Lee Konitz & Minsarah: Deep Lee

VÖ: 16. Mai 2008 | ENJA RECORDS/Soulfood (ENJ 9517 2)

(lifePR) ( München, )
Lee Konitz (der drei Wochen nach dieser Aufnahme 80 Jahre alt wurde) war eine Schlüsselfigur in der Entstehung der "Cool School" von 1949, das Bindeglied zwischen Miles Davis' Capitol Orchestra und Lennie Tristanos Sextett. Konitz spielte sein Altsaxofon mit einer Sanftheit und emotionalen Zurückhaltung, die damals völlig neuartig waren. Gleichzeitig hatte er auf seinem Horn melodisch und rhythmisch so viel mehr zu sagen als ganze Generationen von Saxofonspielern vor und nach ihm. Dieser kühlen Botschaft blieb Konitz bis heute treu: ein reisender Zauberer, der ständig aus dem Stegreif neue Melodielinien erfindet, immer, immer wieder. Konitz ist keiner, der durch Expressivität und Blue Notes die Gefühle des Hörers aufwühlt, kein Populist oder Crowdpleaser; er hat den schmalen Pfad gewählt:

Konzentration, Strenge, Stil. "Ich habe das Gefühl, dass ich die alten Songs ohne Ende spielen kann und immer noch neue Variationen finde", sagt er. Sein Timing ist ein Wunder, seine Linien besitzen eine ganz eigene, rätselhafte Schönheit. Große Kunst des Unscheinbaren.

Ein halbes Jahrhundert nach dem "Jahr des Cool" gründeten drei junge Berklee-Studenten ein außergewöhnliches Trio: Minsarah. Das Wort "minsarah" ist hebräisch und bedeutet "Prisma": So wie ein Prisma die Farben im weißen Licht sichtbar macht, so erschließt das Trio verborgene Facetten in musikalischen Strukturen und bringt sie an die Oberfläche. Minsarah ist die Band dreier Gleichberechtigter, die alle fürs Trio komponieren und darin die Führungsrolle übernehmen können. Florian Weber am Klavier ist vielfacher Preisgewinner und auch als klassischer Pianist bekannt. Bassist Jeff Denson erhielt u.a. den Berklee Outstanding Performer Award 2002. Ziv Ravitz war der Hausdrummer im Camelot Jazz Club (Tel Aviv) und wurde 2003 mit dem Zildjian Scholarship Award ausgezeichnet. Ihr Album "Minsarah" wurde 2006 mit dem Preis der deutschen Schallplattenkritik gewürdigt.

Die Zusammenarbeit von Lee Konitz und Trio Minsarah ist nicht nur ein großer Glücksfall, sondern die Konsequenz einer spirituellen und künstlerischen Affinität. Der Saxofonist schätzt das Trio als die besten und inspirierendsten Begleiter, die er seit langer Zeit hatte. Offensichtlich sind spontanen, immer wieder überraschenden Improvisations-Ideen des Trios mit Konitz' wiederholungsfreiem musikalischen Konzept eng verwandt. Deshalb ist "Deep Lee" nicht einfach ein "Saxofon plus Trio", sondern ein Quartett von Individualisten, die einander inspirieren und füreinander schreiben. Das Konitz-Prinzip in Bandformat. Lee at his deepest.

Enja-Chef Matthias Winckelmann über Lee Konitz und "Deep Lee"

"Meine Beziehung zu Lee Konitz reicht weit zurück - bis in die 70er Jahre als ich ihn in New York durch Attila Zoller, seinen soul brother, kennenlernte. Jahre später konnte ich mit ihm eine ungewöhnliche Aufnahme realisieren, "Songs for Holiday" - Billie-Holiday-Titel von Daniel Schnyder für Streichersextet und rhythm section arrangiert. Anstelle der Noten legte sich Lee die Texte aufs Pult und versuchte die Intensität Billie Holidays zu vermitteln. Als nächstes nahmen wir sein Trio mit Steve Swallow und Paul Motian auf ("Three Guys").

Im letzten Frühjahr telefonierte ich mit Lee Konitz. Er erzählte begeistert, dass er einige kleine Konzerte mit Minsarah in Köln gespielt hätte. Lange nicht hätte er soviel Inspiration und Spielfreude durch ein Trio erlebt.

Mein Vorschlag sofort: CD aufnehmen. Das Trio war im Sommer in den USA auf Tournee. Auf dem Weg zum Montreal Festival besuchten sie Lee einige Tage in New York, übten und probierten neue Stücke aus - allseitige Begeisterung.

Ein paar Tage danach traf ich Lee beim Middelheim Festival in Belgien, und wir fixierten einen Termin im September in New York. Das Studio kannte und mochte er genau so wie ich, Systems Two in Brooklyn. Die Überraschung war ein junger, ganz hervorragender Tonmeister aus Kiev, Maxim Ross, der seit ein paar Jahren zur Systems Two Familie gehört.

Wir fingen mit Florian Webers frisch komponierter Suite in drei Sätzen an.

Vom ersten Ton an war klar, dass es ein ungewöhnliches Ereignis werden würde. Lee war ungemein konzentriert, ausgeschlafen und agierte intuitiv innerhalb der oft gemeinsamen Improvisationen. Dies war eine andere Welt als die der üblichen Standards-Interpretationen, die er gerade in den letzten Jahren so oft aufgenommen hatte. Wir nahmen am ersten Tag fünf Titel auf.

Der Rest folgte am zweiten Tag, an dem wir zwei Stücke des ersten Tages noch einmal wiederholten - fertig. Sagenhaft schnell das Ganze und eigentlich wie in alten Zeiten. Am Abend des zweiten Tages meinte Lee, er müsse jetzt schnell ins Bett, am nächsten Morgen gehe ganz früh sein Flug nach Brasilien zu einer 12tägigen Tournee. Ein wahrlich beeindruckender 80Jähriger. Wenn man Lee in diesen Tagen anruft, was läuft im Hintergrund: Deep Lee."
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