, Günter Fruhtrunk, Else (Twin) Gabriel, Rupprecht Geiger, André Gelpke, Isa Genzken, Jochen Gerz, Walter Giers, Hermann Glöckner, Karl Otto Götz, Gotthard Graubner, HAP Grieshaber, Asta Gröting, Andreas Gursky, Georg Herold, Katharina Hinsberg, Hannah Höch, Matthias Hoch, Candida Höfer, Martin Honert, Rebecca Horn, Magdalena Jetelová, Dieter Kiessling, Jürgen Klauke, Barbara Klemm, Fritz Klemm, Imi Knoebel, Herlinde Koelbl, Wilmar Koenig, Arthur Køpcke, Norbert Kricke, Mark Lammert, Walter Libuda, Markus Lüpertz, Adolf Luther, Heinz Mack, Ewald Mataré, Wolfgang Mattheuer, Olaf Metzel, Christiane Möbus, Michael Morgner, Reinhard Mucha, Marcel Odenbach, Nam June Paik, Helga Paris, A. R. Penck, Wolfgang Petrick, Otto Piene, Peter Piller, Hermann Pitz, Sigmar Polke, Robert Rehfeldt, Gerhard Richter, Klaus Rinke, Julian Röder, Ulrike Rosenbach, Dieter Roth, Thomas Ruff, Reiner Ruthenbeck, Karin Sander, Jörg Sasse, Michael Schmidt, Bernard Schultze, Gundula Schulze Eldowy, Emil Schumacher, Thomas Schütte, Wiebke Siem, Katharina Sieverding, Klaus Staeck, Otto Steinert, Strawalde, Thomas Struth, Frank Thiel, Fred Thieler, Wolfgang Tillmans, Rosemarie Trockel, Günther Uecker, Max Uhlig, Hans Uhlmann, Jorinde Voigt, Wolf Vostell, Franz Erhard Walther, Corinne Wasmuht, Trak Wendisch, Fritz Winter, Wols, Ulrich Wüst

Kuratoren: Matthias Flügge und Matthias Winzen

Als wir vor vier Jahren von Elke aus dem Moore zur Sichtung und zum kuratorischen Ordnen des Kunstbestandes des ifa eingeladen wurden, wurde bald klar, dass diese Sammlung von Kunst, die im Verlauf von sechzig Jahren in Deutschland entstanden war, Werke und Einsichten bereithielt, denen eine konventionelle Präsentation kaum genügen würde. Es galt, einen international sehr erfolgreichen und innerhalb Deutschlands nahezu unbekannten Grundstock von Werken zu betrachten und als eine Art intellektuellen und künstlerischen Proviant durch die Jahrzehnte darzustellen.

Wir haben versucht, ein spezifisches, so noch nicht gezeigtes Bild der Kunstgeschichte seit den späten 1940er Jahren in Deutschland nachzuzeichnen.

Wir wollten dabei nicht den Mainstream nachvollziehen und strebten auch nicht nach einer wie auch immer gearteten Objektivität. Unser Ansatz ist ein rezeptionsgeschichtlicher. Die sich über die Zeit verändernden Diskurse, die Auseinandersetzungen um die Kunst, ihre Repräsentationsfunktion - im doppelten Sinn des Wortes - und die unterschiedlichen Dispositionen der Kriterienbildung sind die bestimmenden Themen des Projektes.

23.000 Kunstwerke von etwa 2.000 KünstlerInnen wurden bis zum Februar 2012 gesichtet, etwa 400 Arbeiten von 111 AutorInnen wurden ausgewählt. Mit der Ausstellung wollen wir einen über die Fachwelt hinausgehenden Diskurs anstoßen, der neben weithin akzeptierten "Hauptwegen" auch viele "Nebenwege" bezeichnet. Skizzen und Entwürfe von bedeutenden KünstlerInnen finden sich im Bestand ebenso wie Hauptwerke von solchen, die es wert sind, wiederentdeckt zu werden.

