„In Anora wird die Geschichte einer jungen Prostituierten als aufregend-anrüchige, humorvolle und abenteuerliche Erzählung inszeniert. Doch die Realität sieht anders aus: Prostitution ist für viele Frauen keine Wahl, sondern ein System der Ausbeutung“, erklärt Sylke Busenbender, Vorstand von Samaritan’s Purse.
Laut Schätzungen arbeiten auch in Deutschland rund 400.000 Frauen in der Sexindustrie – die Mehrheit nicht freiwillig. Studien zeigen, dass bis zu 95 % der Frauen von körperlicher Gewalt betroffen sind, und fast 90 % wünschen sich einen Ausstieg. Viele stammen aus osteuropäischen Ländern und geraten durch Armut, Gewalt und Menschenhandel in die Prostitution.
„Die Oscars haben eine enorme kulturelle Reichweite. Indem ein Film wie Anora ausgezeichnet wird, besteht die Gefahr, dass die harte Realität vieler Betroffener aus dem Blickfeld gerät“, betont Busenbender „Was im Film als tragisch-komisches Abenteuer dargestellt wird, ist für unzählige Frauen bittere Zwangslage. Ihre Geschichten sind keine Filmkomödie.“
Mit dem Projekt „Alabaster Jar“ setzt sich Samaritan’s Purse in Berlin aktiv für Frauen ein, die in der Prostitution gefangen sind. Mit Straßeneinsätzen, Beratung, konkreten Hilfsangeboten, Gebeten und der Einladung, im Glauben Halt und Perspektive zu finden, unterstützt „Alabaster Jar“ die Frauen vor Ort.
Busenbender fordert: „Wir brauchen eine ehrliche und differenzierte Debatte über Prostitution. Filme wie Anora dürfen nicht dazu führen, dass das Leid hinter dieser Industrie übersehen wird.“