Berufsbild des Chat-Moderators - eine echte Alternative für die Heimarbeit?

von Dr. Peter Echevers H.

Dr. Peter Echevers H. (lifePR) ( Armação dos Búzios, )
„Werden Sie Moderator in Heimarbeit, von zuhause aus Geld verdienen, bei freier Zeiteinteilung“ „Erfüllen Sie sich im Home-Office endlich ihre Urlaubswünsche“

So und ähnlich wird man in diversen Anzeigen von Agenturen gelockt, man soll als Chat-Moderator arbeiten, was das genau bedeutet, wird einem erst später erklärt. Was man da mit anderen Menschen machen soll, die im Vertrauen auf die Seriosität der Portale einen Partner suchen, wird einem erst mit der Zeit klar.

Flirt- und Dating-Portale täuschen den Menschen vor, sie würden hier schnell einen Sexualpartner finden, rasch wieder eine neue Beziehung eingehen. Endlich ihre Einsamkeit oder ihr Single-Dasein beenden – natürlich alles mit höchst attraktiven Menschen, wie sie aus den Profilen entnehmen können.

Eine geniale Geschäftsidee, Partnerbörsen haben Hochkonjunktur, wenn man sich anschaut, wie viele Ein-Personen-Haushalte es ist Deutschland gibt und wie diese Zahl täglich wächst.

Die Menschen finden scheinbar nicht mehr ohne die Hilfe des Internets zueinander.

Nun kommen findige Betreiber auf die Idee, daraus eine Geschäftsidee zu machen und möglichst schnell im Internet reich zu werdend.

Man gaukelt den Interessenten vor, dass man ein schier unerschöpfliches Potential an höchst attraktiven Singles aller Altersgruppen sozusagen im Vorrat hat, die nur darauf warten, noch heute jemanden für ein erstes Stelldichein, den ersten von vielen One-Night-Stands zu treffen.

Die harte Realität schaut allerdings für die vom Schicksal geknüppelten ganz anders aus, sie müssen, um jemanden ansprechen zu können, für jede Nachricht Geld bezahlen, beim einen Portal kosten die „Flirt-Crédit“ pro Nachricht etwa 0,80 Euro, bei anderen gleich das Doppelte oder sogar mehr. Einzelne „Flirt-Crédit“ kann man nicht kaufen, immer nur ein Bündel.

Stößt der/die Interessierte nun auf seine Traumfrau, auf ihren Traummann, wo räumliche Entfernung, Alter und Größe usw. passen, können die beiden sich unterhalten – man nennt das „chatten“.

Bald stellt der Kunde fest, dass es mit der schnellen Verabredung gar nicht so einfach ist, weil der Gesprächspartner erst noch schreiben möchte, erst noch den Kunden näher kennen lernen will, etwas über sein Leben erfahren möchte. Kurz es entwickeln sich Dialoge, die sich über Monate hinziehen können, wenn nicht Jahre und es bleibt bei der virtuellen Beziehung, ein Treffen, ein Date oder gar Sex finden nicht statt, niemals!

Warum zieren sich die höchst attraktiven Männer und Frauen nur, warum kommt es nie zu einer echten Verabredung in der realen Welt. Nun, ganz einfach, weil es diese tollen Menschen, mit dem so passenden Profil gar nicht gibt!

Bezahlte Schreiberlinge – sogenannte  Chat-Moderatoren – gaukeln 24 Stunden am Tag bei Anfragen vor, dass sie gerade jetzt unheimlich „heiß“ auf Sex seien, das letzte Wochenende Zeit hatten, schon mehrfach Verabredungen eingegangen wären, aber das kommende Wochenende leider nicht können, weil … und dann folgen dreitausendvierhundertachtundneunzig Gründe, warum es nicht geht.

Der interessierte Kunde hätte bei genauem Studieren der AGBs leicht herausfinden können, dass er in diesem Portal mit den Gesprächspartnern nie wird eine Beziehung eingehen können, weil diese von professionellen Schreibern gespielt werden.

Entweder der Kunde liest die Geschäftsbedingungen nicht durch, oder er glaubt sie nicht.

„Kann doch gar nicht sein, die Miriam, die hat mir schon so viel von sich erzählt. Kann doch nicht sein, dass es diese Person gar nicht gibt.“ Doch, kann nicht nur so sein, ist so!

