VCD: 10 Jahre Baustelle Stuttgart 21 - kein Ende absehbar und viele Fragen offen

(lifePR) ( Stuttgart, )
Zehn Jahre nach dem Baubeginn von Stuttgart 21 lohnt ein Blick zurück. Der ökologische Verkehrsclub Deutschland (VCD) hatte damals die falsche Prioritätensetzung bei den Eisenbahnprojekten in Baden-Württemberg kritisiert.

Tatsächlich sei eingetreten, was der VCD erwartet hatte: „Der volkswirtschaftlich sinnvolle und schon vor 10 Jahren dringend notwendige Ausbau der Bahnlinien Frankfurt - Mannheim und Karlsruhe - Basel ist durch das Projekt Stuttgart - Ulm ausgebremst worden“, stellt VCD-Landesvorsitzender Matthias Lieb fest. Für die Fertigstellung der Rheintalbahn  werde jetzt das Jahr 2042 (!) angegeben, für die Strecke Frankfurt - Mannheim gebe es noch gar keine Zeitprognose und auch die Gäubahn, deren Beschleunigung und Kapazitätsausbau schon 1996 im Vertrag von Lugano mit der Schweiz vereinbart worden sei, habe noch keinen Bauarbeiter gesehen, beklagt der VCD. Ganz im Gegenteil werde wegen S21 die Stilllegung der Panoramabahn betrieben, weshalb die Züge aus der Schweiz, aus Singen und Horb  über Monate und Jahre nicht mehr bis Stuttgart fahren können werden.

Auch die versprochenen Verbesserungen für die Regionen lassen auf sich warten. laufenden Betrieb sei derzeit der teilamputierte Hauptbahnhof, der auf Verschleiß gefahren werde,, eine stetige Quelle von Verzögerungen und Verspätungen, fasst der VCD die Erfahrungen der Pendler und Reisenden zusammen.

Gleichzeitig seien beim Projekt Stuttgart 21 alle offiziellen Zeit- und Kostenpläne längst Makulatur, wie von den Projektkritikern schon vor Baubeginn erwartet, konstatiert der VCD. Statt einer Inbetriebnahme 2018/2019, wie noch vor 10 Jahren verkündet,  sei nun eine stufenweise Inbetriebnahme ab 2025, geplant, wobei es am Flughafen möglicherweise bis 2030 dauern könne. Auch die Baukosten hätten sich, wenn man die notwendigen Ergänzungen wie neue Signaltechnik und zweigleisige Wendlinger Kurve einbeziehe, inzwischen von rund 3 Mrd. € (Stand Sommer 2009) auf mindestens 9 Mrd. € verdreifacht, so der VCD.

Der VCD erkenne an, dass sich manche Projektpartner inzwischen um mehr Realismus bemühten und versuchten, die größten Mängel von Stuttgart 21 zu beheben, doch am Flughafen überzeuge die Lösung immer noch nicht. Und nicht nur dort sei noch immer kein Baurecht gegeben. Matthias Lieb: „Stuttgart 21 ist ein Jahrhundertprojekt, deshalb müssen die Kapazitäten auch ausreichend für die Anforderungen des 21. Jahrhunderts ausgelegt sein. Dies ist mit dem geplanten Mischverkehr auf der Filderstrecke und den zwei getrennten Bahnhöfen am Flughafen nicht gegeben, da dies den weiteren S-Bahn-Ausbau blockiert.“

So wie an der Strecke nach Ulm noch rasch ein neuer Bahnhof in Merklingen eingeplant und gebaut worden sei, sollten nach 10 Jahren Bauzeit die Projektpartner nochmals in Gänze den Projektumfang hinterfragen und an die neuen Entwicklungen (geplante Verdoppelung der Fahrgastzahlen, klimafreundliche Mobilität) anpassen, fordert deshalb der VCD.

Dazu gehörten aus VCD-Sicht folgende  fünf Punkte:


zwei zusätzliche Gleise zwischen Feuerbach und Hauptbahnhof,
der Verzicht auf den Mischverkehr zwischen S-Bahn und Regionalverkehr auf der Filder-Bahn-Strecke,
ein leistungsfähiger Flughafenbahnhof als Verkehrsdrehscheibe statt zwei getrennter Bahnhöfe,
die weitere Nutzung der heutigen Gäubahnstrecke in Stuttgart („Panoramabahn“) sowie
der Erhalt von Teilen des heutigen Kopfbahnhofs samt seiner Zulaufstrecken unter dem Motto „Ergänzen statt Ersetzen“.


Pressemitteilungen von vor 10 Jahren zum Nachlesen:

http://archiv.vcd-bw.de/presse/2010/04-2010/index.html

http://archiv.vcd-bw.de/presse/2010/05-2010/index.html
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