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Pressemitteilung BoxID: 463804 (Stiftung Bauhaus Dessau)
  • Stiftung Bauhaus Dessau
  • Gropiusallee 38
  • 06846 Dessau-Roßlau
  • http://www.bauhaus-dessau.de

Trauer um Heinz Hirdina

Bekannter Designtheoretiker und -historiker starb am 19. Dezember 2013- Vor drei Jahren hatte er der Stiftung Bauhaus Dessau sein Archiv übergeben

(lifePR) (Dessau-Roßlau, ) Hirdina galt als Experte der Designgeschichte, die für ihn abseits gängiger kunsthistorischer Praxis nicht auf Produktdesign beschränkt blieb. Im Spannungsfeld von Gesellschaftlichem und Kulturellem bezog Hirdina vielmehr ebenso Kommunikationsdesign, Architektur und damit verbundene Lebensstile bis zur Mode mit ein. In seinen Studien war ihm das Bauhaus ein zentraler Punkt: nicht als erratische historische Größe, sondern als kritischer Bezugspunkt in Auseinandersetzung mit den Widersprüchen aktueller Designentwicklungen. Ausgehend von einem dynamischen Verständnis von Funktionalismus war Behutsamkeit - im Umgang mit anderen Menschen, mit der Natur und mit Gegenständen - ein Begriff seiner Theorie, eine Haltung den Dingen gegenüber, als auch eine Vision künftigen Lebens. Aus Hirdinas zahlreichen Veröffentlichungen sei stellvertretend sein Buch zur DDR-Designgeschichte "Gestalten für die Serie" genannt, das 1988 in Zusammenarbeit mit dem Bauhaus Dessau erschien.

Hirdina studierte von 1961 bis 1966 Philosophie und Kulturwissenschaft in Jena, Leipzig und Berlin, danach arbeitet er bis 1968 für die Zeitschrift "Sonntag" und im Aufbau-Verlag. Von 1968 bis 1972 war er Mitarbeiter der Designzeitschrift "form+zweck", von 1973 bis 1979 ihr Chefredakteur. 1973 promovierte er zum Dr. phil., die Habilitation folgte 1988. Bis 1986 war er verantwortlich für

Designpublikationen im Dresdner Verlag der Kunst, seit 1987 arbeitete er als Hochschullehrer und war von 1993 bis 2005 als Professor für Theorie und Geschichte des Design an der Kunsthochschule Berlin-Weißensee tätig. Leser der Zeitschrift "design report" kennen ihn als Verfasser geschliffener Kolumnen.

Bereits 2010 hatte Heinz Hirdina der Stiftung Bauhaus Dessau seinen Vorlass und den Nachlass seiner 2009 verstorbenen Frau Karin, einer der profiliertesten Vertreterinnen der Berliner Kulturwissenschaft, Literaturwissenschaftlerin und nicht minder anerkannte Bauhaus-Expertin, zur weiteren Forschung übergeben. Die Manuskripte, Arbeitsmaterialien und Schriftwechsel sowie eine umfangreiche wissenschaftliche und belletristische Bibliothek bilden seitdem eine wertvolle Grundlage, vor allem zur Erforschung der Design- und Kulturgeschichte seit dem 19. Jahrhundert. Die Wirkungsgeschichte des Bauhauses in Ostdeutschland zwischen 1945 und 1989, die bis dato weitgehend wissenschaftliches Neuland gewesen war, bildet darin ein wichtiges Zentrum.

Als ersten Schritt arbeitet die Stiftung Bauhaus Dessau seit 2011 mit Prof. Achim Trebeß an der Edition der legendären Vorlesungen zur Theorie und Geschichte des Designs. Der erste Band, der unter dem Titel "Figur und Grund" sich 15 maßgeblichen Designer des 20. Jahrhunderts von Henry van der Velde bis zu Raymond Loewy und Ettore Sottsass widmet, wird im Frühjahr 2014 bei Spector Books erscheinen. Die beiden Folgebände sind für 2015 und 2016 geplant.

Des Weiteren beabsichtigt die Stiftung, ein Forschungsprojekt zur Bauhausrezeption in der DDR durchzuführen, in der die auch die Auseinandersetzung mit dem Werk von Heinz Hirdina eine wichtige Rolle spielen wird.