Buchtipp zur neuen Studie zu sexueller Gewalt in Familien

Buchtipp zur neuen Studie zu sexueller Gewalt in Familien
(lifePR) ( Ilmenau, )
Eine neue Studie bestätigt, was vielfach beobachtet werden kann: Für Kinder ist es besonders schwer, sexuellem Missbrauch in Familien zu entkommen. Die Untersuchung der unabhängigen Kommission zur Aufarbeitung sexuellen Kindesmissbrauchs, die vergangenen Dienstag in Berlin vorgestellt worden war, hat 870 Berichte aus den vergangenen Jahrzehnten ausgewertet.

Es kostet betroffenen Frauen viel Mut, über sexuellem Missbrauch im Kindesalter und andere erlittene Gewalt zu reden. Alle kämpfen ihr ganzes Leben mit den Folgen, konfrontieren sich therapeutischer Behandlung mit den zerstörerischen Erinnerungen. So schwer es ihnen auch fällt, über erlittene Gewalt zu sprechen: Einige Frauen haben den Mut, ein Buch darüber zu schreiben.

Unter dem Pseudonym Kathi Berg schrieb sich eine Betroffene den ganzen Schmerz von der Seele. Sie schildert sie ihre niederdrückenden Erinnerungen an jahrelangen Missbrauch in der Kindheit mit dem Mut machenden Titel „Emma, du hast es geschafft!“ (ISBN 978-3-95716-118-5). Ein Mädchen wird sexuell ausgebeutet. Als junge Frau kämpft sie jahrelang gegen die zerstörerischen Folgen dieser Gewalterfahrung. Trotz jahrelanger Misshandlungen durch sexuelle Gewalt und emotionale Ausbeutung schaffte es die Autorin und alleinerziehende Mutter, ihre Berufsausbildung zu Ende zu bringen.

„Die Kraft besitzt jeder Mensch tief in seinem Inneren. Nur nicht jeder weiß davon. Auch ich wusste es nicht, bis ich meine Freundin kennenlernte. Es ist nicht einfach nur eine normale Freundin, denn es ist etwas, was man heut zu Tage sowas wie Seelenverwandte nennt“, beschreibt sie den Entstehungsprozess des Buches. „Das Problem, warum nicht jeder seine Kraft entdecken kann, ist, dass nicht jeder die Möglichkeit bekommt, seinen Seelenverwandten zu finden.“

Als kleines Mädchen war Mira Far den fortgesetzten sexuellen Übergriffen des Großvaters schutzlos ausgesetzt. Übergriffe anderer Männer folgten. Die Täter zwangen sie zu schweigen. Aber sie will sich nicht länger verstecken und schreibt das Erfahrene auf. Mira Far schreibt über die körperlichen und seelischen Verletzungen, die die Vergewaltigungen anrichteten, über das Wegsehen und Ignorieren der Erwachsenen, über die lebenslang andauernden Spätfolgen. Dennoch wählt die Autorin den positiven, ja poetischen Titel „Mit Hoffnung meinen Garten pflanzen“ (ISBN 9783957162212).

Unter dem Namen Anna schildert sie ihr persönliches Leben. Anna lebt mit ihren Eltern und ihren beiden älteren Brüdern in Schweden. Als der Vater ein Jobangebot in Deutschland bekommt, beginnt eine jahrelange Odyssee. Von Großeltern und Freunden getrennt, müssen Anna und ihre Brüder ihr Leben in Armut und asozialen Verhältnissen verbringen. Die Alkoholexzesse der Eltern enden stets in unsagbarer häuslicher Gewalt, die der Entwicklung der Kinder so schadet, dass Anna eines Tages von ihrem eigenen Bruder vergewaltigt wird.

Auch Gisela M. Freyler verarbeitet in „Gefühlschaos – ein Leben lang“ (ISBN 9783957160164) ihre Erfahrungen mit Gewalt und Erniedrigung. Die verheerenden Folgen des jahrelangen sexuellen Missbrauchs durch den pädophilen Stiefvater und die große Lieblosigkeit, welche die Autorin durch ihre eigenen Eltern, insbesondere der Mutter erfahren musste, führten dazu, dass sie sich annähernd 50 Jahre in ihrer Opferrolle gefangen sah. Dennoch war sie, getrieben von einer zwanghaften Beziehungs- und Harmoniesucht, immer auf der Suche nach ein wenig Glück und Liebe. Sie hat sie nie wirklich gefunden … Der erschütternde Bericht der Autorin lässt erkennen, was hinter vielen privaten Türen passiert.

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