München - Sudetendeutsche Landsmannschaft gibt Kulturpreisträger 2018 bekannt

(lifePR) ( München, )
Mit der Bitte um redaktionelle Verwertung informieren wir über die Kulturpreise der Sudetendeutschen Landsmannschaft und des Freistaates Bayern:

Großer Sudetendeutscher Kulturpreis

Den Großen Sudetendeutschen Kulturpreis 2018 erhalten die Zwillingsbrüder Hans Jürgen und Joachim Lothar Gartner aus Steinschönau. Nach der wilden Vertreibung und der Flucht aus der SBZ 1949 fand in Wien die Familie wieder zusammen. Der Vater, ein kunstbeflissener Mann, ging mit den Söhnen sonntags ins Kunsthistorische Museum. Hier lernten die jungen Gartners von Vittorio Carpaccio die Klarheit und Strenge der Komposition und die Lichtführung, von Pieter Bruegel die Technik des Bildaufbaus, die Farblasur. Ihre künstlerische Ausbildung erhielten sie nicht an der Wiener Kunstakademie, sondern an der Höheren Bundeslehr- und -versuchsanstalt für Textilindustrie/Abteilung Design. Schrittweise verlassen sie den Surrealismus mit seinem Perfektionswahn und landen schließlich in der Abstraktion. Die Entwicklungen laufen parallel mit einem Unterschied: Hans Jürgen bevorzugt bei seinen Darstellungen den Menschen, während bei Joachim Lothar die Landschaft das Thema ist. Ihr reichhaltiges künstlerisches Schaffen und berufspolitisches Engagement bleibt nicht ohne Preise und Ehrungen. So erhielten sie u. a. die Förderpreise für Kunst der Stadt Augsburg (1973), für Bildende Kunst der Sudetendeutschen Landsmannschaft (1981) und den Förderpreis des Lovis-Corinth-Preises (1984).

Kulturpreis für Darstellende und Ausübende Kunst

Unser Preisträger für „Darstellende Kunst“, Ronny Krippner, wurde zwar 1980 nur auf dem Gebiet des historischen Egerlands geboren, bekennt sich aber zu den durch seinen Großvater aus Schönlind im Kaiserwald vererbten Egerländer Wurzeln, ist Mitglied der „Eghalanda Gmoi“ in Marktredwitz und schlägt, wie manche behaupten, nicht nur in Böhmen, sondern sogar in seiner jetzigen Wirkungsstätte London die Orgel in Egerländer Tracht. Dieser junge Musiker hat seine Ausbildung an der Hochschule für Katholische Kirchenmusik und gleichzeitig als Chorleiter bei den Regensburger Domspatzen begonnen, sie an der Universität in Exeter mit einem Master-Studium fortgesetzt und ein Lehramtsstudium an der Universität von Bristol 2006 abgeschlossen. 2008 erwarb er am „Royal College of Organists“ in London das Fellowship Diploma. Momentan promoviert er am Konservatorium in Birmingham über Englische Orgelimprovisationen im 20. und 21. Jahrhundert. Besonders erwähnenswert ist sein persönlicher Einsatz für die Musik sudetendeutscher Komponisten und die historischen Orgel-Instrumente, die von Egerländer Orgelbaumeistern im 17. und 18. Jahrhundert erbaut wurden. Auf diesen Instrumenten hat er für eine CD-Produktion bei Ambiente Records Werke von den Egerländer Komponisten Johann Caspar Ferdinand Fischer und Josef Ferdinand Norbert Seger, Franz Joh. Habermann und Paul Poegl gespielt oder über deren Werke kunstvoll improvisiert.

Sudetendeutscher Volkstumspreis

Mit dem Volkstumspreis wird dieses Jahr die Malerin, Schriftstellerin und Volkskundlerin Margarethe Pichl-Wolf, geboren 1937 in Luck bei Karlsbad im Egerland, geehrt. Pichl-Wolf hat sich in ihrem Lebenswerk des kulturellen Gebietes der vertriebenen Egerländer angenommen, das am meisten vom Verschwinden gefährdet ist: der Mundart und der Bräuche. Sie spricht und schreibt in der Egerländer Mundart. Ihr Buch „Louk Hausnummae fuchzich“ ist eine egerländerisch-deutsche Beschreibung in Wort und Bild eines alten Bauernhauses mit allem Inventar, mit allen Tieren und allen Pflanzen in Feld und Flur und einer kleinen Verbensammlung im Anhang. Dieses herausragende Werk genießt unter den führenden bayerischen Dialektologen höchstes Ansehen. Daneben hat Pichl-Wolf die die bis in die keltische Zeit reichenden Bräuche der Egerländer erforscht und sie in spannend zu lesender Form als „Spruch- und Lebensweisheiten und heidnische Wurzeln der Egerländer“ in phonetischer Schreibweise aufgeschrieben. Dieses Werk ist von bleibendem Wert und jedem zu empfehlen, der nicht nur im kurzlebigen Heute leben, sondern die tradierte Kultur erfahren und verstehen will.

