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Pressemitteilung BoxID: 203960 (Verband Deutscher Reeder (VDR))
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VDR Jahrespressekonferenz 2010

(lifePR) (Hamburg, ) Alle Reedereien sind von der schwersten Krise der Nachkriegszeit getroffen worden. Nach der tief greifenden Wirtschaftskrise zeichnet sich ein erster Silberstreif ab. Seit dem Jahresbeginn gab es erste Anzeichen, dass sich die Weltwirtschaft schneller erholt als in den Prognosen auf dem Tiefpunkt der Krise vorhergesagt. Für 2010 wird von einem Anstieg des Welthandels von 11,4 Prozent ausgegangen. Offen ist, ob es sich bereits um einen selbst tragenden Aufschwung handelt. Für 2011 fällt die Vorhersage mit 7 Prozent zwar vorsichtiger aus, knüpft aber an das durchschnittliche Niveau der Vorkrisenjahre an.

Die Krise hat deutlich gemacht, dass die Entwicklung in den einzelnen Schifffahrtsmärkten sehr unterschiedlich verläuft. Aus den Teilmärkten kommen 2010 höchst unterschiedliche Signale.

"Die positiven Effekte des weltweiten Wirtschaftswachstums sind bei weitem noch nicht bei allen Mitgliedern des VDR angekommen", sagte der Vorsitzende des VDR, Michael Behrendt, auf der Jahrespressekonferenz in Hamburg. Während die Linienschifffahrt einen substantiellen Mengen- und Ratenanstieg verzeichnete, steht insbesondere die Trampschifffahrt noch vor großen Herausforderungen. Es gibt teilweise Erholungen der Charterraten. Das heißt aber bei Weitem noch kein Aufatmen bei der Mehrzahl der Charterreedereien. Insbesondere bei kleineren Einheiten reichen die Charterraten häufig nicht aus, den Kapitaldienst zu bedienen. Gleichzeitig steigen die Kosten. Aus den jüngsten Zahlen ist wieder eine Zunahme der Auflieger zu erkennen.

In der Krise hat sich gezeigt, dass die mittelständisch geprägten Reedereiunternehmen besonders flexibel auf die sich schnell verändernden Märkte reagieren können. Die Reedereien haben erfolgreich mit aller Kraft um den Erhalt der Existenzgrundlage gekämpft. Die kleinen und mittelgroßen Unternehmen bilden den Schwerpunkt des VDR. Die durchschnittliche deutsche Reederei betreibt acht Schiffe. 60 Prozent der Mitglieder haben vier Schiffe oder weniger. Der Wert dieser mittelständischen Struktur muss in Politik und Öffentlichkeit noch deutlicher werden.

"Gerade familiengeprägte Unternehmen sorgen über Generationen für eine große Wertschöpfung und Arbeitsplätze. Die Zukunftsfähigkeit der Branche liegt darin, dass Schiffe mit langfristiger Perspektive betrieben werden und sowohl in neue Schiffe und innovative Technologien als auch in die Landorganisation investiert wird," so Behrendt. Damit werden langfristig Arbeitsplätze und eine hochwertige Ausbildung junger Menschen gesichert. Selbst in der tiefsten globalen Krise wurden bei den Reedereien praktisch keine Arbeitsplätze abgebaut. Es ist nicht notwendig, dass viele kleine zu einigen wenigen Großreedereien fusionieren.

Wichtig für den Erhalt des Schifffahrtstandortes ist die Schiffsfinanzierung. Die Zusammenarbeit mit den Kreditinstituten muss auch in den kommenden Jahren mit dem notwendigen langfristigen Ansatz erfolgen.

Die deutschen Reeder stehen zu ihren Versprechen im Maritimen Bündnis. Als wichtiges Element des Maritimen Bündnisses erwarten die Reeder von der Bundesregierung aber auch Erleichterungen beim Führen der deutschen Flagge. Mit der Halbierung der Beihilfen werden besonders die Reedereien getroffen, die die deutsche Flagge führen und junge Menschen an Bord ausbilden. Das stellt die Zuverlässigkeit der Zusagen der Bundesregierung im Maritimen Bündnis in Frage. Wenn das Bündnis weiterhin Erfolg haben soll, muss über die Gesamtwirkung, die für den Standort Deutschland durch die Einführung der Tonnagesteuer entfaltet wurde, angemessen gesprochen werden. Der VDR hat für die Maritime Konferenz im Mai 2011 das Ziel, dass die deutsche Flaggenstaatsverwaltung neu aufgestellt wird. Es ist zu kompliziert und zu teuer, die deutsche Flagge zu führen.

Der Umweltschutz wird 2011 ein zentrales Thema auf der Agenda bleiben. "Die Reeder haben ein vitales Interesse daran, dass der Umweltschutz voran kommt. Allerdings müssen entsprechende Regeln für die Schifffahrt immer weltweit gelten", sagte Behrendt.

Global wird die weitere Reduzierung der CO2-Emissionen aus der Schifffahrt im Rahmen der IMO debattiert. Für den VDR geht es dabei insbesondere darum, dass frühzeitig alle wirtschaftlichen Konsequenzen auf den Prüfstand kommen. Das Klimafondsmodell ist aus Sicht der deutschen Reeder das sinnvollste Modell mit der größtmöglichen positiven Wirkung für die Umwelt, denn es erlaubt der Umwelt eine doppelte Dividende: Die Schifffahrt wird sauberer und mit dem eingenommenen Geld werden Umweltprojekte unterstützt.

Bei den radikalen Grenzsetzungen durch die IMO in den SECA-Gebieten im Jahr 2008 wurde eine Folgenabschätzung unterlassen. Diese Folgenabschätzung hat der VDR in Abstimmung mit der Bundesregierung wissenschaftlich fundiert nachgeholt. Das ISL aus Bremen hat dabei erschreckende Ergebnisse ermittelt: Es wird Verkehrsverlagerungen von bis zu über 40% geben. Die Folge sind erheblich stärkere LKW-Verkehre mit den ökologisch und politisch unerwünschten Folgen. Der Bestand von Fährreedereien in der Ostsee ist grundlegend gefährdet, wenn die Regelungen wie geplant eingeführt werden. Hier müssen intensive Gespräche darüber geführt werden, wie die negativen Auswirkungen vermieden werden. Es darf nicht Ergebnis der Politik sein, Verkehre vom umweltfreundlichen Verkehrsträger Seeschiff zurück auf die Straße zu verlagern.

Die Piraterie bedroht weiterhin die Schifffahrt. Die Leidtragenden der Piratenüberfälle sind die Mannschaften auf den Schiffen. Der VDR begrüßt ausdrücklich die zeitliche und geografisch Erweiterung des "Atalanta"-Mandates. Auch die Selbstschutzmaßnahmen der Reedereien werden immer erfolgreicher. Es braucht weitere Anstrengungen der internationalen Gemeinschaft, um die Piraterie einzudämmen. Es ist wichtig, dass die Handelswege für alle Schiffe der friedlichen Handelsschifffahrt befahrbar bleiben. Die bisher eingeleiteten militärischen Maßnahmen zum Schutz der Schiffe sind aus Sicht des VDR nicht ausreichend. Noch besseren Schutz würden bewaffnete hoheitliche Kräfte an Bord für die besonders gefährdeten Schiffe geben.