Wie zwei Kinder dem Fremdenhass trotzen

»Die Zertrennlichen« wird in der BOXX und im Klassenzimmer gezeigt

Die Zertrennlichen / Foto: Thomas Braun
(lifePR) ( Heilbronn, )
 

Premiere am 15.10.2020 in der Hölderlin-Grundschule Lauffen
Premiere am 18.10.2020, 15 Uhr, BOXX

Die Zertrennlichen
von Fabrice Melquiot
Schauspiel für Kinder ab 9 Jahren

Regie: Annette Kuß
Ausstattung: Yvonne Marcour
Musik: Julia Klomfaß
Dramaturgie: Sophie Püschel

Es spielen
Romain: Rouven Klischies
Sabah: Sarah Finkel

Zwei Kinder mögen sich sehr und dürfen doch nach dem Willen der Eltern nicht befreundet sein. Denn die Erwachsenen sind voller rassistischer Vorurteile. Die Kinder wehren sich dagegen und sind aber doch nur Heranwachsende, die noch von den Erziehungsberechtigten abhängig sind. Fabrice Melquiots Schauspiel »Die Zertrennlichen« für Zuschauer ab 9 Jahren forscht nach den Ursachen von Ausgrenzung und Rassismus. »Die Zertrennlichen« ist viel mehr als ein Stück über interkulturelle Verständigung: Es ist die berührende Geschichte einer Annäherung über alle Ressentiments und Rückschläge hinweg. Annette Kuß, die Leiterin des Jungen Theaters Heilbronn, hat dieses gleichermaßen brandaktuelle und poetische Stück herausgesucht und führt auch Regie. Eigentlich sollte es bereits im Juni Premiere in der BOXX gehabt haben, die Corona-bedingt nicht stattfinden konnte.

Als mobile Inszenierung für die BOXX und das Klassenzimmer geplant

Für die neue Spielzeit hat die Regisseurin gemeinsam mit Ausstatterin Yvonne Marcour das Inszenierungskonzept noch einmal völlig verändert und eine mobile Variante erarbeitet, die sowohl im Klassenzimmer als auch in der BOXX gezeigt werden kann. Die Klassenzimmerpremiere findet am 15. Oktober Uhr in der Hölderlin-Grundschule Lauffen statt. Drei Tage später am 18. Oktober um 15 Uhr, ist dann die Premiere in der BOXX als Familienvorstellung. Es spielen: Sarah Finkel und Rouven Klischies.

Zum Inhalt

Sabah und Romain wohnen Haus an Haus. Die beiden Kinder sind beste Freunde, eigentlich sogar richtig ineinander verliebt, obwohl sie erst neun Jahre alt sind und aus unterschiedlichen Welten kommen. Bevor sie sich kennenlernten, waren sie viel allein.  Romains Eltern sind nur mit sich selbst beschäftigt. Und Sabah führt als Migrantenkind algerischer Abstammung ein Außenseiterdasein. Beide flüchten in ihre Fantasiewelten: Romain galoppiert auf einem imaginierten Pferd durch seine Abenteuer. Sabah, deren Familie aus Algerien eingewandert ist, hat beschlossen, eine Sioux-Indianerin zu sein, genauer gesagt eine Dakota, was so viel heißt wie Verbündete. Aber erst als Sabah Romain findet, hat sie einen echten Gefährten, mit dem sie Dinge erleben kann, die nur wahre Seelenverwandte erfahren. Den großen weißen Büffel der Sioux zu Gesicht zu bekommen zum Beispiel.

Aber Romains Eltern sind Rassisten. Sie hassen die Algerier und wollen nicht, dass ihr Sohn sich mit so einem »Gesindel« abgibt. Auch Sabahs Eltern sind dagegen: »Das ist kein Freund für dich, denn seine Eltern mögen uns nicht.« Gar nicht so einfach für Neunjährige zu wissen, wie man sich da positionieren soll. Aber echte Zuneigung ist stärker als alle Verbote. Bis die Konflikte zwischen den Eltern eines Tages so eskalieren, dass Sabahs Familie umziehen muss und die Kinder auseinandergerissen werden.

