25 Jahre Mauerfall: Als der Golfsport laufen lernte

(lifePR) ( Wiesbaden, )
Hammer und Sichel statt Eisen und Hölzer - vierzig Jahre Golf-Abstinenz haben ihre Spuren hinterlassen, doch dank des Einsatzes zahlreicher Golfenthusiasten und Golf-Visionäre entsteht im Osten Deutschlands eine attraktive Golfinfrastruktur; ja, in einigen Bundesländern boomt der Golfsport sogar.* Die Vereinigung clubfreier Golfspieler (VcG) wirft einen Blick auf die Golfgeschichte seit der Wende und zeigt, unter welchen widrigen Bedingungen doch eine beachtliche Golfinfrastruktur gedeihen konnte.

Zwar gab es kein ausdrückliches Verbot, doch galt der Golfsport in der DDR vier Jahrzehnte lang als kapitalistisches, gar feudalistisches Relikt, das beim Aufbau des sozialistischen Staatssports mehr ignoriert als dämonisiert wurde.* Dann kam die Wende: Ein Vierteljahrhundert ist es jetzt her, dass die friedliche Revolution im Osten den Fall der Mauer herbeigeführt und das Ende der DDR eingeläutet hat. Im Zuge der Wiedervereinigung versprach Bundeskanzler Helmut Kohl "blühende Landschaften" für die neuen Bundesländer. Gepflegte Golfplätze und Grüns hat der Ex-Kanzler damit nicht gemeint, der Golfsport sollte bei den milliardenschweren Infrastrukturmaßnahmen nicht berücksichtigt werden. Dennoch kam die Sache in Schwung: Heute existieren rund 60 Golfanlagen in den neuen Bundesländern, die von mehr als 50.000 Club-Mitgliedern sowie zahlreichen Gastspielern genutzt werden.

Die Wendejahre - Gründung eines DDR Golfverbands

Bereits kurz vor der Wende regte sich etwas in Punkto "organisiertes Golfspiel" hinter dem "Eisernen Vorhang". Der heutige Pressebeauftragte des Golfclubs Dresden-Elbflorenz und Übungsleiter Golfsport des Dresdner Sportclubs 1898 e.V., Bernd Rudolph, gründete mit ein paar weiteren Golf-Revolutionären am 28. Oktober 1989 die "Erste Allgemeine Sportgruppe für Golf der DDR". Die Reaktion aus dem Westen ließ nicht lange auf sich warten: Für einen möglichen Verband stellte DGV-Präsident Brügelmann Unterstützung in Aussicht.* Mit der rasanten politischen Entwicklung rund um den Mauerfall sollte sich auch im Golfsport einiges tun. "Wir hatten zunächst angenommen, dass die DDR unter anderen politischen Bedingungen weiter existiert. Also haben wir dann im April 1990 den ersten international anerkannten Golfverband der DDR gegründet", sagt Rudolph. Kurz darauf wurde die erste und einzige DDR-Nationalmannschaft zu den internationalen Vierer-Mannschaftsmeisterschaften in Lindau am Bodensee eingeladen.

Doch die Existenz des Verbandes stand auf wackeligen Beinen. Schließlich trat dieser mit nur einem Dutzend Mitgliedern einem gigantischen Westverband mit damals 160.000 Mitgliedern und über 300 Clubs gegenüber. Im Zuge der Wiedervereinigung wurde dann unter dem Dach des Deutschen Golf Verbandes (DGV) ein neuer Landesgolfverband Ost (LGV-Ost) gegründet, der für alle neuen Bundesländer zuständig sein sollte, und der damalige DGV-Präsident Jan Brügelmann verkündete: "Als erster Sportverband im Deutschen Sportbund nahm der DGV den Golfverband in der damaligen DDR als 'LGV Ost' auf und vollzog die deutsche Vereinigung."*

Nach dem Mauerfall: Golf für alle!

Der DGV hatte die Vorstellung, dass sich auch im Osten in Eigeninitiative der jeweiligen Landesgolfverbände Golfanlagen errichten ließen. Doch der LGV-Ost plante, noch beeinflusst von den zentralistisch geprägten Modellen sportpolitischer Steuerung*, hinsichtlich der Etablierung von Golf in den neuen Bundesländern zunächst anders: So sollten einfache Übungsanlagen erst einmal ausreichen, um den geringen Bedarf zu decken und Golf für Unentschlossene zugänglich zu machen, die DDR-Bürger konnten allerdings mit dem Golfsport wenig anfangen und hatten ideologische Vorbehalte. Abgesehen vom florierenden Golfsport in Berlin und Brandenburg gab es bis 1992 gerade einmal 94 Golfspieler auf ostdeutschem Boden.* "Schon damals kostete ein voll funktionstüchtiger Golfplatz drei bis vier Millionen Mark. Für Wartung und Pflege würden nochmal 500.000 bis eine Million Mark jährlich anfallen. All das hätten die Mitglieder in einem Verein selbst finanzieren müssen", erklärt Rudolph das Dilemma.

