Sonntag, 22. Oktober 2017


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Ökonom Bontrup: "Wir brauchen die 30-Stunden-Woche"

"Das Beschäftigungswunder gibt es nicht" - Zahl der Vollzeitstellen sinkt

Düsseldorf, (lifePR) - Die Einführung der 30-Stunden-Woche bei vollem Lohnausgleich hat der Gelsenkirchener Ökonom Prof. Heinz-J. Bontrup gefordert, Sprecher der Arbeitsgruppe Alternative Wirtschaftspolitik. Die Arbeitslosigkeit in Deutschland sei bei weitem höher als statistisch erfasst, zudem würden viele Arbeitnehmer nur noch in Teilzeit und zu Niedriglöhnen beschäftigt, so dass ein Ausbau der Beschäftigung notwendig sei, so Bontrup im Gespräch mit den VDI nachrichten. "Wir brauchen eine Verkürzung der wöchentlichen Arbeitszeit", so Bontrup. "Bei einer 30-Stunden-Woche brauchte man rund fünf Jahre, um wieder an Vollbeschäftigung heranzukommen. Dennoch wären bei einer 30-Stunden-Woche noch immer eine Million Frauen und Männer arbeitslos." Dies könne nur durch Beschäftigung beim Staat aufgefangen werden.

Bontrup hält den Moment für genau richtig, um die Wochenarbeitszeit zu verkürzen. Ein Teil der stark gestiegenen Unternehmensgewinne könnte in Form von Einkommen wieder in die Volkswirtschaft statt in die Finanzmärkte fließen und so die Konjunktur zusätzlich beflügeln. "Die Produktivität und die Preissteigerungsraten in der Industrie lagen in der Vergangenheit weit über den nominalen Lohnerhöhungen. Dadurch sind die Stückgewinne mehr als kräftig gestiegen und die Gewinne wurden nicht wieder in der Realwirtschaft investiert, sondern auf die Finanzmärkte gespült. Was dort damit passierte, ist hinlänglich bekannt", kritisiert Bontrup.

"Es ist allerdings so, dass eine 30-Stunden-Woche bei vollem Lohnausgleich nicht alleine über Produktivitätszuwächse finanzierbar ist. Hierzu müsste schon die Gewinnquote ein wenig zurückgehen. Darin sehen wir aber kein Problem", betont Bontrup. "Im Gegenteil. Die Arbeitslosigkeit würde dadurch abgebaut werden. Außerdem darf man nicht vergessen, dass dann die fiskalischen Kosten der Arbeitslosigkeit in Höhe von rund 60 Mrd. Euro entfallen würden."

Den Aufschwung auf dem Arbeitsmarkt relativiert Bontrup. "Dieser Aufschwung auf dem Arbeitsmarkt war prekär. Jeder vierte abhängig Beschäftigte arbeitet schon im Niedriglohnsektor, das kann man kaum als Erfolg bezeichnen. Zugenommen haben Teilzeit- und geringfügige Beschäftigung. Die Zahl der unbefristeten Vollzeitstellen ist seit dem Jahr 2000 dagegen gesunken. Das sogenannte Beschäftigungswunder gibt es nicht, weil das gesamtwirtschaftliche Arbeitsvolumen der abhängig Beschäftigten nahezu unverändert geblieben ist."

Das Interview finden Sie im Wortlaut unter www.vdi-nachrichten.com/Bontrup

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