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Mut zum Hinschauen: Wie das Klinikum Karlsruhe Betroffene von Gewalt unterstützt

Kinderschutz im Fokus: Das einzigartige Child-Check-Konzept am Klinikum

(lifePR) (Karlsruhe, )
Häusliche Gewalt ist oft schwer zu erkennen – selbst im engen Umfeld. Zum Internationalen Tag zur Beseitigung der Gewalt an Frauen erklären Expertinnen des Klinikums Karlsruhe deshalb, wie man bei Verdacht richtig reagiert und warum geschulte Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in der Notaufnahme entscheidend sind.

Jedes Jahr macht die UN-Kampagne „Orange the World“ vom Internationalen Tag gegen Gewalt an Frauen am 25. November bis zum Tag der Menschenrechte am 10. Dezember auf Gewalt gegen Frauen und Mädchen aufmerksam.

„Häusliche Gewalt ist kein Sonderfall. Trotz hoher Dunkelziffer haben wir bei uns in der Notaufnahme täglich mit Frauen zu tun, bei denen wir häusliche Gewalt vermuten“, erklärt Banafsche Tajeri Foumani, Pflegefachkraft für Akut und Notfallpflege und Kinderschutzfachkraft im Städtischen Klinikum Karlsruhe. „Deshalb ist es so wichtig, dass die Kolleginnen und Kollegen wissen, wie sie im Verdachtsfall handeln müssen.“

Die erste Anlaufstelle für Opfer von Gewalt sind oft medizinische Einrichtungen. Im Klinikum Karlsruhe sind die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Notaufnahme deshalb speziell nach der S.I.G.N.A.L.-Leitlinie geschult. Die Abkürzung steht für die einzelnen Schritte im Leitfaden: Signal setzen, Interview mit der Betroffenen führen, gründliche Untersuchung der Verletzungen, Notieren und Dokumentieren aller Befunde, Abklären der aktuellen Gefährdung und Leitfaden mit Hilfseinrichtungen anbieten. S.I.G.N.A.L. ist bundesweit der Standard für den Umgang mit Betroffenen von häuslicher Gewalt. Dabei sind nicht nur medizinische Themen von Bedeutung, sondern auch Strategien für die Kommunikation mit den Betroffenen.

„Unsere Teams wissen, wie sie Anzeichen von Gewalt erkennen, medizinisch korrekt dokumentieren und den Betroffenen Schutz und Unterstützung vermitteln können“, berichtet Charlotte Riexinger, Oberärztin in der Zentralen Notaufnahme. „Betroffene brauchen von allem Verständnis, Sicherheit und den Zugang zu professioneller Hilfe. Eine frühzeitige Intervention kann entscheidend sein.“

Die Erwachsenen-Notaufnahme im Klinikum Karlsruhe hat außerdem als einzige Klinik deutschlandweit ein spezielles Kinderschutzkonzept, das gewährleisten soll, dass keine Kinder von der Situation betroffen sind. Bei jedem Verdachtsfall von häuslicher Gewalt wird deshalb ein sogenannter Child-Check durchgeführt.

Warnsignale im eigenen Umfeld

Oft ist es nicht sofort erkennbar, wenn Frauen im eigenen Umfeld von Gewalt betroffen sind. Deshalb ist es umso wichtiger, die Anzeichen zu kennen und zu wissen, wo und wie es Hilfe gibt.

Warnzeichen können beispielsweise wiederholte Verletzungen sein, für die die Betroffene keine plausible Erklärung geben kann. Wetteruntypische Kleidung, etwa langärmlige Oberteile im Sommer, können dazu dienen, solche Verletzungen vor Freunden und Verwandten zu verstecken, um Fragen zu vermeiden.

Andauernde Angst und Nervosität, ungewöhnliche Stille und Depressionen sind psychische Anzeichen, die bei Opfern von Gewalt auftreten können. Dazu kommt häufig der Rückzug aus dem sozialen Umfeld und kurzfristige Absagen von Verabredungen. Ist der Partner oder die Partnerin gewalttätig, äußert sich das beim Täter häufig durch extremes Kontrollverhalten von Finanzen und den Sozialkontakten des Opfers.

Wie helfe ich?

„Wer den Verdacht hat, dass eine Freundin oder Bekannte von Gewalt betroffen ist, sollte ins offene Gespräch mit dem Opfer gehen, ohne Druck auszuüben oder Vorwürfe zu machen. Wichtig ist es, aufmerksam zuzuhören und die Situation ernst zu nehmen, auch wenn die Betroffene ihre Situation herunterspielt“, erklärt Tajeri Foumani.

Im Laufe des Gesprächs sollte die Betroffene auf lokale Beratungsstellen, Frauenhäuser und das Hilfetelefon „Gewalt gegen Frauen“ mit der Nummer 116016 hingewiesen werden. Besteht akute Gefahr? Dann am besten sofort den Notruf 112 wählen und aus Sicherheitsgründen auf keinen Fall den Täter oder die Täterin selbst konfrontieren!

Leider ist aber in vielen Fällen Geduld gefragt. Viele Betroffene kehren mehrfach zum Täter oder zur Täterin zurück, bevor sie endgültig gehen können.

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