Sonntag, 19. November 2017


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Drei Jahre nach dem IS-Angriff auf Jesiden im Nordirak: "Befreite Kinder sind schwer traumatisiert und brauchen Hilfe!"

Dohuk, (lifePR) - Der IS-Angriff auf Jesiden im Sinjar-Gebirge im Nordirak vor drei Jahren (3. August 2014) hatte über 10.000 Tote zur Folge und zwang rund 400.000 Jesiden zur Flucht. Tausende wurden von der Terrormiliz verschleppt und versklavt. „Mädchen und junge Frauen wurden als Sklavinnen verkauft oder IS-Kämpfern als Ehefrau versprochen. Auch sehr junge Mädchen wurden nicht verschont. Jungs wurden zu Kindersoldaten ausgebildet“, sagt Katharina Ebel, Nothilfe-Koordinatorin der SOS-Kinderdörfer im Nordirak. Von den insgesamt  6.417 offiziell als vermisst Gemeldeten konnten 1.628 Kinder, 1.094 Frauen und 334 Männer laut Angaben der Behörde zur Ermittlung von IS-Entführungsfällen in Dohuk in den letzten drei Jahren befreit werden. Von den anderen 3.361 fehlt noch immer jede Spur. Doch nach der IS-Gefangenschaft sind die Qualen nicht vorbei: „Vor allem die Kinder sind schwer traumatisiert und brauchen dringend Hilfe.“

Psychologische Hilfe erhalten derzeit 800 Kinder und deren Mütter von den SOS-Kinderdörfern im Rahmen eines Modellprojekts im Flüchtlingslager Khanke bei Dohuk. Die SOS-Kinderdörfer sind eine der wenigen NGOs in der Region, die sich intensiv um die psychologische Betreuung von Kindern und Jugendlichen bemühen. „In achtwöchigen Trainings versuchen wir die Selbstheilungskräfte der Kinder und Jugendlichen durch 20 verschiedene Techniken zu aktivieren. So sollen sie lernen, die grauenhaften Erfahrungen zu verarbeiten und wieder Herr über ihre Emotionen werden“, erklärt Ebel, die das SOS-Projekt leitet.

Neben psychologischer Unterstützung gibt die Hilfsorganisation den Kindern, Frauen und Familien nach dem IS-Terror auch eine Lebensperspektive: So werden Alleinerziehende beispielsweise in einem Café ausgebildet und Kinder erhalten Schulunterricht. „Damit verhindern wir auch, dass die Kinder arbeiten gehen. Denn viele sehen, wie ihre Mütter um jeden Cent zu kämpfen haben, und wollen deshalb helfen, anstatt zu lernen. Deshalb ist es wichtig, dass Mütter und Familien auf eigenen Beinen stehen und Einkommen generieren, damit die Kinder zur Schule gehen können“, berichtet Ebel.

Das SOS-Hilfsprojekt und die psychosoziale Arbeit im Nordirak werden laut Ebel nach der Befreiung Mossuls noch lange wichtig bleiben, da täglich neue Kinder mit schweren Traumata im nur 80 Kilometer nördlich gelegenen Dohuk eintreffen.

Achtung: Wir bieten zu dem Thema ein Interview mit Katharina Ebel an.

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