Freitag, 24. November 2017


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NABU mit erfreulicher Verbandsentwicklung 2006 - Rund 418.000 Mitglieder

Tschimpke: Klimawandel bringt neue Herausforderungen im Naturschutz

Bonn, (lifePR) - Der NABU konnte auch im vergangenen Jahr wieder auf eine breite Unterstützung in der Bevölkerung bauen. Zum Jahresende zählte der Verband rund 418.000 Mitglieder - eine deutliche Steigerung gegenüber dem Vorjahr mit fast 408.000 Mitgliedern. "Wir freuen uns über das entgegengebrachte Vertrauen. Es ist eine Anerkennung für den Einsatz der vielen Menschen, die in ganz Deutschland für den NABU und damit für eine intakte Natur und Umwelt aktiv sind“, sagte NABU-Präsident Olaf Tschimpke anlässlich der Vorstellung des NABU-Jahresberichts 2006.

Viele Themen, die im vergangenen Jahr aufkamen, seien weiterhin aktuell und erforderten nach wie vor ein wirksameres Handeln von Seiten der Politik. Der alarmierende Bericht des britischen Ökonomen Nicolas Stern sowie der milde Winter 2006 hätten der öffentlichen Diskussion um die Folgen des Klimawandels eine neue Intensität beschert. Unter dem Deckmantel des Klimaschutzes versuchten Stromkonzerne und Unionspolitiker Laufzeitverlängerungen von Atomkraftwerken durchzusetzen. "Die entlarvende Pannenserie bei Vattenfall macht mehr als deutlich, dass es keinen Weg zurück geben darf - weg von der Risikotechnologie hin zu Erneuerbaren Energien und mehr Energieeffizienz“, sagte Tschimpke. Nicht zu vergessen sei schließlich neben den jüngsten Störfällen in den Reaktoren Krümmel und Brünsbüttel, der schwerwiegende Störfall im schwedischen Atomkraftwerk Forsmark im letzten Sommer, wo es fast zu einer Kernschmelze gekommen sei.

Der NABU begrüßt Bundesumweltminister Gabriels Zusagen, in Deutschland bis 2020 40 Prozent bei schädlichen Klimagasen einzusparen. Unter der deutschen EU-Ratspräsidentschaft sei jedoch eine übergreifende Klimaschutzstrategie leider nicht gelungen. "Bisher gibt es nur eine Verpflichtung der EU zur Reduzierung der Treibhausgase um 20 Prozent bis 2020. Es ist aber bekannt, dass die Industrieländer aufgrund ihrer Verantwortung für den Klimawandel mindestens 30 Prozent bis 2020 und sogar bis zu 80 Prozent bis 2050 leisten müssen“, betonte der NABU-Präsident. Im Verkehrssektor sei der wirksamste Klimaschutz durch Effizienzsteigerungen an Fahrzeugen sowie durch Vermeidung und Verlagerung von Transporten zu erreichen. Bis heute hätten EU und Bundesregierung dafür kein Konzept vorgelegt. Der Klimawandel stelle auch Naturschützer vor neue Herausforderungen: Wenn sich die Struktur der Landschaft infolge klimatischer Wetterextreme verändere, werden liebgewonnene Arten abwandern, aber auch neue dazu kommen.

2006 sorgte der Ausbruch der Vogelgrippe in Deutschland für Schlagzeilen. Auch in den vergangenen Wochen beschäftigte der Fund infizierter Vögel wieder die Öffentlichkeit. Aus NABU-Sicht sind die Gefahren in der Ausbreitung von Tierseuchen vor allem in der Massentierhaltung und Tiertransporten zu suchen. Schließlich sei auch die Rückkehr großer Wildtiere spätestens seit der tödlich verlaufenden Odyssee des Braunbären "Bruno“ durch die Alpen ein Thema. Nach wie vor mangele es bundesweit an einem stimmigen Konzept für den sachgerechten Umgang mit tierischen Einwanderern und Rückkehrern. "Länderübergreifende Managementpläne für Bär, Wolf, Luchs & Co. sind überfällig“, so Tschimpke. Der NABU gehe mit dem Aktionsplan "Willkommen Wolf“, dem Bundeswildwegeplan zu Wanderkorridoren von Wildtieren und der Kampagne "Dem Luchs den Weg bereiten“ hier selber mit gutem Beispiel voran.

"Aus Naturschutzsicht völlig unakzeptabel“ nannte Tschimpke die Verabschiedung der Föderalismusreform im vergangenen Jahr. "Die beschlossene Verfassungsänderung war eine herbe Enttäuschung für alle im Umweltbereich Tätigen - für engagierte Bürger und Verbände. Mit ihrer Zustimmung haben die Bundestagsabgeordneten dem Ökodumping in den einzelnen Bundesländern Tür und Tor geöffnet“, kritisierte Tschimpke. Die Freude bei Naturschützern über die Entscheidung, 125.000 Hektar bundeseigene wertvolle Naturschutzflächen als Nationales Naturerbe in einer Bundesstiftung oder durch Abgaben an die Länder dauerhaft zu sichern war 2006 groß. *Bislang ist es leider nur bei dieser Ankündigung geblieben. Passiert ist noch nichts“, so Tschimpke.

Mit 13,1 Millionen Euro hatten die Mitgliedsbeiträge wieder den größten Anteil an den Gesamteinnahmen von 19,7 Millionen Euro. Bei den Spenden und Bußgeldern wurde ein solider Zuwachs verzeichnet. Die größte Steigerung gab es bei den Erbschaftseinnahmen mit 1,2 Millionen Euro (Vorjahr: 356.656 Euro). Mit 7,1 Millionen Euro förderte der NABU auch 2006 wieder die Arbeit der Aktiven in den rund 1500 Orts- und Kreisgruppen vor Ort. Der Anteil der allgemeinen Verwaltungsausgaben konnte mit sechs Prozent der Gesamtausgaben von 17,4 Millionen Euro auch 2006 erfreulich klein gehalten werden.

Die NABU-Stiftung Nationales Naturerbe vergrößerte im vergangenen Jahr ihren Flächenbesitz um 1.031 Hektar auf 5.537 Hektar. Mit dem Kauf von 560 Hektar in einem ehemaligen Braunkohlentagebau in der Niederlausitz wurde der Gebietsaufbau im Stiftungs-Projekt Naturparadies "Grünhaus“ abgeschlossen. Das Vermögen der Stiftung betrug am Jahresende 1,8 Millionen Euro.

Der NABU Bundesverband zieht im September 2007 komplett vom Rhein an die Spree. Wie vom NABU-Parlament vor fünf Jahren beschlossen, sind dann alle bisher auf Bonn und Berlin aufgeteilten Fachbereiche und Referate der Bundesgeschäftsstelle, das Büro des Präsidenten, die NAJU und die NABU-Stiftung Nationales Naturerbe unter einem Dach auf insgesamt 2.200 Quadratmetern und fünf Stockwerken in der Charitéstraße 3, 10117 Berlin zu finden.
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