Montag, 16. Juli 2018


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Steinkohleproduktion und Welthandel erstmals seit Jahren rückläufig - kein Vorbote einer globalen Energiewende

Hamburg, (lifePR) - Die Steinkohleförderung ging 2015 weltweit um fast 3 % auf 7,0 Mrd. t zurück. Besonders stark verminderte sich die Förderung von Kokskohle um 10 %, während der Rückgang bei der Kesselkohle nur 1,6 % betrug. Der Welthandel ging von 1,3 Mrd. t auf 1,2 Mrd. t sogar um 8,5 % zurück. Auch hier wirkte sich vor allem der drastische Nachfragerückgang der Stahlindustrie aus. Die rückläufige Stahlproduktion ließ den seewärtigen Handel mit Kokskohle um 12,3 % zurückgehen; der Preis für hochwertige australische Kokskohle brach von Januar 2015 bis Januar 2016 um 32 % regelrecht ein.

Weniger stark war der Rückgang des Handels mit Kesselkohle aufgrund des wirtschaftlichen Einbruchs in Asien. Im asiatisch-pazifischen Markt reduzierte sich der seewärtige Handel um 7 %. Auf dem atlantischen Markt legte der Handel mit Kesselkohle dagegen leicht um 0,5 % zu. Der erstmalige Rückgang von Steinkohleproduktion und Welthandel seit Jahren des Rohstoffbooms ist also kein Vorbote einer globalen Energiewende.

Die Volksrepublik China war in den letzten Jahren Ausgangspunkt einer beispiellosen Rohstoff-Hausse. Nun zieht sie mit einem enormen Hebeleffekt ihre Rohstofflieferanten mit nach unten. Während die Steinkohleförderung in China um 1,5 % zurückging, gingen die chinesischen Importe um 32 % massiv zurück. Die Marktsituation ist durch einen Einbruch der Stahlnachfrage und einen Kapazitätsüberhang in China geprägt. Die globale Stahlkonjunktur konnte sich dem nicht entziehen und leidet unter chinesischen Dumpingexporten.

Es war also weder 2015 eine globale Energiewende auszumachen, noch ist in den nächsten Jahren damit zu rechnen: Das Hauptszenario der Internationalen Energieagentur (IEA) lässt für 2020 einen Anstieg des Kohleverbrauchs der Nicht-OECD-Länder um 18 % auf 1,1 Mrd. t erwarten. Dieser Anstieg ist größer als der erwartete Rückgang in den OECD-Ländern.

In den Vereinigten Staaten von Amerika war eine Sondersituation zu verzeichnen, die zu mehreren Gläubigerschutzverfahren (Chapter 11) führte. Stahlkrise, Shale Gas-Boom und ein harter Dollarkurs brachten etliche amerikanische Unternehmen in finanzielle Schwierigkeiten. Ein umweltpolitischer Erfolg war der Ersatz von Kohle durch Gas aber nicht. Dass der Ersatz von Kohle durch Gas keine Alternative zur Entwicklung erneuerbarer Energieträger ist, haben Gasleckagen in den USA in das Bewusstsein gerückt. Die Methan-Emissionen aus der Öl- und Gasförderung, die viel klimaschädlicher sind als Kohlendioxid-Emissionen, sind in den Blickpunkt der Politik geraten.

Die Internationale Energieagentur zählt zu den fünf Hauptmaßnahmen in ihrem „bridge“-Szenario zur Umsetzung des Klima-Abkommens von Paris die Reduktion der klimaschädigenden Methan-Emissionen aus der Öl- und Gasförderung. Und Kanada, die USA und Mexiko haben dies kürzlich auf einem Klimagipfel neben der Förderung der Erneuerbaren Energieträger als Hauptziel herausgestellt.

Der VDKi hat bei dem Beratungsunternehmen Pöyry eine Literaturstudie beauftragt, die die Emissionen von Steinkohle und Erdgas in der gesamten Wertschöpfungskette ermittelt und diese erstmals auch für den für die Energiewende wichtigen Teillastfall berechnet. Die Studie kommt zu dem Ergebnis, dass offene Gasturbinen bis zu 76 % mehr Treibhausgase ausstoßen als moderne Steinkohlekraftwerke. Letztere sind deshalb eine wichtige Säule zur Systemstabilisierung bis ausreichend kostengünstige Speicher verfügbar sind.

Voraussetzung dafür ist ein marktwirtschaftlicher Rahmen für die Stromerzeugung. Die Vorschläge der Bundesregierung hierzu sind nicht ausreichend, und Forderungen nach einem Kapazitätsmarkt verstummen deshalb nicht. Die europäische Kommission hat in ihrer Sektorenanalyse zu Kapazitätsmärkten empfohlen, vor weiteren Markteingriffen erst zu prüfen, ob nicht-marktkonforme Fördermechanismen für Erneuerbare Energieträger für die unnatürlich niedrigen Börsenstrompreise in Europa verantwortlich seien. Sie hat recht: Der Einspeisevorrang für Erneuerbare Energieträger ist hauptverantwortlich dafür. Bei marktkonformer Verwertung der erneuerbaren Energieträger ist ein wirtschaftlich nachhaltiger Betrieb von Steinkohlekraftwerke möglich, und sie können ihre Brückenfunktion für den Klimaschutzplan 2050 übernehmen.

Verein der Kohlenimporteure e.V.

Der Verein der Kohlenimporteure e. V. (VDKi) ist die Interessenvertretung des Importsteinkohlemarktes in Deutschland. Die deutschen und europäischen Mitglieder stammen aus den Bereichen Kraftwirtschaft, Industrie, Handel und Logistik. Der Verein hat aktuell 70 Mitglieder, die in ihren Anlagen etwa 80 % des deutschen Steinkohlebedarfs von rund 56 Millionen t verbrauchen. Die Importkohle deckt den Kohlebedarf Deutschlands zu rund 90 % ab. Damit vertritt der VDKi den überwiegenden Teil des Steinkohlemarkts (deutsche und importierte Steinkohle) in Deutschland mit einem finanziellen Volumen in Milliardenhöhe. Der VDKi untersucht regelmäßig die Bedeutung der globalen Steinkohlemärkte für den europäischen und deutschen Importsteinkohlemarkt, zeigt Perspektiven für die weitere Einfuhrentwicklung auf und veröffentlicht regelmäßig Statistiken zu deutschen Steinkohleimporten und -preisen. Weitere Informationen unter www.verein-kohlenimporteure.de.

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