Mittwoch, 24. Mai 2017


  • Pressemitteilung BoxID 44521

Romana Schmalisch Drehort Zukunft

(lifePR) (Berlin, ) Eröffnung Freitag, 30. Mai 2008, 19 Uhr
Laufzeit 31. Mai – 19. Juli 2008
Finissage 19. Juli 2008, 19 Uhr

Drehort Zukunft ist der zweite Teil von uqbars Ausstellungsreihe zu Raumkonzepten und zeitgenössischer Architektur. In der Ausstellung untersucht die Künstlerin Romana Schmalisch (*1974 in Berlin, lebt und arbeitet in Berlin) modellhaft Visionen und Entwicklungen von Stadtbildern. Zentrale Referenzpunkte sind dabei die sowjetische Geschichte sowie der sowjetische Film des frühen 20. Jahrhunderts, der parallel zur Proklamation einer neuen Gesellschaft die Visionen und Utopien einer neuen Stadt in Szene setzte. Durch eine komplexe Montage von Zitaten und Versatzstücken aus historischen Spielfilmen, Filmrequisiten, aktuellen Stadtaufnahmen und Modellen durchleuchtet die Künstlerin das mediale Bild der Stadt.

Ein zentrales Element der Ausstellung ist die Rekonstruktion eines Filmrequisit aus Alexander Medwedkins Spielfilm Das neue Moskau (Novaya Moskva, 1938), ein Projektions- und Vorführtisch, der zwischen Stadtmodell, Kino und Plattenkamera changiert. Der zitierte Film handelt von einem Ingenieur, der aus Sibirien nach Moskau reist und mithilfe des mobilen Experimentiermodells seinen Entwurf für das neue Moskau vorstellt, für jene Stadt, die er nie gesehen, aber immer schon erträumt hat. Zunächst zeigt er Dokumentaraufnahmen von der Sprengung alter Gebäude, um an deren Stelle dann die neue Stadt in Zeichnungen und Modellen erscheinen zu lassen. Die Künstlerin verwendet das nachgebaute Objekt zur Projektion ihres Films Decision of the Party (2008), der aktuelle Super-8-Aufnahmen der Stadt Wolgograd mit einer Tonspur aus dem propagandistischen Spielfilm Der Schwur (Kljatwa, 1946) kombiniert. In diesem Film lässt Josef Stalin "seine" Stadt Stalingrad, heute Wolgograd, planen und realisieren. So trifft die heutige reale Stadt auf die mediale Vision von damals und wird innerhalb des Films wieder zur Projektion der damaligen Geschichte.

Die Betonskulptur Vorspann setzt einen weiteren Bezug zum Film. Das Modell ist eine im Maßstab 1:20 verkleinerte Rekonstruktion des Sockels der Stahlskulptur Arbeiter und Kolchosebäuerin, die mit ihren Figuren zum Symbol des sowjetischen Films wurde, da sie - wie der "brüllende Löwe" bei Metro-Goldwyn-Mayer - als Erkennungszeichen den Vorspann der Produktionen der Mosfilm-Gesellschaft zierte. Die Skulptur wurde von der russischen Bildhauerin Vera Muchina ursprünglich für den Pavillon der UdSSR auf der Pariser Weltausstellung 1937 entworfen. Später stand sie lange Zeit an einem zentralen Platz in Moskau, bis sie vor einigen Jahren in einem Archiv verschwand und lediglich den leeren Sockel zurückließ.

Diese zwei raumgreifenden Objekte werden von zwei Siebdrucken flankiert, die weitere filmische Stadtbilder zeigen, in denen sich gesellschaftliche Umbruchsituationen kristallisieren. Die Vorlagen für Arbeiterquartier und Soazera sind Standbilder, die Sergej Eisensteins Film Streik (Statschka, 1924) bzw. Jakow Protasanows Aelita (1924) entnommen sind.

Mit Drehort Zukunft führt Romana Schmalisch ihren Arbeitszyklus Reconstructing Futures weiter, in dem sie in Installationen, Filmen und Performances gesellschaftliche Utopien und deren Brüche untersucht. Eine erste Präsentation fand 2007 im Wilhelm Lehmbruck Museum Duisburg statt, das die Installation Future Cities (2007) für seine Sammlung erwarb.

Vorschau

25. Juli 2008 3500 m2, Posterausstellung mit Sonderprojekt von Mathilde ter Heijne, kuratiert von Lorenzo Benedetti 31. August 2008 Cairoscape - Images, Imagination and Imaginary of a Contemporary Mega City
Diese Pressemitteilung posten:
Disclaimer