Die jeweilige Zeitgenossenschaft der für das ifa tätigen KuratorInnen hat die Substanz des Bestandes in besonderer Weise geprägt. So treffen sich individuelle "Sichtungen" mit aus heutiger Perspektive deutlicher erkennbaren Entwicklungen. Das heißt, die Ausstellung schreibt gleichsam parallel zur Kunstgeschichte in Deutschland eine Geschichte der jeweils für sie als repräsentativ angesehenen Auswahlkriterien - anhand einer mit Blick auf das Ausland repräsentativen Ausstellungspraxis. So entsteht eine Rekonstruktion der jüngeren Kunstgeschichte als Rezeptions- und Wirkungsgeschichte.

Das Interesse jedes der vielen, sehr unterschiedlichen Ausstellungsprojekte des ifa war ein jeweils aktuelles. Es bestand in der geistesgegenwärtigen Reaktion auf das, was sich in der jeweils jüngsten Vergangenheit und der Gegenwart als relevant erwiesen hatte. Ohne monologische Festlegung auf ein kulturpolitisches Ziel haben sich die Projekte des ifa über die Jahrzehnte als dezentrale, pluralistische Spiegelung künstlerischer Entwicklungen erwiesen.

Museumsleute und TheoretikerInnen wie Gudrun Inboden, Ursula Zeller, Dieter Honisch, Götz Adriani, Wulf Herzogenrath, Tilman Osterwold, René Block, Thomas Weski und andere haben Ausstellungen des ifa verantwortet. Sie waren dabei keinen außenpolitischen Vorgaben verpflichtet, nur den eigenen Kenntnissen und Kriterien, mit denen sie die Momente des Avancierten des Kunstgeschehens herauszuarbeiten bestrebt gewesen sind.

Das auf diese Weise zusammengetragene Konvolut von Kunstwerken kann demnach nicht als eine Sammlung betrachtet werden, die nach bestimmten festgelegten Kriterien zustande gekommen ist. Wir sprechen deshalb von "Beständen", deren Bedeutung sich nicht zuletzt daran bemisst, dass diese Kriterien sich mit der Kunst selbst wandelten. Daraus resultieren für die Kunstgeschichte bedeutsame Einsichten.

Zum Beispiel wird deutlich, wie Video und Videoskulptur technisch und rezeptionsgeschichtlich mehr und mehr Aufmerksamkeit gewannen, wie sich die Fotografie seit den 1950er Jahren zu einer autonomen Bildkunst entwickelte und wie sehr sie gleichwohl in Wechselbeziehung zu den anderen künstlerischen Praktiken steht und dabei die permanente Verknüpfung von Kunstwelt und sozialen wie politischen Themen widerspiegelt.

Sehr gut nachzuvollziehen ist auch, wie die Rolle von Künstlerinnen seit den 1970er Jahren parallel zu den gesellschaftlichen Entwicklungen beständig wichtiger wurde. Folgerichtig wurden Werke von Ulrike Rosenbach, Rebecca Horn, Christiane Möbus, Katharina Fritsch, Rosemarie Trockel und anderen für Ausstellungen angekauft und damit feministische Thematiken der Kunst seit den 1970er Jahren ebenso wie die zunehmend selbstverständliche Bedeutung von Künstlerinnen für das Kunstgeschehen dokumentiert.

Ein wichtiger Aspekt der Sichtung waren auch die persönlichen Verbindungen der KuratorInnen zu den KünstlerInnen, die oft der gleichen Generation angehörten oder über besonders ausgeprägte Kenntnisse von deren Werk verfügten. Diese Nähe zu den KünstlerInnen bewirkte auch, dass die prozessorientierten, schwer musealisierbaren, eher sammlungsresistenten Praktiken der Fluxus-Bewegung heute, nach weltweit sehr erfolgreichen Tourneeschauen, einen beeindruckenden Schwerpunkt des ifa- Bestandes bilden.