11 Jahre vergehen. Romain, inzwischen 20 Jahre alt, hat viele andere Mädchen kennengelernt. Aber seine erste große Liebe kann er nicht vergessen und macht sich nach ihr auf die Suche.

Fremdenhass wird anerzogen

Annette Kuß mag an dem Stück »Die Zertrennlichen«, dass es ungeschönt auf die Wurzeln von Fremdenhass schaut.  »Zum Rassisten wird man als Kind erzogen«, ist die Regisseurin überzeugt. Vorurteile, die von den Eltern bewusst oder unbewusst geäußert werden, schleichen sich ins Bewusstsein der Kinder und haken sich dort fest.  Bei kleinen Kindern kann man beobachten, dass es ihnen egal ist, welcher Herkunft ihr Spielkamerad ist. Irgendwann zu begreifen, dass die eigenen Eltern, die ja Vorbilder und Wertevermittler sind, nicht immer recht haben, ist schmerzhaft, gehört aber zum Prozess des Heranwachsens dazu.

Das Stück spielt zwar in der französischen Banlieue. Aber Rassismus ist auch in Deutschland traurige  Realität. 2018 zählte das Bundesamt für Verfassungsschutz mehr als 19.000 Straftaten, die rechtsextremistisch motiviert waren – darunter Körperverletzungen, Propagandadelikte und Volksverhetzungen. Und das sind nur die extremen Fälle von Rassismus, alle Formen von alltäglicher Diskriminierung und Fremdenfeindlichkeit sind hier nicht subsummiert. Aber fast jeder weiß davon zu berichten.

Kindertheaterpreis 2018

Das Stück wurde mit dem Deutschen Kindertheaterpreis 2018 ausgezeichnet. In der Laudatio für Fabrice Melquiot lobte die Jury das Stück  für Kinder als große Tragödie um Liebe, Macht und Herrschaftsansprüche. Die Konstruktion des Textes sei ungewöhnlich im Theater für Kinder und überaus bemerkenswert: Melquiot greife zu mythischen, archaischen Gestalten und verschaffe den Kinderfiguren einen eigenen, von der Außenwelt unantastbaren Raum.

Fabrice Melquiot wurde 1972 geboren. Er arbeitet als Theaterautor, Regisseur, Lyriker und Übersetzer. Als ausgebildeter Schauspieler ist er zunächst Mitglied der Compagnie Théâtre des Millefontaines um den Regisseur Emmanuel Demarcy-Mota, verfasst aber bereits seit 1998 Kinder- und Jugendstücke. Ab 2002 ist er Hausautor an der Comédie de Reims, dem Théâtre de la Ville, Paris und den Scènes du Jura. 2008 wird ihm der Prix du Jeune Théâtre de l’Académie française für sein Gesamtwerk verliehen, welches bislang ca. 50 Stücke für Kinder und Erwachsene umfasst. Fabrice Melquiot ist außerdem Mitbegründer des Autorenkollektivs La Coopérative d’Écriture. Seit der Spielzeit 2012/2013 leitet er das Kinder- und Jugendtheater »Am Stram Gram« in Genf. 2004 produzierte SR2 KulturRadio das Hörspiel »Der Gesichtswäscher«, 2015 »Als ich Charles war« (zusammen mit Deutschlandradio Kultur), das zuvor beim Primeurs-Festival gezeigt wurde. 2016 wurde sein Stück »Schwanengesänge« ebenfalls auf dem Primeurs-Festival gezeigt und erhielt den Primeurs-Autorenpreis 2016 für frankophone Dramatik. »Die Zertrennlichen« gewannen im Herbst 2018 den Grand Prix de Littérature dramatique Jeunesse und den Deutschen Kindertheaterpreis.
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