Greenpeace warnt: Waldbraende in Russland koennen zu schweren Atomunfaellen fuehren

(lifePR) ( Hamburg, )
Faellt durch die andauernden Flaechenbraende die Stromversorgung russischer Atomkraftwerke aus, kann es in den Anlagen zu nicht mehr beherrschbaren Notfallsituationen kommen. Die Umweltschutzorganisation Greenpeace warnt davor, dass zerstoerte Hochspannungsleitungen und durch Rauch und Hitze versagende Notstromgeneratoren zum Ausfall der notwendigen Kuehlung der Reaktoren fuehren koennen. Greenpeace fordert die russische Regierung auf, die bedrohten Atomreaktoren umgehend herunterzufahren und die Oeffentlichkeit umfassend ueber die Sicherheitslage der betroffenen Anlagen zu informieren.

"Die russischen Krisenregionen sind ein nukleares Pulverfass, das sofort unter Kontrolle gebracht werden muss", sagt Heinz Smital, Atomexperte bei Greenpeace. "Die Atomanlagen muessen unter allen Umstaenden geschuetzt werden. Die russische Regierung muss auch technische Hilfe aus dem Ausland anfordern. Es ist unglaublich, dass den Menschen in Russland und den Nachbarlaendern Informationen ueber die Situation vorenthalten werden und nur scheibchenweise weitergegeben werden."

Die grossflaechigen Feuer in Russland gefaehrden Atomanlagen direkt und indirekt. Faellt zum Beispiel die externe Stromversorgung durch die Beschaedigung einer Hochspannungsleitung aus, muss die Notstromversorgung anspringen, um den Reaktorkern zu kuehlen. Fallen auch diese Dieselgeneratoren wegen Ueberhitzung oder starkem Rauch aus oder springen erst gar nicht an, kann es zu einer Kernschmelze kommen. Dasselbe gilt fuer den Ausfall der Kuehlsysteme von Plutoniumtanks, wie sie in der Wiederaufbereitungsanlage Majak stehen. Dort wuerde es zu keiner Kernschmelze kommen, sondern zu einer Explosion, die grosse Teile Russlands verseuchen wuerde.

"Zwar beendet das Abschalten eines Reaktors die nukleare Kettenreaktion, die Gefahr einer Kernschmelze ist damit aber nicht gebannt. Der Reaktorkern muss dauerhaft gekuehlt werden, um die Abwaerme durch den radioaktiven Zerfall abzuleiten", so Smital.

Besonders gefaehrdet sind die zwoelf Atomkraftwerke an den Standorten Kalinskaya, Balakovskaya, Rostovskaya und Novovoronezhskaya, sowie die Atomanlagen von Sarow und Majak. Das russische Atomunternehmen Rosatom meldet heute, dass nur 300 Meter entfernt vom militaerischen Nuklearkomplex Sarow ein 14 Quadratkilometer grosses Waldstueck brennt. "Die Lage hat sich sehr stark verkompliziert", schreibt Rosatom in einem Papier, das Greenpeace vorliegt. In Majak befindet sich ein Plutoniumtank, der dauerhaft gekuehlt werden muss. Es gibt Hinweise, dass vor wenigen Tagen im Reaktor 3 in Novovoronezhskaya ein Transformator durch die Hitzewelle beschaedigt wurde und der Reaktor abgeschaltet werden musste. Durch den Vorfall sei nach Behoerdenangaben keine Radioaktivitaet freigesetzt worden.

Im Falle eines schweren nuklearen Unfalls in der Krisenregion kann nicht ausgeschlossen werden, dass es auch in Deutschland zu radioaktiver Kontamination kommt. "Im Interesse der deutschen Bevoelkerung muss Bundeskanzlerin Merkel eine transparente und glaubhafte Informationspolitik von der russischen Regierung einfordern und zugleich umfangreiche und schnelle Hilfe im Kampf gegen die Flammen anbieten", sagt Smital.
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