Augenschmaus: "gezeichnete Stimmen"

Ausstellung von Christophsheim-Bewohnern im Klinikum Christophsbad

Andrea Zivadinovic (r.) mit einem ihrer Porträts und Ann-Katrin Thiessen (l.), Kunsttherapeutin und Kura-torin der Ausstellung in der Galerie des Christophsbads, Foto: Christophsbad
(lifePR) ( Göppingen, )
23 Bewohner des Christophsheims zeigen in der Galerie beim Café des Klinikums Christophsbad ihre Werke. Auf eine Vernissage wird aus aufgrund der erhöhten Corona-Infektions-Gefahr verzichten. Interne und externe Besucher sind willkommen, solange sie die Corona-Auflagen beachten. Die Ausstellung läuft bis Februar 2022.

„Unse­re Bewohner hatten in der Pandemie viele Einschränkungen zu akzeptieren“, erklärt Christophsheim-Geschäftsführerin Dagmar Jungblut-Rassl. „Sie litten und leiden unter dem eingeschränkten Kontakt nach außen, den wir mit vielerlei Aktionen auszugleichen versuchen. Auch durch eine Ausstellung lässt sich kommunizieren. Bewusst stellen wir deshalb nicht in den Häusern des Christophsheims aus, sondern in der Galerie des Kli­nikums Christophsbad, zu der viele Menschen Zugang haben.“

Ann-Katrin Thiessen, Kunsttherapeutin im Christophsheim und Kuratorin der Ausstellung, war es wichtig, dass jeder Bewohner eine Stimme bekommt, um die Betrachter in ihr ganz eigenes Erleben eintauchen zulassen. „Die Bewohner haben teilweise große und laute Stimmen aber auch kleine und lei­se. Die Ausstellung soll eine Repräsentation dessen sein, was in den letzten Monaten in der Kunsttherapie entstanden ist.“ ‚Gezeich­nete Stimmen‘ ist der Titel dieser abwechslungsreichen Schau.

„Ohne Malen kann ich nicht sein.“

Andrea Zivadinovic ist eine der Künstlerinnen und mit mehreren ihrer farbenfrohen Werke vertreten. Sie malt und zeichnet seit ihrer Kindheit und studierte Kunstgeschichte in den USA. Erst eine psychische Erkrankung ließ den schöpferischen Antrieb in ihr versiegen. Seit 2014 lebt Frau Zivadinovic im Christophsheim und fand durch die Kunst­therapie wieder zur Malerei. Wie wichtig das Malen für einen Menschen sein kann, beschreibt sie eindrücklich: „Das Malen macht mich glücklich. Mit Farben kann ich mich ausdrücken. Wenn es mir nicht gut geht, ich mich zum Beispiel geärgert habe, ist nach dem Malen die ganze Wut weg. Wenn dann ein Bild gelingt, empfinde ich tagelang ein Hochgefühl. Ohne Malen kann ich nicht sein.“ In der Ausstellung zeigt sie eines ihrer ersten Porträts, für dessen Hintergrund sie geschickt Serviettentechnik und Acryl kombiniert.

Ein 30-jähriger Bewohner zeigt geometrische Figuren, die sich aus Strichen unter­schiedlicher Farbe zusammensetzen. Im Christophsheim fing er überhaupt erst mit dem Malen an: kindliche Motive mit Filzstift. Als es psychisch aufwärtsging, fand er zu abstrakten Formen, in denen sich seine aktuelle Stimmung wiederspiegelt. Eine fast 80-jährige Dame zeichnet wiederum nach Vorlagen in einer ihr ganz bestimmten Technik, welche die Linie betont. Das Schöne an einer Gemeinschaftsausstellung ist das weite Spektrum an Themen und Materialien, das Spannung und Abwechslung garantiert.
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