Wie ein Karibikstaat Europa in der Krise helfen kann

In Kuba läuft während der Corona-Krise vieles anders als in Deutschland. Warum wir von Kuba lernen können

Armee der weißen Kittel 
Quelle: http://de.granma.cu/cuba/2017-01-10/ehrung-fur-kubanische-arzte
Photo: Yaimí Ravelo (lifePR) ( Berlin, )
Christopher Trinczek ist Gründer des Kubaspezialisten Cuba Buddy. Das Berliner Unternehmen hat sich seit 2014 auf individuelle Rundreisen nach Kuba spezialisiert. Seitdem ist er permanent zwischen den beiden Welten Deutschland und Kuba unterwegs. Auch in der aktuellen Krise verfolgt er, wie beide Länder mit dem Coronavirus umgehen und erklärt, was in Deutschland gerade nicht so optimal läuft und wie Kuba Europa helfen kann. 

Kubas Ärzte mit jahrelanger Erfahrung in Krisensituationen

Kubas „Armee der weißen Kittel“ ist immer wieder in anderen Ländern im Einsatz. „Ihre letzte große Mission hatten die kubanischen Mediziner während meiner ersten Reise nach Kuba“, denkt sich Christopher Trinczek. Das war die Ebola-Epidemie 2014 in Südafrika. Nun sind die weißen Kittel auch in Europa gefragt. Am vergangenen Wochenende sind 53 kubanische Ärzte und Krankenpfleger in Rom gelandet, um Seite an Seite mit italienischen Ärzten gegen das Virus zu kämpfen. 

Auch davor schaffte es Kubas Hilfsbereitschaft im Rahmen der Corona-Krise bereits in die Schlagzeilen. Der Karibikstaat ließ das britische Kreuzfahrtschiff MS Braemar mit mehreren infizierten Passagieren nach tagelanger Irrfahrt in der Karibik vergangene Woche am Hafen Mariel anlegen. Die Passagiere konnten mit Charterflügen in ihre Heimat gebracht werden. Nicht flugtaugliche Touristen erhielten in Kuba eine medizinische Behandlung. 

Dass das Land in dieser Situation so souverän reagieren konnte, liegt auch an der guten medizinischen Ausbildung in Kuba, die weltweit bekannt ist. „Im Vergleich zu Deutschland hat Kuba doppelt so viele Ärzte pro Einwohner und damit einen regelrechten Überschuss“, ergänzt Christopher Trinczek dazu. Konkret sind das 90.000 Ärzte bei knapp 12 Millionen Einwohnern. Neben der Ärzteausbildung bringen kubanische Forscher immer wieder neue Produkte auf den Markt. Dazu gehört auch das aktuell in China gegen Covid-19 eingesetzte Interferon alpha 2b.

Medizinische Infrastruktur ist gut ausgebaut

Kein Gesundheitssystem ist auf eine Pandemie wie die aktuelle vorbereitet. Auch das kubanische Gesundheitssystem nicht. Das kubanische Gesundheitssystem ist aber enorm krisenerprobt und arbeitet in Ausnahmesituationen vergleichsweise effizient. Es gilt deshalb nicht umsonst als das Beste in ganz Lateinamerika. Geografisch hat Kuba außerdem den Vorteil, die Grenzen als Inselstaat leichter schließen zu können. „Während in Europa noch voll besetzte Flieger landeten und keiner das Ganze wirklich ernst genommen hat, hat man in Kuba bereits auf Krisenmodus umgestellt“, so Christopher Trinczek.

Seit dem Ende der Revolution 1953 wird Kuba als sozialistisches Land zudem von nur einer Partei regiert. Diese kann leichter auf die Kommunikation und Verbreitung von Nachrichten Einfluss nehmen. Während sich hierzulande vermehrt Fake News verbreiten, wird in Kuba darauf Wert gelegt, gesicherte Informationen seriös zu kommunizieren. Ein großer Unterschied liegt zudem auch in der gesellschaftlichen Akzeptanz von Anordnungen der Regierung. Christopher Trinczek dazu: „In Deutschland hat es zunächst einen Moment gedauert, bis die Bevölkerung den Ernst der Lage erkannt hat”. Die kubanische Bevölkerung akzeptiert Regierungsentscheidungen gefühlt etwas  schneller .“

Was Deutschland von Kuba bei Covid-19 lernen kann

Vieles läuft in Deutschland immer noch nicht ganz rund und stößt bei Bürgern auf Unverständnis. Das liegt sicherlich auch daran, dass es in Deutschland schon lange keine Krise mehr gab. „In Kuba werden solche Dinge aufgrund vergangener Erfahrungen anders gehandhabt und die Kubaner sind in dieser Hinsicht deutlich verantwortungsbewusster“, bestätigt Christopher Trinczek. So verhängte der Inselstaat schon bei nur 16 bestätigten Fällen eine Einreisesperre für 30 Tage. Und das, obwohl das Land sehr vom Tourismus abhängig ist. 

Generell läuft das Krisenmanagement in Kuba außerdem eher unter der Devise „Prävention statt Reaktion“ und fokussiert sich auf

1. Schutz der Risikogruppe

2. Schulung der Kinder in Hinblick auf präventive Maßnahmen

Weil die Bevölkerungsgruppe der über 60-jährigen in Kuba gut 20 Prozent der Gesamtbevölkerung ausmacht, wird diese besonders gefährdete Personengruppe unter anderem in sogenannten „Häusern der Großeltern“ geschützt. Die älteren Bürger werden somit isoliert, bevor sie sich anstecken und das Gesundheitssystem gleichzeitig vor einer Überlastung geschützt.

Diese Maßnahmen sind direkt gekoppelt an die Prävention bei Kindern. In den Kitas steht dafür täglich mehrmaliges, gemeinsames Händewaschen auf dem Programm. 

Wie beeinflusst das Coronavirus den Tourismus auf Kuba?

„Als kleiner und hoch spezialisierter Veranstalter haben wir zum Glück einen sehr engen Draht zu unseren Reisenden. Daher kommt uns in der aktuellen Situation auch viel Verständnis und Solidarität entgegen. Die meisten unserer Reisenden freuen sich weiterhin auf die Kubareise und verschieben sie auf einen späteren Zeitpunkt. Das ist für uns und unsere lokalen Partner, aber auch für ganz Kuba enorm wichtig“, erklärt Christopher Trinczek. Und dennoch: Trotz der vergleichsweise geringen Fallzahlen im eigenen Land ist die Pandemie für Kuba ökonomisch gesehen gravierend. Der Tourismus wird in diesem Jahr signifikant unter dem des letzten Jahres liegen. „Weil das Land in der zweiten Jahreshälfte deutlich leerer sein wird, ist es eigentlich der ideale Zeitpunkt um zu reisen. Denn dann bekommt man das authentische Kuba am besten zu sehen. Und das ist ja genau das was unsere Reisenden suchen.
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