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Pressemitteilung BoxID: 613960 (Verbraucherzentrale Brandenburg e.V.)
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Marktcheck: Über 50 Prozent der Wohnungsanzeigen mangelhaft

Verbraucherzentrale und Mieterbund kritisieren weiterhin schlechte Umsetzung der Energieeinsparverordnung

(lifePR) (Potsdam, ) Im dritten Jahr nach Einführung der Pflichtangaben zur Energieeffizienz halten sich weniger Vermieter und Eigentümer daran als im Jahr zuvor. Das zeigt ein aktueller Marktcheck von Verbraucherzentrale Brandenburg (VZB) und Deutschem Mieterbund Land Brandenburg (DMBLB). Deutlich über die Hälfte der Immobilienanzeigen enthalten nicht die nötigen Angaben zur Energieeffizienz – sehr zum Nachteil der Mieter.

Obwohl seit Mai 2014 eine Pflicht dazu besteht, fehlen in Brandenburger Immobilienanzeigen wichtige Angaben. In 56 Prozent der geprüften Immobilienanzeigen waren die Angaben unvollständig oder fehlten ganz. Damit sinkt die Umsetzungsbereitschaft von Vermietern und Besitzern wieder auf die schlechten Werte der Einführungsphase 2014 (2016: 56 Prozent unvollständige Anzeigen, 2015: 41 Prozent, 2014: 57 Prozent). „Die geringe Umsetzungsquote ist ein Armutszeugnis sowohl für Anbieter von Wohnungen als auch für die Überwachungsbehörden“, so VZB-Geschäftsführer Christian A. Rumpke.

Bei Anzeigen in Tageszeitungen fehlen in 67 Prozent der Stichprobe alle Angaben, in 11 Prozent der Fälle sind sie unvollständig. Wer online sucht, hat höhere Chancen, auf korrekte Anzeigen zu stoßen: Immerhin rund zwei Drittel erfüllen die Anforderungen der novellierten Energieeinsparverordnung (EnEV). Im vergangenen Jahr waren es allerdings schon über 80 Prozent.

Mieter sind gegenüber Käufern auch in Jahr drei der novellierten EnEV im Nachteil. „62 Prozent der Mietobjekte wiesen keine oder unvollständige Angaben auf“, berichtet Dr. Rainer Radloff, Vorsitzender des DMBLB. „Die Pflichtangaben sind sinnvoll für Mieter, damit kein böses Erwachen bei der Heizkostenabrechnung droht. Schließlich machen die Heizkosten einen immer größeren Teil der Wohnkosten aus. Dazu müssen Vermieter mit Transparenz beitragen!“

Die beiden Verbände stehen mit den zuständigen Ministerien in Kontakt, um eine konsequente Umsetzung der EnEV einzufordern. „Dass dringender Handlungsbedarf besteht, zeigen die Zahlen", so Rumpke und Radloff übereinstimmend. „Wir fordern weiterhin die zuständigen Behörden im Land auf, ihre Überwachungsfunktion ernst zu nehmen.“

Hintergrund: Rechte für Kauf- und Mietinteressenten

Die novellierte EnEV trat am 1. Mai 2014 in Kraft. Seit dem 1. Mai 2015 können Verstöße durch die Bauaufsichtsbehörden sanktioniert werden.

Die EnEV soll Miet- und Kaufinteressenten klare Informationsrechte gegenüber Eigentümern garantieren. Immobilienanzeigen müssen folgende Pflichtangaben enthalten:


die Art des Energieausweises (Bedarfs- oder Verbrauchsausweis)
der Wert des Bedarfs bzw. Verbrauchs (angegeben in kWh/m²a)
der wesentliche Energieträger der Gebäudeheizung
das Baujahr
(bei Vorhandensein eines neuen Energieausweises) die Energieeffizienzklasse


Bei der Wohnungsbesichtigung müssen Vermieter bzw. Eigentümer den Energieausweis unaufgefordert vorlegen. Damit haben Mieter bzw. Käufer die Möglichkeit, den Kennwert in ihre Entscheidung einzubeziehen. Dabei gilt generell: Je weiter der Wert im grünen Bereich liegt, desto besser. Auch die Klassifizierung in Energieeffizienzklassen ist ein geeignetes Instrument, ohne fachliche Kenntnisse den Energieverbrauch eines Gebäudes einzuschätzen.

Bei Abschluss des Vertrags müssen Anbieter den Mietern bzw. Käufern eine Kopie des Ausweises zur Verfügung stellen. Das Dokument sollten diese dann zusammen mit den Vertragsunterlagen aufbewahren.