Kulturpreis für Musik

Walther Prokop, der Kulturpreisträger für Musik, wuchs in einem den Künsten aufgeschlossenen Umfeld auf und kam schon in jungen Jahren mit der Musik in Berührung. Dem Abitur in Rosenheim schloss sich ein Studium der Schulmusik und Komposition an der Münchener Musikhochschule an, gefolgt vom Schuldienst am Gymnasium in Gars am Inn. Der Entfaltung als Komponist blieb damit nur begrenzter Raum. Umso beeindruckender ist Prokops Werkverzeichnis: Es umfasst Orchester-, Kammer- und Klaviermusik, Chöre a cappella und mit Begleitung sowie eine Vielzahl von Klavierliedern. Bei der Wahl der literarischen Vorlagen neigt Prokop, ein Literaturliebhaber, oft zu eher Unbekanntem oder Vernachlässigtem. Dabei ordnen sich seine Vertonungen nicht einfach dem Text unter, sind reich an Überraschungen und Widerhaken.

Kulturpreis für Bildende Kunst und Architektur

Mit dem Sudetendeutschen Kulturpreis für Bildende Kunst und Architektur wird Gabriele Stolz ausgezeichnet. Die examinierte Kunsterzieherin lebt und arbeitet in München als freischaffende Künstlerin. Seit 1986 nahm sie an zahlreichen Einzel- und Gruppenausstellungen teil in Bayern, in Deutschland und im europäischen Ausland. Im Laufe ihres künstlerischen Schaffens hat sie viele Preise und Auszeichnungen erhalten. Man kann die Arbeiten der Künstlerin nicht einem bestimmten Stil oder „-ismus“ zuordnen. Sie ist eine Kunstschaffende mit eigener Handschrift, mit eigenem Duktus und weitgestreuter eigener Thematik. Sie verwendet für ihre Arbeiten verschiedene Materialien und Techniken. Als Ausgangspunkt nimmt sie häufig Drucke eigener Radierungen, Baupläne oder Architekturskizzen und verändert diese mit Mitteln von Montage, Collage, Überzeichnung und Aquarell. Es steckt viel Hintergründiges, Rätselhaftes und Verschlüsseltes in ihren Arbeiten und Bildern.

Kulturpreis für Wissenschaft

Vita und Werk weisen Walter Ziegler, den Kulturpreisträger für Wissenschaft, als einen der maßgeblichen Historiker seiner Generation aus. In seltener Breite vertritt er das Fach Geschichte vom späten Mittelalter bis zur Zeitgeschichte. Geboren am 16. Juli 1937 in Reichenberg, ist er sich seiner sudetendeutschen Herkunft bewusst und bekennt sich zu dieser. Seine Laufbahn wird man als Musterbeispiel einer gelungenen Integration im Freistaat Bayern bezeichnen dürfen. Es ist nicht einfach, im Werk Walter Zieglers eine eindeutige Priorität zu erkennen bzw. zu benennen. Mit einer diesbezüglichen Entscheidung zugunsten des konfessionellen Zeitalters und der bayerischen Geschichte im 20. Jahrhundert liegt man sicherlich nicht falsch. Sein freundliches Wesen, seine ausgleichende Art, seine Distanz gegenüber ideologischen Einseitigkeiten und Modernismen ließen ihn nach 1989 zu einer zentralen Figur in der Münchner geschichtswissenschaftlichen Szene werden. Vom Bayerischen Hauptstaatsarchiv über das Historische Seminar der LMU und das Diözesanarchiv bis zum Institut der Zeitgeschichte: Walter Ziegler war und ist für viele bedeutende Münchner Einrichtungen ein gesuchter Ansprech- und Kooperationspartner.

Kulturpreis für Literatur und Publizistik

1953 im oberösterreichischen Engerwitzdorf geboren, studierte Richard Wall an der Linzer Hochschule für künstlerische und industrielle Gestaltung und machte sich bald mit literarischen und künstlerischen Arbeiten einen Namen. So sehr ihn seine Sehnsucht zu anderen Ländern zog, so sehr blieb er dem Mühl- und Waldviertel am Eisernen Vorhang verbunden. Als diese Grenze nach der Samtenen Revolution wieder passierbar wurde, zählte er zu den ersten Autoren, die mit poetischer Neugier und Sensibilität in die südböhmische Landschaft hineinwanderten. Die Begegnung mit Oberplan, dem Geburtsort des Schriftstellers und Malers Adalbert Stifter, war für Wall eine Initialzündung. Immer wieder hat er in den folgenden Jahren das Stifterland besucht und mit seinen künstlerischen Arbeiten dazu beigetragen, die jahrzehntelang durchschnittene Landschaft als kulturellen Begegnungsraum in der Mitte Europas wiederertstehen zu lassen. Es hieße Wall jedoch missverstehen, wenn man ihn auf die österreichisch-böhmische Landschaft reduzieren wollte, er ist ein Grenzgänger weit über die mitteleuropäische Kulturlandschaft hinaus. Mit dem sudetendeutschen Kulturpreis für Literatur des Jahres 2018 wird der Autor eines überaus reichen und vielfältigen Schaffens gewürdigt.

Die Sudetendeutschen Kulturpreise werden im Rahmen eines Festaktes am Vorabend (Freitag, 18. Mai, 19.00 Uhr) der Eröffnung des Sudetendeutschen Tages (Pfingstsamstag, 19. Mai, 10.30 Uhr) mit einem musikalischen Rahmenprogramm im Goldenen Saal des Augsburger Rathauses verliehen.

Über das weitere Programm des Sudetendeutschen Tages informieren wir Sie hier: www.sudetendeutscher-tag.de

Wir danken schon im Voraus für Ihr Interesse und freuen uns auf Ihre Teilnahme an der Festveranstaltung.
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