Der Haushaltsstreit in den USA hat zu einer merklichen Verunsicherung der Anleger geführt und sichtbare Spuren bei US-Aktien hinterlassen. Gegenüber ihren Höchstständen im September haben Dow Jones Industrials und S&P 500 zuletzt gut 4 % bzw. rund 3 % verloren. Zwar konnten sich DAX und EURO STOXX 50 den negativen Vorgaben nicht völlig entziehen. Sie haben sich aber deutlich besser gehalten und notieren nur unwesentlich unterhalb ihrer zyklischen Höchststände.
Die seit Jahresmitte zu beobachtende Outperformance von Euro-Titeln hält somit an. Während angesichts der Reife des US-Zyklus die Haushaltskapriolen als Wachstumsrisiko gesehen werden, profitieren Euro-Aktien von der Aussicht auf eine Konjunkturerholung. Allerdings ist inzwischen bereits viel Positives eingepreist. Neue Impulse könnten von den anstehenden Zwischenergebnissen der Unternehmen ausgehen. In den USA wird traditionell Alcoa den Startschuss zur Berichtssaison über das dritte Quartal geben. Daneben werden zehn weitere Unternehmen aus dem S&P 500 berichten. In der Folgewoche werden dann 71 nachlegen. Die Schätzungen für den Gewinnzuwachs der S&P 500-Unternehmen im dritten Quartal sind von 5,5 % gg. Vj. Anfang Juli auf zuletzt 1,8 % geschrumpft. Damit liegt die Messlatte nicht sonderlich hoch. Angesichts des deutlichen Anstiegs des ISM-Index für das Verarbeitende Gewerbe in den vergangenen Monaten dürften die positiven Gewinnüberraschungen bei den Q3-Ergebnissen klar überwiegen.
Wichtiger für die mittelfristige Kursperspektive ist allerdings die Frage, ob der negative Revisionstrend gestoppt werden kann. Bislang werden die Konsensschätzungen für die Nettoergebnisse der kommenden 12 Monate mehrheitlich nach unten revidiert. Ohne eine Verbesserung der Gewinnperspektive wird die Luft zunehmend dünner. Schließlich haben US-Aktien mit einem KGV von 14 inzwischen ein Niveau erreicht, das in der jüngeren Vergangenheit nur während der New Economy Blase sichtbar übertroffen wurde. Das künftige Kurspotenzial beschränkt sich somit im Wesentlichen auf das Ausmaß der Unternehmensgewinnzuwächse, die im langfristigen Durchschnitt mit rund sieben Prozent steigen. Etwas besser sehen die Perspektiven für Euro-Aktien aus. Gewinnsteigerungspotenzial ergibt sich im Zuge der Konjunkturerholung sowohl aus einer Belebung der Unternehmensumsätze als auch aus einer Ausweitung der Gewinnmargen. Solange im USHaushaltsstreit aber kein Kompromiss gefunden ist, dürften die fundamentalen Gegebenheiten eine eher untergeordnete Rolle spielen.