Johann Wilhelm Ludwig Gleim - 300. Geburtstag

Porträt Johann Wilhelm Ludwig Gleim, gemalt von Gottfried Hempel, 1750, Gleimhaus – Museum der deutschen Aufklärung (Foto: Ulrich Schrader, Halberstadt) (lifePR) ( Halberstadt, )
Am 2. April 2019 jährt sich der Geburtstag von Johann Wilhelm Ludwig Gleim (1719-1803) zum 300. Mal. Gleim hat die Literaturentwicklung in der Aufklärung und der Empfindsamkeit sowohl mit seinen Dichtungen als auch mit seinen Briefen nachhaltig beeinflusst. Mit seinem „Versuch in scherzhaften Liedern“ wurde er gleichsam über Nacht berühmt und hat der deutschen Anakreontik Bahn gebrochen, scherzhafter Dichtung von Wein, Weib, Gesang und Lebensfreude. Ob als Fabeldichter, als Verfasser von singbaren Liedern im Siebenjährigen Krieg oder als Autor von Lehrdichtungen – Gleim war einer der tonangebenden Schriftsteller, wenngleich nicht unumstritten. Bis ans Ende seines Lebens war er ein gern gelesener Beiträger zahlreicher Zeitschriften und Almanache und war als moralische Instanz geachtet.

Nach seinen frühen Erfolgen wurde Gleim als ‚der deutsche Anakreon‘ angesprochen, nach seinen patriotischen Gedichten als ‚der deutsche Tyrtäus‘ oder auch als ‚der preußische Grenadier‘ gemäß der Verfasserfiktion dieser Dichtungen. Entsprechend seiner Lehrdichtungen und vor allem seines Mäzenatentums hieß er ‚Vater Gleim‘. Gemäß seiner Alterslyrik, die das Ideal vom bescheidenen Leben im Hüttchen gestaltete, war er als ‚der Hüttner‘ bekannt.

Als zentrale Figur der Freundschaftskultur um die Mitte des 18. Jahrhunderts wurde Gleim zum Knotenpunkt der literarischen Aufklärung. Listet man seine Freunde und Freundinnen und seine Bekannten auf, so entdeckt man kaum eine große Lücke im literarischen Leben der Zeit. Mit Ewald Christian von Kleist, Gotthold Ephraim Lessing, Friedrich Gottlieb Klopstock, Anna Louisa Karsch und vielen anderen war er eng verbunden. Drei Schreibergenerationen standen mit ihm im Kontakt. Mit Hartnäckigkeit und Leidenschaft hat Gleim sein Freundesnetz im Laufe seines Lebens stets erweitert. Im Alter wurde er zudem zum tatkräftigsten bürgerlichen Förderer junger literarischer Talente im nord- und mitteldeutschen Raum.

Gleim wurde in Ermsleben bei Aschersleben im heutigen Sachsen-Anhalt geboren, ging in Wernigerode zur Schule, studierte in Halle und erlebte in den 40er Jahren den kulturellen Aufbruch in Berlin und Potsdam. Von 1747 bis 1797 versah er das Amt des Verwaltungschefs des Domkapitels in Halberstadt. In diesen Jahren baute er sein immenses Netzwerk der Freundschaft aus. Hier trug er die größte Porträtgemäldesammlung von Dichtern und Denkern der deutschen Aufklärung zusammen und begründete das erste deutsche Literaturarchiv. In seinem ehemaligen Wohnhaus am Domplatz befindet sich seit dem Jahr 1862 als eines der ältesten Literatur- und auch Sammlermuseen das „Gleimhaus – Museum der deutschen Aufklärung“

Immer wieder hat Johann Wilhelm Ludwig Gleim in der Literaturgeschichtsschreibung, der Negativbeurteilung Goethes folgend, Abwertungen erfahren. Zu Unrecht! Gleim war einer der meistgelesenen Dichter seiner Generation, ein eminentes Genie der Freundschaft, ein begnadeter Netzwerker der Aufklärung und ein tatkräftiger Literaturaktivist.
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