Dienstag, 26. September 2017


Gebündelte Kompetenz für die Reanimation des gelähmten Gesichts

Karlsruhe, (lifePR) - Das Städtische Klinikum Karlsruhe und die Berufsgenossenschaftliche Unfallklinik Ludwigshafen schließen einen Kooperationsvertrag über die Durchführung von plastisch rekonstruktiven Leistungen im Hals-Nasen-Ohrenbereich ab. Die Reanimation des gelähmten Gesichts steht dabei im Fokus.

Anlässlich der Unterzeichnung des Kooperationsvertrags sagt Prof. Dr. Hans-Jürgen Hennes, Geschäftsführer des Städtischen Klinikums Karlsruhe: „Wir freuen uns sehr über den Abschluss des Vertrags, der es uns ermöglicht, medizinische Kompetenz und spezielles medizinisches Fachwissen bei der komplexen Behandlung von Patienten mit einer Lähmung im Bereich des Gesichts in Karlsruhe wie auch in Ludwigshafen anbieten zu können. Mit Blick auf die stückweise Umsetzung unseres Medizinkonzepts am Klinikum Karlsruhe stellt dieses innovative Behandlungsangebot ein wichtiges Element dar, um unsere spezialisierte Medizin als Maximalversorger sowie unsere Alleinstellungsmerkmale in der Region weiter auszubauen.“

Auch Prof. Dr. Ulrich Kneser, Direktor der Klinik für Hand-, Plastische und Rekonstruktive Chirurgie mit Schwerbrandverletztenzentrum an der BG Ludwigshafen, hebt die Bedeutung der Kooperation hervor: „Die beiden Einrichtungen ergänzen sich in hervorragender Weise. Durch die enge Zusammenarbeit wird der fachliche Austausch gefördert und wir können dadurch gegenseitig unsere Expertise zur Verfügung stellen“, so Kneser. Davon profitieren in erster Linie die Patienten, die selbstverständlich auch aus der Rhein-Neckar-Region die Sprechstunde in Anspruch nehmen können. Die BG Klinik Ludwigshafen ist seit vier Jahren ausgewiesenes Zentrum für die Behandlung peripherer Nervenverletzungen, zu denen auch Verletzungen des Gesichtsnervs, des so genannten Fazialisnervs, zählen.

Lähmungen des Gesichts stellen nach Einschätzung des Neurologen Dr. Henning Rickmann für die Betroffenen eine sehr belastende Situation dar. Es fehlt nicht nur die Fähigkeit, das Auge zu schließen und den Mund symmetrisch zu bewegen – auch die Reaktionen des sozialen Umfeldes sind oft schwer auszuhalten“, so der Oberarzt der Neurologischen Klinik am Klinikum Karlsruhe. Seinen Angaben zufolge können die Ursachen einer Gesichtslähmung vielfältig sein. „Unfälle, Weichgewebstumoren, aber auch Entzündungen können eine Schädigung des motorischen Gesichtsnervs (Nervus facialis) auslösen. Ebenso kann dieses Krankheitsbild ohne erkennbaren Grund auftreten. In einigen Fällen kann sich die Lähmung von selbst wieder erholen, manchmal ist sie jedoch von Dauer“, erklärt Rickmann. Die Neurologische Klinik wird sich künftig bei den erforderlichen neurologischen Voruntersuchungen der Patienten einbringen. Aus neurologischer Sicht sieht der Oberarzt in dem neuen Behandlungsangebot gerade bei schweren Verläufen eine Chance. „Um die Folgen einer solchen Schädigung möglichst gering zu halten, gibt es bei schweren Verläufen neue anerkannte operative Methoden, die nur individualisiert in einem beschränkten Zeitfenster von einem spezialisierten Team durchgeführt werden können.“

