Donnerstag, 25. Mai 2017


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VR-Innovationspreis Mittelstand für einen Bio-Kunststoff: flüssiges Holz

(lifePR) (Stuttgart, ) Ministerpräsident Günther H. Oettinger und GENO-Präsident Erwin Kuhn haben am Donnerstag den VR-Innovationspreis Mittelstand auf dem Wirtschaftstag der württembergischen Volksbanken Raiffeisenbanken verliehen. Fast 1.300 Unternehmer sind zu diesem Mittelstands-Forum, das die württembergischen Volksbanken Raiffeisenbanken jährlich für ihre Firmenkunden veranstalten, in die Stuttgarter Liederhalle gekommen.

Der VR-Innovationspreis Mittelstand 2008 (Hauptpreis) geht an die Tecnaro GmbH in Ilsfeld-Auenstein, Landkreis Heilbronn. Das Unternehmen hat auf der Grundlage des Naturpolymers Lignin das thermoplastische Flüssigholz Arboform entwickelt. Durch den Einsatz von Arboform kann die kunststoffverarbeitende Industrie Produkte, die bisher aus Kunststoffen gefertigt werden, mit einem nachhaltigen Werkstoff produzieren, der erdölunabhängig hergestellt wird und biologisch abbaubar ist. Die Elektronikindustrie setzt das Flüssigholz beispielsweise für die Fertigung von Lautsprecherboxen oder Uhrengehäusen ein. Aber auch bei der Herstellung von Blumentöpfen, Urnen, Knöpfen, Modeschmuck, Krippenfiguren, von Verpackungsmaterial und Präzisionsteilen kommt Arboform zum Einsatz.

Der VR-Innovationspreis Mittelstand ist mit insgesamt 50.000 Euro dotiert. Die württembergischen Volksbanken Raiffeisenbanken vergeben ihn dieses Jahr zum achten Mal. Der Hauptpreisträger kann sich auf 25.000 Euro freuen, zwei Sonderpreisträger erhalten zusammen 25.000 Euro. Teilnehmen konnten mittelständische Unternehmen mit Sitz in Baden-Württemberg, die maximal 100 Mio. Euro Umsatz machen und höchstens 500 MitarbeiterInnen beschäftigen.

Ministerpräsident Günther H. Oettinger ehrt Gewinner

Ministerpräsident Günther H. Oettinger betonte bei der Preisverleihung, dass die Wirtschaft Baden-Württembergs ganz maßgeblich von neuen Ideen, frischer Kreativität, unkonventionellen Lösungen, von der Innovationskraft seiner Unternehmerinnen und Unternehmer lebe. Der VR-Innovationspreis Mittelstand belohne die Arbeit oft vieler Jahre und sporne gleichzeitig an, weitere Ideen zu entwickeln und zu verwirklichen. "Ich freue mich, heute drei ganz herausragende Leistungen in völlig unterschiedlichen Bereichen auszeichnen zu dürfen. Ich möchte damit auch Anderen Mut machen, sich von Schwierigkeiten und Rückschlägen nicht aufhalten zu lassen. Gute Ideen haben Zukunft. Und wenn ich über gute Ideen rede: Eine sehr gute Idee ist der Wettbewerb um den VR-Innovationspreis Mittelstand", unterstrich Ministerpräsident Oettinger.

Kuhn: Die Mehrzahl der Innovationen kommen aus dem Mittelstand

"Nichts macht eine Volkswirtschaft und eine Region stärker als Unternehmen, die innovative Ideen haben und sie auch umsetzen. Die Unternehmen mit den besseren Lösungen behaupten sich im Wettbewerb, schaffen und erhalten Arbeitsplätze und tragen zum Wohlstand einer Region bei", betonte GENO-Präsident Erwin Kuhn für die Volksbanken Raiffeisenbanken bei der Verleihung. Die überwiegende Mehrzahl der Innovationen komme aus dem Mittelstand. "Mittelständische Unternehmen gehen Risiken ein und begeben sich auf neues Terrain, um Chancen zu suchen und zu nutzen." Die Volksbanken und Raiffeisenbanken könnten selbst nur Erfolg haben, wenn die Wirtschaft in ihrer Region prosperiert, "denn genossenschaftliche Banken sind durch die Mitgliedschaft an die Menschen und Unternehmen ihres regionalen Geschäftsgebietes gebunden".

Der Hauptpreis: Flüssiges Holz als Bio-Kunststoff

Bereits seit Mitte der 90er Jahre forschen der Maschinenbauer Jürgen Pfitzer und der Chemie-Ingenieur Helmut Nägele an der Entwicklung eines Bio-Kunststoffes. 1998 haben sie sich mit ihrem Unternehmen Tecnaro (Technologie nachwachsender Rohstoffe) selbstständig gemacht. Die Tecnaro GmbH beschäftigt heute zehn Mitarbeiter und ist weltweit tätig. In den vergangenen Jahren hat sich der Umsatz verdreifacht.

