Mittwoch, 22. November 2017


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Flasbarth: Wir müssten 25 Chemikalien prüfen, aber wir schaffen nur drei

Reach: UBA-Präsident schlägt Umkehr der Beweislast vor

Berlin, (lifePR) - Der Präsident des Umweltbundesamtes sieht derzeit keine Chance, dass die deutschen Behörden die Anforderungen der EU-Chemikalienverordnung Reach erfüllen. Die Personalausstattung der Kontrollbehörden sei so dünn, dass Deutschland nur einen Bruchteil der von Unternehmen vorgelegten Dossiers auch wirklich überprüfen könne, kritisiert UBA-Präsident Jochen Flasbarth in den VDI nachrichten. Das sei umso schlimmer, als eine große Zahl der von Unternehmen vorgelegten Dossiers Qualitätsmängel und Fehler etwa bei der Gefahrenabschätzung von Chemikalien aufweisen. "Da sind etwa die Steinkohlenteere - also Mischungen polyzyklischer aromatischer Kohlenwasserstoffe. Wir im Umweltbundesamt haben 30 solcher Dossiers angeschaut und gesehen, dass Unternehmen oft nicht korrekt angeben, woraus diese Mischungen bestehen. Zusätzlich haben sie bekannte Gefahren nicht erwähnt oder klein geredet." So hätten viele Dossiers verschwiegen, dass sich das krebserregende Benzo[a]pyren in der Umwelt anreichert.

Die europäische Chemikalienagentur Echa müsse zwar fünf Prozent aller Dossiers überprüfen, aber das reiche nicht. "Erste Stichproben zeigen, dass jedes fünfte Dossier den Vorgaben nicht entspricht." Laut Reach müssen die Behörden in der EU jedes Jahr Dossiers zu rund 100 Stoffen untersuchen. "Wir glauben, dass Deutschland als größter Chemiestandort der EU rund ein Viertel dieser Stoffe bewerten sollte. Das Umweltbundesamt geht aber derzeit davon aus, dass wir - und auch die Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin und das Bundesinstitut für Risikobewertung - nur drei Stoffe pro Jahr seriös bewerten können. Zu mehr reichen schlicht und einfach in allen drei Behörden die Ressourcen nicht", kritisiert Flasbarth. Es mangele schlichtweg an Personal. "Wenn Behörden Stoffe vernünftig bewerten sollen, brauchen sie dazu das Personal."

Wenn der Staat dazu nicht bereit ist, schlägt Flasbarth als Ausweg eine Umkehr der Beweislast für alle besonders besorgniserregenden Stoffe vor. "Nur, wenn die Industrie nachweisen kann, dass ein Stoff nicht in Kontakt mit Verbrauchern oder Umwelt kommt, soll er von weiteren Regulierungsmaßnahmen ausgenommen werden."

Das Interview finden Sie im Wortlaut unter www.vdi-nachrichten.de/Reach

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