Die Agenturen, die vom Portalbetreiber dazu verpflichtet werden, den Strom von Anfragen 24/7 zu beantworten, suchen ständig nach neuen Mitarbeitern und zahlen diesen pro erarbeiteter Kundennachricht – sogenannten INs – einen vereinbarten Betrag, der kann zwischen 12 und 18 Cent liegen. Oft schreibt der Moderator die Kunden mehrfach an – sogenannte OUTs – bis er eine Antwort bekommt. Für die OUTs bekommt der Moderator gar nichts.

Um zu garantieren, dass der Kunde nicht merkt, dass er mit einem oder gleich mehreren sich abwechselnden Moderatoren schreibt, sollen die Moderatoren sich vor einer Antwort in den Dialogfluss einlesen, das Profil des Kunden und des Fake-Profils studieren, damit die Kommunikation flüssig und im Kontext bleibt.

Der Moderator hat maximal ab dem Moment, da der Kunde seine Nachricht abgeschickt hat, fünf Minuten Zeit, das Profil zu studieren, den Vor-Dialog zu lesen, eine Antwort zu schreiben und für den Nachfolge-Kollegen entsprechend Nachricht in das Fake-Profil einzutragen, wenn beispielsweise nun im Dialog der Beruf angegeben wurde, ein Kind dazu erfunden wurde, ein Umzug geplant wäre, oder Probleme mit dem Ex noch immer nicht beendet sind. Das alles nur zur Sicherheit, damit der folgende Kollege nicht seitenlange Dialoge nachlesen muss.

Hat man diese fünf Minuten tatsächlich, weil man den Kunden direkt zugewiesen bekam, hat man Glück. Meistens steht ein Heer von Kunden einer äußerst begrenzten Moderatoren-Gruppe gegenüber, die nicht wissen, wie sie der Antworten Herr werden sollen. Meistens jedoch hat der Moderator nur eine Minute oder weniger, um dem Kunden in einem akzeptablen Zeitintervall zu antworten.

Ideal wäre, wenn ein Moderator nur eine Minute für die Profilpflege, Vordialog-Studium und eigene neue Antwort bräuchte. Dann käme er in einer Stunde auf 60 OUTs, was aber noch nicht bedeutet, dass er auch auf seine Nachrichten gleich wieder 60 Kundenanfragen bekommt.

Manchmal ist der Kunde nicht willig zu antworten, oder ist bereits schlafen gegangen, oder musste weg. Wir verbringen ja nicht das ganze Leben vor dem Bildschirm.

Aber gehen wir ruhig einmal vom Idealfall aus, der Moderator bekommt auf seine stolzen 60 OUTs auch vom Kunden Antwort, dann hätte er in dieser Stunde 10,80 Euro verdient. Das wäre allerdings wirklich der Idealfall, denn dann müsste beim Senden der Nachricht sofort unmittelbar eine neue Kundenanfrage eingehen. Das passiert aber nicht einmal in „Stoßzeiten“ also zwischen 20 und 24 Uhr. Selbst da vergeht oft eine bis zwei Minuten, bis das Programm dem richtigen Moderator die neue Nachricht zugewiesen hat. Und schon geht der Traumverdienst von 10,80 pro Stunden den Bach runter.

Real kommt man in vier Stunden harter Schreibarbeit, Profilpflege und Vordialogstudie auf etwas unter 20 Euro. Man arbeitet also für rund 5 Euro die Stunde. Ist aber gleichzeitig ein Druck seitens der Agentur ausgesetzt, mehr zu schreiben, ja keine Fehler in der Grammatik zu machen, sich stets zu informieren, ob man gerade als weibliches oder männliches Fake-Profil schreibt. Gleichzeitig sind „Rundschreiben“ zu beachten und veränderte Regeln zu beachten, was natürlich auch alles von der reinen Arbeitszeit abgeht.

Klar, wer will, kann im Chat auch 8 oder mehre Stunden arbeiten. Bei 8 Stunden käme man dann mit Glück auf 40 Euro Verdienst, was bei einer fünf-Tage-Woche satte 800 Euro monatlich wären.

