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Buchrezension

Es ist wieder einmal Endzeit. Wahrlich biblisch klingt der Weltuntergang bereits im Titel an / Schuld daran hat laut Georg Vielmetter die Generation Ego. Wer jetzt die „verlotterte Jugend“ im Blick hat, wird enttäuscht werden

(lifePR) (Ostfildern, )
Georg Vielmetter: Generation Ego – Nach uns die Sintflut?

Heyne Verlag, München
272 Seiten
Paperback: 18,00 Euro
E-Book: 12,99 Euro

ISBN-10: 3453606949
ISBN-13: 978-3570105818

Gemeint sind vielmehr die Babyboomer, also die zwischen 1950 und 1970 Geborenen. Diese „Cold-War-Generation“ sah die dunklen Unwetterwolken zwar kommen, baute jedoch keine Arche. Heute ist die Menschheit dem Ende der Zivilisation näher als gewünscht, denn die unheilvolle Gemengelage aus Demografie, Rentensystem und Klimawandel bedroht die Zukunft. Doch es geht dem promovierten Soziologen nicht allein um Schuldzuweisungen, sondern er ruft zu verantwortlichem Handeln auf.

Zum Buch

Das 272 Seiten starke Buch ist nach der Einleitung in drei Teile gegliedert. Die Einleitung klärt den Generationenbegriff, stellt die luxus- und erfolgsverwöhnte „Generation Ego“ vor sowie die drei Krisenherde Demografie, Rentensystem und Klimawandel. Der erste Teil entwirft ein detailliertes Psychogramm der „Cold-War-Generation“, die durch durchgängige Stabilitäts- und Wachstumserfahrungen geprägt wurde. Der zweite Teil widmet sich den drei Problemkomplexen und stellt den Beitrag der „Boomer“ zur Entstehung und zum Verlauf der Krise dar. Der dritte Teil versucht, Anklage und Entlastung dieser Generation gegeneinander abzuwägen und realistische Handlungsmöglichkeiten zu skizzieren.

Der Autor ist nicht zimperlich in seiner Analyse: Die selbstzufriedene Binnenperspektive gepaart mit hoher Selbstgewissheit und beißender Ignoranz führe zu einer Art Siegermentalität (S. 24), die leider die Realität zunehmend aus den Augen verlöre. Die nachfolgenden Generationen würden dafür zukünftig die Rechnung präsentiert bekommen. Vielmetter warnt davor, sich in der Zukunft allein auf den technischen Fortschritt als Lösung zu verlassen. Das habe etwas Quasireligiöses an sich, das den Menschen nicht von seiner persönlichen und gesellschaftlichen Verantwortung freispreche. Stattdessen gehe es darum, innere Barrieren und Partikularinteressen zu beseitigen und zu „V-e-r-z-i-c-h-t-e-n!“ (S. 244), um nachhaltig die Probleme lösen zu können. Zusätzlich fordert der Autor; „Wahlrecht für alle – und zwar ab Geburt“ (S. 257).

Zum Punkt

Biografische Elemente mischen sich mit zahlreichen Zahlen, Daten und Fakten und ergeben ein vielschichtiges Bild der aktuellen prekären Lage. Trotz des aufsehenerregenden Titels gelingt es Vielmetter in seiner Streitschrift, eine lesenswerte Analyse der aktuellen Problemlage zu liefern. Es geht nicht nur um unumgängliche Veränderungen, sondern vor allem um das gesellschaftliche Engagement der Boomer-Generation. Allerdings wirkt der Appell an diejenigen, die vom Schicksal begünstigt wurden, ihrerseits die nächste Generation im Blick zu haben und den Generationenvertrag einzuhalten, etwas hilflos. Schließlich ist es eine fast übergroße Anstrengung und kommt der Selbstverleugnung nahe, gegen das eigene Ego anzukämpfen, und nicht bloß Lobbyisten oder Ideologen auszumerzen. Sein selbstkritisches Resümee wirkt zudem nicht gerade tröstlich für die Generationen Y und Z: „Die Bilanz der Generation ist nicht gut. Wir hinterlassen vielleicht keine Sintflut, aber den Garten Eden schon mal gar nicht. Vielleicht wäre … Vorhölle ganz passend“ (S. 18). Womit dann auch wieder ein biblisches Bild bemüht wird. Wenn „Jenseits von Eden“ momentan Realität ist, tun wir gut daran, die Hoffnung zuletzt sterben zu lassen.

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