Freitag, 22. September 2017


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Arm in Aachen

Mit Gerichtsvollzieherinnen von Tür zu Tür

München, (lifePR) - Süddeutsche Zeitung TV über das Tagesgeschäft zweier Aachener Gerichtsvollzieherinnen und die Schicksale der Schuldner.

Ihr Auftrag: Vollstreckung. Als verlängerter Arm der Gläubiger treiben die Aachener Gerichtsvollzieherinnen Sonja R. (32) und Anja L. (34) seit Jahren Schulden ein. Und sie schreiten immer öfter zur Tat. Im Jahr 2008 haben sie bisher schon fast 4000 Fälle bearbeitet. Bundesweit steigt die Zahl der überschuldeten Menschen konstant. Allein im Jahr 2007 gab es insgesamt 105.000 Privat-Insolvenzen.

Der sprichwörtliche "Kuckuck" hat allerdings schon seit Jahren ausgedient - die spöttische Bezeichnung des Pfandsiegels bezog sich auf den Wappen-Adler, der früher das aufklebbare Siegel zierte. Gern gesehener Besuch sind die Frauen aber auch heute nicht. Deshalb verlangt ihr Job als Gerichtsvollzieherin neben Fingerspitzengefühl und Durchsetzungsvermögen auch Belastbarkeit und gute Menschenkenntnis. Welcher Schuldner lässt widerspruchslos eine Zwangsräumung seiner Wohnung über sich ergehen? Wer bricht zusammen, wer reagiert stoisch, wer versucht welche Tricks?

Vorteil ihres Berufs: Sonja R. und Anja L. lernen jeden Tag neue Menschen kennen, deren Geschichten immer unterschiedlich, aber meist von Katastrophen geprägt sind. Die Erlebnisse in den Wohnungen prägen und lassen sich nicht immer leicht abschütteln.

Hauptgründe für die Überschuldung sind Arbeitslosigkeit, Krankheit und familiäre Probleme. Viele Betroffene stecken den Kopf in den Sand, öffnen irgendwann keine Rechnungen mehr und zahlen nicht. Ihren Frust lassen Schuldner oft an den Gerichtsvollzieherinnen aus. Deshalb ist ein großes Maß an Selbstvertrauen ein Muss in diesem Job. Sie dürfen als Gerichtsvollzieherinnen keine Angst haben, sondern müssen dem Schuldner immer das Gefühl geben, sowieso keine Chance zu haben. Schlimmstenfalls rücken beide mit einem Haftbefehl an, der den Schuldner zur Abgabe der eidesstattlichen Versicherung zwingt. Oder sie führen eine Zwangsräumung durch. Trotzdem sehen sich die Gerichtsvollzieherinnen nicht gerne nur als Geldeintreiber, sondern im besten Fall als Vermittler zwischen Schuldner und Gläubiger.

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