Zwischen Sensibilität und Sensation

Fachtagung thematisierte Berichterstattung über Menschenhandel

(lifePR) ( Freising, )
Die Journalistin Inge Bell ließ keinen Zweifel aufkommen: Für Medienschaffende sei die Berichterstattung über Menschenhandel und Zwangsprostitution eine Gratwanderung. Auf der einen Seite seien Journalisten den Gesetzen der Medienbranche unterworfen, andererseits gelte es immer den Schutz der Opfer zu gewährleisten. "Es geht um einen Spagat zwischen Sensibilität und Sensation", betonte Bell. Damit umriss die Journalistin das Problem, dem sich eine Fachtagung in München am Donnerstag (5. März) widmete. Zu der Veranstaltung mit dem Titel "Sex sells...?! Menschenhandel und die Medien" hatten das "Aktionsbündnis gegen Frauenhandel", die Hanns-Seidel-Stiftung (HSS), die Hochschule für Philosophie und das katholische Osteuropa-Hilfswerk Renovabis im Vorfeld des Internationalen Weltfrauentags am 8. März eingeladen. Die knapp 200 Teilnehmer, darunter Journalisten, Fachfrauen aus Opferschutzeinrichtungen, Vertreter von Polizei, Politik und Kirche, waren sich einig, dass die Medien das öffentliche Bewusstsein für die Problematik des Menschenhandels weiter schärfen, gleichzeitig aber die Würde der Opfer wahren müssten.

Haderthauer: Internet-Pranger für Freier von Zwangsprostiuierten

Dementsprechend formulierte der Jesuit Professor Rüdiger Funiok von der Hochschule für Philosophie in München eine Reihe medienethischer Forderungen. Medienschaffende sollten vor allem den Aspekt der Menschenrechtsverletzung durch Menschenhandel herausstellen, so Funiok. Das erfordere Mut und ein journalistisches Vorgehen nach medienethischen Gesichtspunkten. Hier knüpfte Schwester Lea Ackermann, Gründerin der Opferschutzorganisation Solwodi, an. Die Guardini-Preisträgerin sprach von einem Dilemma. So seien Einrichtungen wie Solwodi auf die Medien angewiesen, um auf sich aufmerksam zu machen und die Bevölkerung über den verbrecherischen Menschenhandel aufzuklären. Maßstab ihres Handelns sei jedoch der Schutz des Opfers. Durch Interviews etwa liefen Betroffene Gefahr, erneut instrumentalisiert zu werden. "Opfer des Menschenhandels dürfen keine Quotenbringer sein", appellierte sie an die Medienschaffenden.

Wie sich diese Forderung in die Praxis umsetzen lässt, darüber berichtete Heiner Minzel, Erster Kriminalhauptkommissar am Polizeipräsidium in Dortmund. Im Zuge der Bekämpfung der Kriminalität rund um das "Rotlicht" hat sich dort seit 1995 eine für das Bundesgebiet beispielhafte enge Zusammenarbeit von Polizei, Behörden und Beratungsstellen entwickelt. Bei diesem so genannten Dortmunder Modell sind auch die örtlichen Medien miteingebunden. Das wiederum habe sich positiv im Sinne einer objektiven Berichterstattung ausgewirkt, so Minzel.

Von einer Schlüsselrolle der Medien beim Thema Menschenhandel sprach Bayerns Sozialministerin Christine Haderthauer. Diese hätten Menschenrechtsverletzungen öffentlich zu machen. Noch viel stärker müssten sie dabei herausstellen, worin der Zwang für die verschleppten und sich prostituierenden Frauen bestehe, "damit sich künftig kein Freier mehr herausreden kann". Überhaupt plädierte Haderthauer für mehr Druck auf die Freier von Zwangsprostituierten. Sie brachte die Möglichkeit ins Spiel, diese für ihr Tun im Internet an den Pranger zu stellen.

Dem Sozialwissenschaftler und Fernsehjournalisten Thomas Hestermann fiel die Aufgabe zu, die Anwesenden in ihrem Einsatz für die Opfer von Menschenhandel zu bestärken. Zuvor hatte er die ernüchternden Ergebnisse einer Studie erläutert, wonach das Thema Menschenhandel ein schwergängiges Fernsehthema sei, zumal die Opfer nicht als idealtypisch gelten. Umso mehr forderte er die Tagungsteilnehmer auf, den Medien "auf die Füße zu treten", damit diese dem Thema mehr Aufmerksamkeit schenken. "Geben Sie als Konsument ein Echo", so Hestermann. "Denn Ethik muss eingefordert werden."
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