Der Holzwerkstoff Arboform geht aus einer fast zehnjährigen Forschungs- und Entwicklungsarbeit hervor. Das Besondere ist, dass er sowohl Holz- als auch Kunststoffeigenschaften vereint. Arboform wird auf der Grundlage des Naturpolymers Lignin gewonnen. Lignin wird zu 30 Prozent in jedem Baum und jeder verholzten Pflanze (Stroh) durch Fotosynthese gebildet, zu 70 Prozent besteht er aus Zellulose. Die Tecnaro GmbH bezieht den nachwachsenden Rohstoff vor allem von der Zellstoffindustrie, wo er ein Abfallprodukt ist. Die Tecnaro GmbH hat dieses Polymer zur Grundsubstanz ihres Flüssigholzes gemacht und mischt es mit anderen Naturfasern.

Erdölunabhängig und biologisch abbaubar

Dadurch ist es gelungen, einen thermoplastischen Holzwerkstoff herzustellen, der durch Erwärmung zu Formteilen, Platten oder Profilen weiterverarbeitet werden kann. Durch das Lignin erhält der Werkstoff die Druckfestigkeit natürlich gewachsenen Holzes. Die integrierten Naturfasern geben dem Flüssigholz zudem Zugfestigkeit. Durch den Einsatz von Arboform kann die kunststoffverarbeitende Industrie Produkte, die bisher aus Kunststoffen gefertigt werden, mit einem nachhaltigen Werkstoff produzieren, der erdölunabhängig hergestellt wird und biologisch abbaubar ist.

Die Kunden von Tecnaro sind die holz- und kunststoffverarbeitende Industrie und deren Kunden. Die Elektronikindustrie setzt Arbofom bereits für Serienfertigungen beispielsweise von Lautsprecherboxen ein. Aber auch Musikinstrumente wie Blockflöten, Mundharmonikas oder Stimmstöcke von Akkordeons lassen sich damit herstellen. Sie weisen mindestens so gute akustische Eigenschaften auf wie Instrumente aus hochwertigem Echtholz.

Die Sonderpreisträger 2008 Hauchdünner Stein exklusiv für Daimler

Den Sonderpreis für das Handwerk des Finanzverbundes der Volksbanken Raiffeisenbanken erhält die Naturstein- verarbeitungsfirma Jogerst Stein Technologie GmbH in Oberkirch, Ortenaukreis, für eine völlig neue Verarbeitungstechnik von Hartgesteinen. Das Unternehmen, das 19 Mitarbeiter beschäftigt, hat eine Dünnsteintechnologie entwickelt, mit der sich Natursteine biegen lassen, ohne dass ihre Kornstruktur oder die Originaloberfläche zerstört werden, und das bei einer Materialstärke von 0,3 bis 0,6 Millimeter.

Damit lassen sich dreidimensional verformbare Natursteinfurniere herstellen, die die Daimler AG zur Verzierung des Pkw-Innenraums einsetzt. Dem Autokonzern wurde dafür ein exklusives Nutzungsrecht an dem Patent für den Fahrzeugsektor eingeräumt.

Die Natursteinfolie des Unternehmens aus Oberkirch wird darüber hinaus im Flugzeug- und Schiffsbau dort eingesetzt, wo Gewicht eine Rolle spielt und massiver Stein nicht verwendet werden kann. Auch im Instrumentenbau findet der hauchdünne Stein beispielsweise bei der Ummantelung eines Konzertflügels Anwendung. Inzwischen wurden zudem die ersten Computer inklusive der Maus mit dem Steinfurnier belegt.

Ölspuren sanft weggeschrubbt

Mit dem Sonderpreis des Finanzverbundes der Volksbanken Raiffeisenbanken wurde die Biotec-Ölspurnassreinigungs GmbH aus Heilbronn ausgezeichnet. Das Unternehmen mit sieben Mitarbeitern hat eine Reinigungsmaschine für Verkehrsflächen entwickelt. Die Biotec No1 ist auf die Reinigung von Fahrbahn- verschmutzungen durch Öl, Tier- und Pflanzenfette, Lacke, Kleber oder Ölbinder spezialisiert.

Gegenüber herkömmlichen Reinigungssystemen bringt die Biotec No1 des Heilbronner Unternehmens klare Vorteile: Neben einer oberflächenschonenden Reinigung mit Schrubbsaugtechnik sorgt ein integriertes Recyclingsystem dafür, dass das verschmutzte Reinigungswasser vor seiner Entsorgung noch bis zu dreimal recycelt werden kann. Auch in den Wintermonaten ist eine porentiefe Reinigung gewährleistet.
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