Schlagzeile des Jahres

(lifePR) ( Dortmund, )
Der Covid-19-Erreger sorgt seit dem Frühjahr 2020 für neue Herausforderungen – auch im Bildungsbereich. Während Schüler von zu Hause lernen und ihre Lehrer nur per Videoschalte sehen, stehen die Hörsäle leer – und die wissenschaftliche Arbeit kommt in Bedrängnis. Dieser Hintergrund veranlasste die siebenköpfige Jury des Vereins Deutsche Sprache (VDS), die Schlagzeile „Forschung und Leere“ (Westfälische Rundschau vom 22.04.2020) zur Schlagzeile des Jahres zu küren.

An Universitäten stoßen Studenten und Professoren in Corona-Zeiten auf schwere Aufgaben: Wie können Studenten fernab der Hörsäle lernen? Wie sollen Prüfungen abgehalten werden? Wie soll Forschung stattfinden? Vieles, aber nicht alles, lässt sich ins Internet verlagern. Experimente jedoch, die eine Präsenz erfordern, müssen verschoben oder auf andere Beine gestellt werden. Insgesamt wirft Corona den Bildungsbereich durcheinander und sorgt einerseits nicht nur für neue Synergien, sondern vor allem für ein Chaos, das es zu ordnen gilt. „Die Diskrepanz von dem, was eine Universität ausmacht auf der einen Seite, und dem, was sie in Corona-Zeiten überhaupt leisten kann, wurde in der Schlagzeile ‚Forschung und Leere‘ verdichtet und konzentriert“, sagt Prof. Walter Krämer, Vorsitzender des VDS und Jury-Sprecher.

Gleichklang sorgt für Aha-Effekt

Die Lehre, also das ganzheitliche Lernen, die einen Großteil des Studiums ausmacht, findet traditionell in den Hörsälen statt. Hier können junge Menschen in neue Themengebiete eintauchen und ihren Kern erfassen. Durch die Corona-Pandemie bleiben die Hörsäle jedoch gezwungenermaßen leer, um die Ausbreitung des Virus zu verhindern. „Statt Lehre macht sich Leere breit – nicht nur in den Unis selbst, sondern auch im ganzen studentischen Leben“, so Krämer, „Studenten halten Abstand, wo sie sonst in Arbeitsgruppen zusammenkamen; die Hörsäle vereinsamen.“ Der Artikel in der Westfälischen Rundschau habe gekonnt das Leben vor Corona und das danach – mit digitalen Vorlesungen, die für leere Unis und Bibliotheken sorgen – gekonnt aufgegriffen, sagt Krämer: „Der sprachliche Gleichklang ‚Lehre/Leere‘ fällt in der gedruckten Schlagzeile direkt ins Auge und sorgt für ein staunendes Lächeln.“ „Die Schlagzeile ist nicht neu," wirft Krämer ein, "aber noch nie hat sie so perfekt gepasst." Auch der Spiegel nutzte diese Schlagzeile Ende Oktober für einen „Corona an der Uni“-Artikel, ein Zeichen dafür, wie treffend diese Begrifflichkeit für die Problematik dieser Tage ist.

Von Störfällen und Jedi-Rittern

Auf Platz zwei landete die Schlagzeile „Oberammer GAU“ (Augsburger Allgemeine vom 20.03.2020), welche die Corona-bedingte Verschiebung der Passionsspiele zum Thema machte. „Der GAU, der immense Störfall, ist vor allem älteren Semestern ein Begriff“, so Krämer, „ihn als Wortbestandteil von der Stadt Oberammergau und seiner regionalen Bedeutung zu trennen und stattdessen als Sinnbild für die Folgen von Corona zu nutzen, führt in eine unerwartete, aber passende Richtung.“ Die Passionsspiele finden nur alle zwei Jahre statt – die Verlegung um zwei Jahre hat die Augsburger Allgemeine zu Recht als tragisch erkannt. Platz 3 geht an die Schlagzeile „Krieg der Sterne“ (Wiener Zeitung vom 14.01.2020), die sich mit dem Gendern an der Universität Wien beschäftigt. „Nicht Luke Skywalker kämpft hier gegen Darth Vader im bekannten Star-Wars-Universum. Vielmehr konkurrieren hier verschiedene Philosophien darum, ob und wie Gendern an einer Universität, die politisch neutral sein sollte, durchzusetzen ist“, sagt Krämer. Das Gendersternchen sorge für Diskussionen innerhalb der Studentenschaft, die Fronten seien teilweise verhärtet: „Der ‚Krieg der Sterne‘ ist eine brillante Überspitzung der Situation, wie sie sich an Unis, aber auch in Verwaltungen und Medien darstellt“, resümiert Krämer.

„Schlagzeile des Jahres“ bereits zum 10. Mal vergeben

Die Aktion „Schlagzeile des Jahres“ gibt es seit 2010, sie feiert somit ihr 10-jähriges Jubiläum; der erste Sieger war damals „Krieger, denk mal!“ Die Jury besteht aus dem Vorsitzenden des Vereins Deutsche Sprache, Prof. Walter Krämer, dem Tübinger Rhetorikprofessor Gert Ueding, den Journalisten und Autoren Wolf Schneider und Harald Martenstein, der Journalistin Dorota Wilke sowie den Sprachwissenschaftlern Prof. Horst Haider Munske und Prof. Helmut Glück. Die ersten 30 Plätze der eingereichten Schlagzeilen gibt es auf www.vds-ev.de.
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