Schwerkranke Kinder oft stärker als die Eltern

Rückblick auf Online-Seminar mit Ideen und Anregungen zur unterstützenden Begleitung durch Eltern & Angehörige

Rückblick auf Online-Seminar mit Ideen und Anregungen zur unterstützenden Begleitung durch Eltern & Angehörige
(lifePR) ( Hannover/Sehnde, )
„Ich würde eigentlich gerne zu Hause sterben, aber ich weiß, dass meine Eltern das nicht schaffen. Deshalb bleibe ich lieber in der Klinik.“ Mit diesem anrührenden Zitat machte der Diplom-Theologe und Notfall-Psychologe Michael Steil deutlich, dass schwerkranke Kinder oft stärker sind als ihre Eltern, aber dass es soweit nicht kommen dürfe. In einem Internet-Seminar gab er betroffenen Eltern jetzt Impulse, wie sie ihrem erkrankten Kind helfen und stärken können. Wichtig sei vor allem, dem Kind nichts vorzumachen und mit offenen Karten zu spielen. „Auch wenn die Wahrheit bitter ist, dürfen Eltern ihre Kinder nicht belügen. Dann ist das Vertrauen zerstört und die Therapie beendet“, sagte der zweite Referent, Dr. Michael Sasse, Leitender Oberarzt der Kinderintensiv-Station der Medizinischen Hochschule Hannover (MHH).

Es war bereits das vierte so genannte Online-Seminar – organisiert und finanziert vom Verein „Kleine Herzen Hannover“. Weil durch die Corona-Pandemie keine Vorträge zu diesen Themen stattfinden können, gibt es diese Angebote, die sich sowohl an Ärzte und Pflegekräfte, aber auch – wie hier – an betroffene Eltern richten.  Die Idee dazu kam von der Vorsitzenden des Vereins „Kleine Herzen“, Ira Thorsting: „Wir dürfen die Eltern in dieser schwierigen Zeit nicht allein lassen und werden auch in Zukunft weitere Angebote machen.“ „Kleine Herzen Hannover“ ist ein gemeinnütziger Verein, der seit 2006 einmalige und bereits mehrfach bundesweit ausgezeichnete Projekte in der Kinderherzklinik der MHH anbietet und jetzt sogar für den Deutschen Engagementpreis nominiert ist. 

Michael Steil gab den Eltern im Internet-Seminar wichtige Tipps und Ratschläge. Er erklärte, dass Kinder anders mit Krankheiten umgehen würden als Erwachsene. „Vor allem kleine Kinder halten sich für unsterblich. Sie sind in erster Linie Kind, neugierig, haben Interessen und können Glück und Freude empfinden“, sagte der Psychologe. Darum sollten Eltern nicht nur über die Krankheit reden, sondern für ihre Kinder schöne und glückliche Momente gestalten. Dr. Michael Sasse berichtete aus seinem Alltag mit schwerkranken Kindern. Viele Eltern hätten ein schlechtes Gewissen, wenn sie mit dem todkranken Kind scherzen würden. Aber gerade das sei wichtig, damit die Kinder Abstand gewinnen und neuen Mut schöpfen können.

Als kritisch sehen die Experten die Situation, wenn Kinder meinten, ihre Eltern trösten zu müssen. Das sei bis zu einem gewissen Grad in Ordnung, dürfe nur kein Dauerzustand werden. Die Vorsitzende des Vereins „Kleine Herzen“, Ira Thorsting, brachte in diesem Zusammenhang eine mögliche Elternschule ins Gespräch. Ein Ort, an dem Eltern lernen können, welche Möglichkeiten sie haben und wie sie ihre Kinder stärken können. Dr. Sasse begrüßte den Vorschlag und sagte: „Ich finde eine Elternschule gut, damit auch wir Erwachsene lernen, wie wir mit unseren Kindern in solchen krisenhaften Situationen umgehen.“ Auch Michael Steil bezeichnete den Vorschlag als „schöne Idee“. Er sei der festen Überzeugung, dass Eltern viel von ihren Kindern lernen können. Dazu müsse man ihnen aber auch mehr zutrauen und vor allem zuhören.

Dr. Michael Sasse behandelt seit über 20 Jahren schwerkranke Kinder in Hannover. Die MHH-Kinderintensivstation ist die größte im deutschsprachigen Raum. Das Wichtigste sei ein positives Familienklima und dass das kranke Kind eine verlässliche Bezugsperson hat, zu dem es Vertrauen haben und über alles reden kann. Auf den Satz „Ich habe Angst!“ sollten Eltern nie antworten „Du brauchst keine Angst zu haben.“ Das sei falsch, denn die Angst sei ja da. Darum solle man lieber nachfragen, wovor das Kind Angst habe und wie man damit umgehen könne. Das Kind müsse die neue Situation auch verarbeiten können. Dabei habe jedes Kind seinen eigenen Weg. „Die einen malen oder spielen, die anderen schreiben oder reden“, sagte Dr. Sasse. In der MHH gibt es dazu verschiedene Möglichkeiten, die der Verein „Kleine Herzen“ geschaffen und mit Spendengeldern finanziert. Eine Kunsttherapeutin malt regelmäßig mit betroffenen Kindern, aber auch mit den Eltern oder Geschwistern. Eine Musikpädagogin bietet Musik- und Klangtherapie an.

Dr. Sasse hat viele Situationen erlebt, wo Kinder durch oft einfache oder auch besondere Impulse gestärkt wurden. So habe er einmal für einen 16-Jährigen, dem nach einem Unfall der Unterschenkel amputiert werden musste, eine ebenfalls beinamputierte Paralympics-Siegerin eingeladen. Diese Begegnung habe dem Jungen einen ungeheuren Schub gegeben. Und für ein 14jähriges Mädchen habe er sogar einmal ein Pferd auf die Intensivstation gebracht. Für das Mädchen sei das der Wendepunkt gewesen. Sie habe vorher nichts mehr essen wollen und sich aufgegeben. Inzwischen habe sie ihre Schule beendet und einen Ausbildungsplatz.
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