Vor allem wurde bei genauerer Betrachtung der Bestände sehr bald deutlich, dass sich hier erstmals eine Darstellung von Kunst aus Deutschland zeigen lässt, die mit dem künstlerisch unergiebigen BRD-DDR-Schema bricht. Während bislang die Kunstentwicklung in der DDR als Sonderfall einer hermetisch abgeschlossenen Exklave betrachtet und bis heute mit großem Aufwand als solcher erforscht und ausgestellt wird, ergab sich hier erstmals die Möglichkeit einer neuen Erzählung der über vier Jahrzehnte parallel laufenden deutschen Kunstgeschichten. Sie zeigt, dass die tatsächliche Entwicklung der Kunst sich nicht nach den Maßgaben der politischen Geschichte richtete. Vielmehr entstanden Themen und Techniken in Ost-Berlin und Köln, in Annaberg und Oberkassel, in Dresden und München aus den künstlerischen Arbeitsprozessen selbst, die ihrerseits heute viele Parallelen und untergründige Beziehungen offenbaren. In Gegenüberstellungen versuchen wir dies anschaulich zu machen, etwa zwischen Gerhard Altenbourg, Bernhard Schultze und den Zeichnungen von Beuys, Hermann Glöckner und Hans Uhlmann, Arno Fischer und Chargesheimer, Christian Borchert, Sibylle Bergemann und Barbara Klemm, Manfred Butzmann und Klaus Staeck oder in der jüngeren Generation zwischen Julian Röder und Wolfgang Tillmans. Dabei sind neben zeitspezifischen Verbindungen auch große Unterschiede zu entdecken, die nicht nivelliert, sondern klar herausgearbeitet werden.

Der Kunstbestand des ifa umfasst sowohl die seit Jahren kontinuierlich angewachsene Sammlung des ifa wie auch Teile des Kunstbestandes des Zentrums für Kunstausstellungen der DDR. Die beiden Institutionen wurden zu Beginn des Jahres 1991 zusammengeführt. Das föderale Kunstsystem der Bundesrepublik traf auf das zentralistische der DDR. Damit ist dem ifa- Bestand ein Konvolut ostdeutscher Kunst und Fotografie zugewachsen.

Nach 1990 wurde der Bestand an Kunst aus der DDR durch retrospektive Ausstellungen (Gerhard Altenbourg, Carlfriedrich Claus, Hermann Glöckner u. a.) wie durch aktuelle Erwerbungen (Sibylle Bergemann, Arno Fischer, Strawalde u. a.) wesentlich erweitert. Besonderes Augenmerk legten die ifa- Kuratoren dabei auf die ostdeutsche Fotografie. Sie erweist sich anhand der Bestände einmal mehr als die unabhängigste visuelle Gattung innerhalb des zentralistischen Systems.

Die besondere Qualität der Ausstellung besteht in dem großen Anteil an Arbeiten auf Papier, von Hannah Höch über Norbert Kricke oder Sigmar Polke bis hin zu Jorinde Voigt oder Marc Brandenburg. Das ermöglicht eine Erzählung, die mit weitgehend unbekannten und oft erstaunlichen Exponaten umgeht.

Zugleich werden die unterschiedlichen bildnerischen Gattungen integriert, Malerei, Zeichnung, druckgrafische Blätter, Fotografie und Skulptur werden auf einer Ebene betrachtet, was bislang in der Ausstellungspraxis des ifa kaum der Fall war. Hier wurden vor allem in Gruppenausstellungen die einzelnen bildnerischen Medien voneinander getrennt präsentiert.

Die Ausstellung ist im Wesentlichen chronologisch aufgebaut und arbeitet innerhalb dieser Chronologie mit ungewöhnlichen und erhellenden Konfrontationen unterschiedlicher Sprachweisen - sowohl im Ost-West-Vergleich wie auch im Zusammentreffen individueller Widersprüche. In zusammenhängenden Themenfeldern werden als "Cluster" Schwerpunkte besonders herausgehoben (Nachkriegskunst zwischen Realismus und Abstraktion, Pop Art, Fluxus, sozial orientierte Autorenfotografie, die Bechers und ihre Schule etc.).
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