Doch Golfsportenthusiasten wie Bernd Rudolph schreckte das nicht ab. Es wurden Raumord-nungsverfahren in Kooperation mit den regionalen Verwaltungen vereinfacht und abgekürzt, so dass attraktive Bedingungen für mögliche Investoren von Golfanlagen geschaffen wurden. Die ersten Golfbälle flogen bereits Anfang 1990 über den brandneuen Platz des Märkischen GC in Potsdam. Am 7. April 1990 wurde dann die erste voll funktionstüchtige Golfanlage des 1. GC Leipzig in Betrieb genommen. Es folgten weitere Initiativen zur Errichtung öffentlicher Golfanlagen und zur Bekanntmachung des Sports in Schulen. Dennoch gestaltete sich die Entwicklung schwierig. "Wir mussten eine gesunde Struktur entwickeln, so dass die Golfanlagen sich nicht gegenseitig die Mitglieder abschöpfen würden. Es sollte auf gar keinen Fall ein Überangebot entstehen, um ein Scheitern des Golfsports im Osten in jedem Fall zu verhindern", sagt Rudolph heute.

Investoren schrieben über Jahre hinweg rote Zahlen und dennoch entstanden prestigeträchtige Golfanlagen. Das Berliner Umland wurde zum golferischen Ausnahmeterritorium.* 1998 und 1999 trafen sich die Profis im Sporting Club Scharmützelsee von Bad Saarow bei Berlin, um die German Open dort auszutragen. Im Jahr 2000 wurde dort erstmals auf deutschem Boden die Weltmeisterschaft der Amateure ausgerichtet. Vorzeigbare Großprojekte wurden zudem in Mecklenburg-Vorpommern in Fleesensee und Heiligendamm umgesetzt. Allerdings stand schnell fest, dass hier vielmehr eine internationale zahlungskräftige Klientel erwünscht war, als die ansässige Bevölkerung, die nach einem attraktiven Freizeitsport Ausschau hielt. In Oberhof gab es Anstrengungen, an eine lange Golftradition anzuknüpfen und entsprechend mit Investoren eine Wiederbelebung der einstigen Golfregion anzugehen. Erst 2007 sollten zwei Fördervereine dieses Vorhaben umsetzen.

Der Status Quo: Golf auf einem gesunden Entwicklungsniveau

In Berlin und Brandenburg gehen heute, laut aktueller DGV-Statistik, knapp 23.500 Spieler auf 19 Anlagen zum Abschlag. Die 16 Anlagen in Mecklenburg-Vorpommern werden von rund 15.000 Golfern frequentiert, damit ist Mecklenburg-Vorpommern das Vorzeigeprojekt mit dem rasantesten Wachstum, das sicherlich auch der starken Tourismusausrichtung des Landes geschuldet ist. Das Golffieber scheint in Sachsen-Anhalt mit nur 4 Anlagen und 1.160 Golfspielern noch nicht richtig ausgebrochen zu sein. In Sachsen und Thüringen tummeln sich zusammen rund 11.400 Abschlagwillige auf 21 Anlagen.**

"Auch wenn in der Summe 60 Golfanlagen in den neuen Bundesländern zu finden sind und sich dort allein 50.892 Mitglieder dem Sport widmen, müssen noch einige Anstrengungen unternommen werden, um auf das Niveau im Westen zu kommen", sagt VcG-Geschäftsführer Marco Paeke. 664 Golfanlagen und 590.000 Golfspieler zählen die alten Bundesländer. "Günstige Einstiegsangebote wie das der VcG sorgen auch bei den Clubs in den neuen Bundesländern für zusätzliche Greenfee-Einnahmen", so Marco Paeke. Auch Bernd Rudolph unternimmt als Pressebeauftragter des Golfclubs Dresden-Elbflorenz im Kleinen Anstrengungen, Landsleute für den Sport zu begeistern. Er resümiert: "Der Dachverband, aber auch die VcG, nehmen eine wichtige Rolle in der Weiterentwicklung dieses wunderbaren Sports ein. Das Angebot des clubfreien Greenfee-Golfens hilft Golf als Breitensport in den neuen Bundesländern zu etablieren."

*Volker Mehnert/Dietrich R. Quanz: "Trotz vierzig Jahre DDR-Bann: Im Osten Deutschlands glänzt eine schöne, neue Golfwelt", Text auf Grundlage der vierbändigen Chronik "100 Jahre Golf in Deutschland", 2007
**DGV-Statistik, 31.12.2013
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