„Wären“ das sage ich ganz bewusst, denn da gibt es neben der Agentur noch den Betreiber, der seine eigenen Regeln aufstellt und bei Regelverstoß den Moderator ganz beliebig für 24 Stunden sperren kann oder gleich eine Sperre ausspricht auf Lebenszeit, weil ihm ein Dialog nicht gefallen hat. Es ist müßig, mit der Agentur über den Sinn oder Unsinn des Einwandes seitens des Betreibers zu diskutieren. Man ist raus und das erarbeitete Geld ist futsch. Der Dialog wurde als grobfahrlässig eingestuft und das ist das schlimmste Vergehen in dieser Scheinwelt. Kurz vor Auszahlung erhält man eine Sperre und in seinem Vertrag hat man unterzeichnet, eine Vertragsstrafe von mindestens 300 Euro zu zahlen, wenn man grobfahrlässig handelt.

Das ganze Geschäftsmodell ist auf Abzocke ausgelegt, zum einen wird der Kunde mit den heißesten Versprechen aufs Glatteis geführt und er zahlt teures Geld dafür, mit einer fiktiven Person zu sprechen. Zum anderen werden die Moderatoren, die sich wie die Sklaven ins Zeug legen und dem Kunden die Realisierung all seiner kühnsten Träume versprechen, regelmäßig aufs Kreuz gelegt.

Ehrliche und korrekte Abrechnung gibt es nicht, pünktliche Auszahlung gibt es nicht und wer sich allzu sehr ins Zeug legt, wird mit Sperren so lange genervt, bis er aufgibt, oder er wird kurz vor der Auszahlung auf Lebenszeit gesperrt.

Der Weg zum Amtsgericht als Moderator ist nicht leicht, meistens sitzen die Firmen irgendwo als Briefkastenfirma in der Welt verstreut und man müsste den Prozess in einer fremden Sprache führen. Die Seitenbetreiber sind nicht greifbar, die haben nur mit dem Kunden ein Abkommen und das gilt nur solange dieser noch „Credits“ hat. Der Moderator hat mit dem Seitenbetreiber überhaupt keinen Kontakt, die Agentur ist ein reiner Mittelsmann, der sich je nachdem, von welcher Seite eine Beschwerde kommt, auf den anderen Part bezieht und seine Hände in Unschuld wäscht.

Abzocke im großen Stil und der Gesetzgeber schaut – wie bei Cum-Ex-Geschäften – erst einmal eine Reihe von Jahren zu, ehe er tätig wird und diesem illegalen Geschäftsgebaren eine Regel vorsetzt.

Die Menschen, die blauäugig in so eine Falle eines Dating- oder Flirt-Portals geraten, werden vom ersten Moment an ausgenutzt in ihrer Not, ihrer Einsamkeit oder – nennen wir es ruhig beim Namen, bei ihrer „Geilheit“.

Hier gaukeln fake-Profile selbst dem kränksten 90-jährigen Opa noch vor, dass sie total auf ihn stehen und sie beide die allerbesten erotischen Nächte ihres Lebens haben werden.

Die Witwe, die sich nur mühsam von ihrer Trauer erholt hat, wird hier um die letzten Ersparnisse gebracht, einfach weil sie nicht glauben kann, dass es den feurigen, jugendlichen Liebhaber mit seiner enormen Potenz in der Realität gar nicht gibt.

Die Menschen sprechen hier offen über ihre Probleme, nennen ihre persönlichen Kontaktdaten, wie man in WhatsApp, Twitter, Instagram, Facebook oder per E-Mail mit ihnen in Kontakt treten kann, was der Moderator natürlich nicht tut.

Aber was hier an Daten gesammelt wird, über Besitz, Firmeninternes, Krankheitsgeschichten, und vieles mehr, ist unglaublich, die Menschen geben rückhaltlos alles preis, genieren sich auch nicht, sich per Handy die intimsten Körperstellern zu fotografieren und dem vermeintlichen Partner zuzusenden – öffentlich in einem Flirtportal – ohne auch nur einen Moment nachzudenken.

Den Moderatoren wird vom Seitenbetreiber – also nicht der Agentur – eine riesige Sammlung von Intimfotos zur Verfügung gestellt, allesamt natürlich ohne den Kopf oder das Gesicht der abgelichteten Peron, so dass der Moderator seine Gesprächspartner ebenfalls mit besten Intimfotos versorgen kann.

