Auch sollte man sich fragen, ob es plausibel ist, dass der Anbieter sich einen so starken Nachlass leisten kann, so Endres, der sich im Kölner Polizeipräsidium mit Fahrzeugdiebstählen beschäftigt. Manche Täter würden Gründe für den niedrigen Preis etwa durch einen absichtlich herbeigeführten leichten Streifschaden vorschieben. Ausreden wie Notlagen durch einen teuren Krankenhausaufenthalt des Halters seien in der Regel frei erfunden. „Es können da sehr persönliche, sogar tränenreiche Geschichten kommen, die viele aus Pietätsgründen nicht hinterfragen mögen. Oder der Preis macht die Leute blind.“
Man sollte sich auch nicht von den vorgezeigten Fahrzeugpapieren überzeugen lassen. „Wir gehen davon aus, dass in Deutschland derzeit eine deutlich fünfstellige Zahl an Blanko-Fahrzeugpapieren in Umlauf ist, die in der Regel aus Einbrüchen in Zulassungsstellen stammen.“ Die Papiere sollte man sich zudem genau anschauen. „Beim Ausfüllen unterlaufen den Tätern oft Rechtschreib- oder inhaltliche Fehler. Etwa, wenn sich die ausstellenden Zulassungsbehörden in Stempel und Aufdruck unterscheiden. Oder wenn die Zeilenabstände nicht stimmen. Ich kenne auch kein deutsches Zulassungsamt, das noch Schreibmaschinen nutzt.“
Ein weiteres Indiz: „Der Ort der Fahrzeugübergabe ändert sich kurzfristig oft ein paarmal, die Verkäufer sind eigentlich immer unzuverlässig. Meist findet das Treffen dann abends spät irgendwo auf der Straße statt, obwohl die Fotos für die Verkaufsinserate in Wohngegenden entstanden sind“, so Kommissar Endres. Wer sicher gehen will, kein gestohlenes Auto zu erwerben, soll dem Anbieter ankündigen, das Auto durch die Polizei überprüfen zu lassen. „Bei Kriminellen würde das die Verkaufsverhandlungen sofort beenden.“
Redakteur: Claudius Maintz