Montag, 23. April 2018


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Der Lebensretter in der Funkfernbedienung

Rettungsübung im Wald

Kassel, (lifePR) - GPS-gestützte Personen-Notsignal-Anlagen auf Forstschleppern mit Funkseilwinde lösen bei einem Arbeitsunfall im Wald selbsttätig Alarm aus und führen Rettungskräfte zuverlässig zum Unfallort.

Am Sichersten ist es, nur zu mehreren im Wald zu arbeiten. Wer alleine mit der Seilwinde Holz rückt, braucht zu seinem eigenen Schutz zumindest eine Personen-Notsignal-Anlage (PNA). So schreibt es die Landwirtschaftliche Berufsgenossenschaft für ihre Versicherten vor. Anders als Notrufhandys oder Mobiltelefone mit Notruf-App löst die PNA selbsttätig Alarm aus und informiert über eine dafür qualifizierte Funknotrufzentrale die integrierte Rettungsleitstelle, wenn der Holzrücker selbst bei einem Unfall dazu nicht mehr in der Lage ist. Wie das System funktioniert, zeigte eine Rettungsübung, die von der Sozialversicherung für Landwirtschaft, Forsten und Gartenbau (SVLFG) zusammen mit der integrierten Rettungsleitstelle Schweinfurt und dem Bayerischen Roten Kreuz Bad Brückenau durchgeführt wurde. Angeregt hatte die Übung Jochen Selbert aus dem unterfränkischen Oberleichtersbach. Er hat eine PNA auf seinem Forstschlepper mit angebauter Funkseilwinde und wollte wissen, wie das System im Notfall funktioniert.

So funktioniert ein Funknotruf

Eine PNA besteht aus einem Sender, der in der Funkfernsteuerung der Seilwinde eingebaut ist und auf Bewegung reagiert, sowie einer Mobilfunkanlage mit GPS-Lokalisierung am Schlepper zur Alarmierung. Diese Mobilfunkanlage ist fest auf dem Forstschlepper eingebaut. Zusätzlich ist die Anlage mit einem Warnlicht und einer Hupe ausgestattet. Sobald sich der Holzrücker mit seiner Funkfernsteuerung einige Minuten nicht mehr bewegt, alarmiert der Sender die Mobilfunkanlage auf dem Schlepper. Sie löst zunächst einen Voralarm mit Licht- und Tonsignal aus, um einen Fehlalarm zu vermeiden. Wurde die Funkfernbedienung also zum Beispiel nur abgelegt und ist es dadurch versehentlich zum Voralarm gekommen, kann der Holzrücker den Vorgang selbst abstellen. Ist er hingegen tatsächlich verunglückt und kann sich selbst nicht mehr helfen, geht der Voralarm automatisch in einen Alarm an eine Funknotrufzentrale über. Von dort gelangt er an die integrierte Rettungsleitstelle. Dabei werden die Positionsdaten des Unfallorts übermittelt, so dass dieser von den Rettungskräften auch im unwegsamen Gelände sicher gefunden werden kann. Zur Sicherheit erfolgt noch ein letzter Rückrufversuch seitens der Funknotrufzentrale, ob tatsächlich ein Notfall vorliegt. Zusätzlich zur Leitstelle können je nach Programmierung der PNA weitere Personen über SMS oder über eine Sprachnachricht alarmiert werden.

„So etwas passiert mir nicht noch einmal“

Dass der Einbau einer PNA sinnvoll ist, davon ist Jochen Selbert nach seinem eigenen schweren Waldunfall überzeugt. Vor einigen Jahren hat ihm beim Holzrücken ein Baumstamm den Unterschenkel eingeklemmt und zertrümmert. Zum Glück konnte er andere Waldarbeiter in einem benachbarten Waldstück noch selbst verständigen. „Ich hatte mein Handy in der Seitentasche meiner Schnittschutzhose stecken. Hätte mich der Baumstamm nur 30 Zentimeter weiter oben erwischt, hätte er es zerstört. Ich hätte mich nicht mehr bemerkbar machen können. Die Kollegen haben zwar nur wenige hundert Meter entfernt gearbeitet, sie wussten aber nicht, dass ich auch im Wald bin. Keine Ahnung, ob ich das überlebt hätte“, so Selbert. Einige Krankenhausaufenthalte, Operationen und Rehabilitationsmaßnahmen später konnte Jochen Selbert seine Arbeit zwar wieder aufnehmen, aber der Schrecken sitzt tief. „Nach dieser Erfahrung habe ich meinen Forstschlepper schnell mit einer PNA ausrüsten lassen. So etwas soll mir kein zweites Mal passieren.“

Die Probe aufs Exempel

Bei der Rettungsübung löste die unbewegt liegende Funkfernsteuerung innerhalb weniger Minuten den Voralarm aus. Einige Minuten später folgte planmäßig die Information der integrierten Leitstelle. Von dort wurde die BRK-Einsatzzentrale vor Ort alarmiert und mit den GPSDaten des Unfallortes versorgt. Zuverlässig trafen die Rettungskräfte am fingierten Unfallort ein. „Es ist für mich beruhigend zu wissen, dass ich auf jeden Fall gefunden werde“, sagt Jochen Selbert.

Thomas Schlereth, Leiter der integrierten Leitstelle, ergänzt: „Idealer Weise dauert es von der Alarmierung bis zum Eintreffen des Rettungswagens am Unfallort selbst im unwegsamen Gelände in der Regel nicht länger als zehn bis 20 Minuten. Die integrierte Leitstelle hat verschiedene Möglichkeiten, auf die sie zurückgreifen kann, damit Verletzte schnell gefunden werden. Dazu gehören zum Beispiel die Alarmierung von Bergwacht und Feuerwehr, sowie der Einsatz eines Rettungshubschrauber oder kleiner fliegender Systeme, sogenannte Rettungsdrohnen. Je nach Situation kommen auch Ortungssysteme und Wärmebildkameras zum Einsatz.“

Technik kann Ersthelfer nicht ersetzen

Jede Rettungskette ist nur so stark wie ihr schwächstes Glied. Damit technische Lösungen reibungslos funktionieren, müssen optimale Voraussetzungen vorliegen. Das beginnt mit dem „Faktor Mensch“, der die vorhandenen Geräte einschalten und nutzen muss. Voraussetzung ist auch eine stabile Mobilfunkverbindung, über die der Notruf abgesetzt wird. Rettungsfahrzeuge müssen über ein Ortungssystem verfügen. Sind diese Parameter erfüllt, ist eine PNA eine wertvolle Hilfe für Menschen, die alleine mit der Seilwinde arbeiten. Die sicherste Lösung bleibt aber nach wie vor, nie alleine im Wald zu arbeiten. Auch die beste PNA ersetzt nicht den Ersthelfer vor Ort, der die lebensrettenden Sofortmaßnahmen durchführen und das Rettungsfahrzeug zum nächsten Rettungspunkt lotsen kann.

 

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