Einschränkung: Sollte noch kein gültiger Energieausweis vorliegen, dann muss nicht eigens für die Immobilienanzeige ein Ausweis erstellt werden. Allerdings muss spätestens beim Besichtigungstermin ein gültiger Energieausweis vorliegen.

Anhang: Methodik und Ergebnisse des Marktchecks

Am Samstag, 30. Juli 2016, haben Verbraucherzentrale Brandenburg und Deutscher Mieterbund Land Brandenburg für ihr Bundesland stichprobenartig untersucht, ob Immobilienanzeigen in Tageszeitungen und auf Onlineportalen die Pflichtangaben zur Energieeffizienz erfüllen.

Insgesamt wurden 140 Inserate untersucht: 70 Anzeigen der größten regionalen Tageszeitungen MAZ, MOZ und Lausitzer Rundschau, sowie 70 Anzeigen aus Deutschlands meistbesuchtem Immobilienportal immobilienscout.de.

Dabei wurden ausschließlich Wohnobjekte berücksichtigt. Differenziert wurde zwischen privaten und gewerblichen Anbietern (Makler, Wohnungsbaugesellschaften) sowie zwischen Miet- und Kaufobjekten.

Anzeigen wurden in drei Kategorien eingestuft:


Die fünf Pflichtangaben sind vollständig aufgeführt.
Die Pflichtangaben sind unvollständig.
Es sind keine Pflichtangaben (oder ausschließlich das Baujahr) genannt.


Bereits in den vergangenen beiden Jahren hatten Verbraucherzentrale und Mieterbund den Marktcheck mit dem gleichen Untersuchungsdesign durchgeführt (Samstag, 9. August 2014, mit 340 Anzeigen, sowie Samstag, 1. August 2015, mit 210 Anzeigen).

Über den Deutschen Mieterbund Land Brandenburg e.V.

Der Deutsche Mieterbund Land Brandenburg e.V. ist als Dachorganisation für derzeit 24 Mietervereine (darunter dem einzigen deutschen Internet-Mieterverein) einer von 15 Landesverbänden im Deutschen Mieterbund e.V. (DMB). Er ist Interessenvertreter der Mieterinnen und Mieter, aber auch der Nutzer in Brandenburg. In den Mietervereinen Brandenburgs sind über 27.000 Mitgliedshaushalte organisiert.

Er setzt sich unter anderem für die verfassungsmäßige Garantie des Grundrechts auf Wohnung, eine soziale Wohnungs- und Bodenpolitik, sozialverträgliche Mieten und gesetzlich begrenzte Betriebskosten, weitestgehenden Kündigungs- und Räumungsschutz bei Wohnungen ein. Die örtlichen Mietervereine bieten ihren Mitgliedern Beratung in allen mietrechtlichen Angelegenheiten und unterstützen auf kommunaler Ebene die Interessenvertretung der Mieter, Nutzer sowie Pächter. Der Deutsche Mieterbund und seine örtlichen Mietervereine finanzieren sich ausschließlich aus Mitgliedsbeiträgen.

Weitere Informationen gibt es auf www.mieterbund-brandenburg.de

Verbraucherzentrale Brandenburg e.V.

Die Verbraucherzentrale Brandenburg e.V. (VZB) ist die wichtigste Interessenvertretung der Brandenburger Verbraucher gegenüber Politik und Wirtschaft. Sie bietet unabhängige Verbraucherberatung, -information und -bildung zu zahlreichen Themen: Markt & Recht, Reise & Freizeit, Finanzen & Versicherungen, Lebensmittel & Ernährung, Medien & Telefon, Energie, Bauen & Wohnen. So bietet sie unter anderem eine Energiesparberatung sowie - in Kooperation mit dem Deutschen Mieterbund Land Brandenburg - eine Mietrechtserstberatung an. Zudem berät sie zu deutsch-polnischem Verbraucherrecht.

Darüber hinaus mahnt die VZB Unternehmen ab, die zu Ungunsten von Verbrauchern gegen geltendes Recht verstoßen und klärt die Öffentlichkeit über Verbraucherrechte, Abzockmaschen und Spartipps auf. Kürzlich feierte sie ihren 25. Geburtstag.

Die Verbraucherzentrale Brandenburg wird gefördert durch das Ministerium der Justiz und für Europa und Verbraucherschutz

Aktuelle Informationen gibt es auf www.vzb.de und www.facebook.com/....