„Ups, wo ist denn das Tatoo von deinem rechten Oberarm geblieben?“ Ja, da hat der Moderator dann bei der Bildauswahl nicht aufgepasst – und rums ist er für 24 Stunden gesperrt.

Wer sich auf der Suche nach Heimarbeit im Netz einer Chat-Agentur verfängt, wird nicht mehr Herr seiner Zeit sein, arbeitet sich dusselig für geringes Geld – und es ist Monat für Monat die große Frage, ob das Geld überhaupt ausgezahlt wird.

Ganz dreiste Agenturen verlangen für die Überweisung des Verdienstes gestaffelt nach Höhe der Forderung auch noch satte Überweisungsgebühren von 30 und mehr Euro, die dann eben mal in Abzug gebracht werden. Bei 150 Moderatoren macht das eben mal zum Spaß 4.500 Euro aus, die zwar vom Betreiber an die Agentur überwiesen, aber von dieser nicht an die Moderatoren ausgezahlt werden. 30 Euro weniger auf dem Konto, bedeutet, man hat runde 210 INs umsonst erwirtschaftet, was etwa 300 gesendeten Nachrichten des Moderators gleichkommt. Bei vier Stunden täglich hat er drei Tage des Monats nur für die Überweisungskosten geschuftet.

Wer wirklich nach Arbeit sucht, sollte nicht auf diese Maschen der Agenturen reinfallen, wer wirklich nach einem Partner für was auch immer Ausschau hält, sollte sehr genau darauf achten, in welcher Partnerbörse er landet, und die AGBs genau studieren.

Modells und Menschen mit Modell-Körper sind bestimmt in keiner Flirt-Börse unterwegs, um sich einen One-Night-Stand mit einem Siebzigjährigen einzufädeln.

Nette, normale Menschen wie Sie und ich trifft man an jeder Straßenecke, in jeder Kneipe, jedem Restaurant, dem Supermarkt, der kleinen, verträumten Bar. Denken Sie daran.

Ein anderer Aspekt ist, dass die Arbeit als Chat-Moderator seelisch sehr belastend ist, man ist gezwungen stundenlang, Chat für Chat zu lügen und den nettesten Menschen Hoffnungen zu machen, auf eine tolle Liebesnacht, ein schönes Wochenende, einen gemeinsamen Kurzurlaub oder gar eine lebenslange Partnerschaft.

Man erzählt den Kunden wie sehr man doch auf Fitting oder Analverkehr steht, wie oft man sich ordentlich depiliert – selbst wenn der Moderator eigentlich ein händeringend nach Arbeit suchender Mann in hohem Alter ist.

Die einschlägigen Clans haben eine Marktlücke entdeckt, die Prostitution ganz ohne Huren, wo der Leichtgläubige es sich bei Bildchenversand selbst besorgt und bezahlt.

Irgendwann kommt zu dem geringen Verdienst eines Chat-Moderators noch die Frage hinzu, ob man das wirklich alles mit seinem Gewissen vereinbaren kann, was man den Menschen da draußen alles vorschwindelt.

Ob Sie von Chat-Agenturen, wie „Cloudworkers“ „Zuhause“, „AG-Agentur, „Agentur Orchidee“, „Love-IN“ oder „DaChatDeife“ „Heimarbeit Austria“ lesen, es ist immer die gleiche Masche. Geld verdienen kann man hier nicht, auch wenn all die hübschen Aussagen „bestens etablierter“ Moderatoren genau das Gegenteil sagen, das sind genauso Fakes, wie die Rolle, die Sie bei einer solchen Agentur übernehmen sollen.

Agenturen schießen derzeit wie die Pilze aus dem Boden, haben eine Firmensitz irgendwo im Ausland und sind im Zweifelsfalle nicht mehr greifbar. Ein Kontakt, der nicht zurückverfolgt werden kann, findet meistens über das veraltete SKYPE-Netz statt.

Wer es mit seinem Gewissen vereinbaren kann, stundenlang die Menschen zu belügen und über Wochen deren Träume mit falschen Aussagen und Versprechen am Leben zu erhalten, sollte sich nicht wundern, dass er von seinen Auftraggebern auch von vorne bis hinten belogen und betrogen wird. Da sitzen dann alle wieder im gleichen Boot, allerdings verdienen an dem System nur der Seitenbetreiber und die Agentur etwas. Der Rest des Fußvolkes wird verarscht.
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