Samstag, 24. Februar 2018


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Videobox »Museum Matters«

Emma Wolukau-Wanambwa / »A Short Video about Tate Modern« / 4.7. - 3.9.2017

Stuttgart, (lifePR) - Unter dem Titel »Museum Matters« konzentriert sich die Reihe der Videobox auf Arbeiten von jüngeren und etablierten Künstlern und Filmemachern, die das Museum zu ihrem Gegenstand machen. Dokumentarisch, experimentell, essayistisch oder narrativ nehmen sie Museen, ihre Ansätze, Präsentationen und Formen der Vermittlung in den Blick, um Bedingungen von Sammlungen sichtbar zu machen und alternative Archive herauszufordern.

Ist das Museum ein kollektiver Speicher von Wissen oder Plattform für Experimente? White Cube oder Werkstatt? Architekturikone oder interaktiver Ort der Kommunikation?

Lange schon gibt es verschiedene Vorstellungen, Theorien und Utopien über das Museum. Immer wieder hat sich diese Institution in ihrer Geschichte geändert. Nicht zuletzt Künstler setzen sich stetig mit diesem öffentlichen Ort von Bildern und Bilderfahrungen auseinander, der zwischen Gegensätzen wie Geschichte und Zukunft, Konjunktur und Krise pendelt. Einerseits waren Museen traditionell Ausbildungsinstrumente und mitunter Ateliers für sie. Andererseits haben Künstler in ihrer Kunst wie in ihren Manifesten Museen beharrlich attackiert, ihre scheinbare Neutralität und Objektivität kritisch thematisiert und ihre Gesten des Zeigens etwa aus feministischer, antirassistischer und antikolonialer Perspektive hinterfragt.

Die Reihe geht nach Andrea Fraser, Marcel Odenbach und Karsten Krause weiter mit Emma Wolukau-Wanambwa, »A Short Video about Tate Modern« (2003/2005)

Die Videoarbeit der Künstlerin, geboren 1976 in Glasgow, blendet aus, was man unmittelbar mit dem weltweit meistbesuchten Museum für aktuelle Kunst am Londoner Themseufer verbindet: Es wirft keinen Blick auf das umfunktionierte Kraftwerk oder in seine Turbinenhalle, zeigt keine Sammlungspräsentationen oder Ausstellungsräume, interessiert sich nicht für seine Cafés, Museumsshops oder Besucherströme. Und doch löst das Video ein, was sein Titel ankündigt.

Mehr als eine Dekade vor dem eröffneten Erweiterungsbau des Museums entstanden, beschränkt sich »A Short Video about Tate Modern« auf zwei Einstellungen, die beide die Künstlerin zeigen. Zunächst steht Wolukau-Wanambwa schwarz gekleidet stumm vor einer weißen Wand und blickt in Nahaufnahme frontal in die Kamera. Mit Hilfe von Untertiteln folgt man ihrem inneren Monolog, in dem sie von ihren Erfahrungen im Rahmen ihrer Teilnahme an einem Kunst-Workshop im obersten Stock des Museums erzählt. Dort stellt sie fest, dass sie die einzige »nicht-weiße« Person ist und fühlt sich unangenehm exponiert, während ihr hinter den Kulissen vor allem viel schwarzes Museumspersonal – Aufsichten, Wachmänner oder Küchenmitarbeiter – begegnet. Als Künstlerin mit Zugang zu den Inhalten des Museums erntet sie ihre Blicke. Die zweite Einstellung des Videos zeigt Wolukau-Wanambwas Arbeit, die Ergebnis des Workshops ist: Darin steht sie erneut wortlos vor einer weißen Wand. Diesmal wäre sie ganz zu sehen, verdeckte sie nicht eine große weiße Pappe, die sie in ihrer Umgebung zum Verschwinden bringt. Nur ihre schwarzen Beine bleiben sichtbar.

Mit minimalen Mitteln führt »A Short Video about Tate Modern« vor Augen, wie auch ein »für alle offenes« Museum gesellschaftliche Verteilung von Privilegien widerspiegelt. Dass die eigene Rolle im Spannungsfeld von gegensätzlich erlebten Mehrheitsverhältnissen und Hierarchien dabei als ambivalent mit reflektiert wird, macht das Video umso eindringlicher.

 

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