Rickmanns Einschätzung macht deutlich, dass individuell anhand der Krankheitsursache und anhand des Krankheitsverlaufs zu entscheiden ist, ob eine und wenn ja welche Behandlung der bestehenden Gesichtslähmung in Frage kommt. Vor diesem Hintergrund umfasst das gemeinsame Therapieangebot eine Spezialsprechstunde sowie die Durchführung hochkomplexer operativer Eingriffe. Die künftigen Patienten werden dabei sowohl in Karlsruhe als auch in Ludwigshafen gemeinsam betreut von Prof. Dr. Johannes Schultz, Geschäftsführender Oberarzt der Hals-Nasen-Ohrenklinik am Städtischen Klinikums Karlsruhe, und Priv.-Doz. Dr. Leila Harhaus, Geschäftsführende Oberärztin der Klinik für Hand-, Plastische und Rekonstruktive Chirurgie an der BG Klinik Ludwigshafen. Beide Spezialisten sind sich einig, dass die Behandlung solcher Lähmungen eine große Herausforderung für das behandelnde Team aus Chirurgen, Neurologen, Physio- und Ergotherapeuten und verwandte Fachdisziplinen darstellt. „Heute steht eine Vielzahl von etablierten, chirurgischen und nichtchirurgischen Therapieverfahren zur Wiederherstellung der Gesichtsfunktionen zur Verfügung, die nach den analysierten Beschwerden des einzelnen Patienten in einem individuell auf ihn zugeschnitten Therapiekonzept an einem spezialisierten Zentrum erarbeitet und umgesetzt werden sollten“, so beide unisono.

Mit Blick auf Patienten, die sich aufgrund einer bösartigen Speicheldrüsenerkrankung einer tiefgreifenden chirurgischen und onkologischen Behandlung unterziehen müssen, sieht der HNO-Spezialist Johannes Schultz große Chancen durch die Etablierung dieser Kooperation. „Dank unseres gemeinsamen Wirkens können wir künftig radikal operieren, um den Tumor zu entfernen und die Überlebensrate der Patienten erhöhen, ohne den Erhalt der Funktionalität, die Ästhetik und die allgemeine Lebensqualität zu kompromittieren. All diese Aspekte sind für die Betroffenen von zentraler Bedeutung“, unterstreicht Schultz. Auch mit Blick auf eine im kommenden Jahr angestrebte Zertifizierung als Kopf-Hals-Tumorzentrum nach DKG Richtlinie sieht Schultz wichtige Grundlagen durch die neue Kooperation geschaffen.

Mit Fokus auf die operativen Möglichkeiten der Gesichtsreanimation, verweist die Spezialistin auf dem Gebiet der plastischen und rekonstruktiven Chirurgie, Leila Harhaus, auf statische und dynamische Operationsmethoden hin. Bei den statischen Methoden kommen ihren Angaben zufolge Oberlidimplantate, Faszienaufhängungen oder straffende Operationen zum Einsatz. Mit diesen Eingriffen kann die Symmetrie des Gesichts in Ruhe verbessert werden, wobei die Funktion nicht wiederhergestellt wird. Bei den dynamischen Methoden in Form von Muskelverlagerungen, Nerventransplantationen und freiem Gewebetransfer wird hingegen das Ziel verfolgt, die Symmetrie in Ruhe und Bewegung wiederherzustellen. Diese Methoden sind wesentlich aufwändiger. Harhaus sieht dank der verschiedenen Ansätze große Chancen für die Betroffenen, gute Ergebnisse zu erzielen und die persönliche Integrität und soziale Reintegration zu verbessern. „Gemeinsam mit den Patienten werden wir künftig in einem interdisziplinären Team, die individuell passende und maßgeschneiderte Lösung anhand der zur Verfügung stehenden Behandlungsmethoden finden.“

Laut Harhaus gibt es ein vergleichbares Therapiekonzept deutschlandweit bislang nur noch in Freiburg.

Patienten können sich mit einer Überweisung von einem Facharzt (Fachgebiete: Neurologie, HNO oder Mund-, Kiefer- und Gesichtschirurgie) unter den nachfolgenden Telefonnummern vorstellen und einen Termin vereinbaren. Die interdisziplinäre Sprechstunde „Fazialisreanimation“ ist jeden ersten Donnerstag im Monat zwischen 8:30 und 10 Uhr im Klinikum Karlsruhe in der HNO-Ambulanz in Haus S vorgesehen. (Telefon: 0721 974-2502 für Kassenpatienten und -2501 für Privatpatienten)

Geschäftsführer Hans-Jürgen Hennes wünscht dem Behandlungsteam abschließend viel Erfolg bei der Etablierung des neuen Behandlungsangebots und bedankt sich bei allen Beteiligten für die Erstellung und Ausgestaltung des Kooperationsvertrags.
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