Freitag, 17. August 2018


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Ikone des Protests gegen Rassismus Tommie Smith erhält »Dresden-Preis«

Mit der nach oben gestreckten Faust im schwarzen Handschuh wurde Olympiasieger Tommie Smith 1968 zum Symbol und Vorbild / Günter Wallraff hält Laudatio

Dresden, (lifePR) - Mit dem 9. Internationalen Friedenspreis „Dresden-Preis“ wird am 18. Februar 2018 in der Dresdner Semperoper der Olympiasieger und Bürgerrechtsaktivist Dr. Tommie Smith geehrt. Die Preisverleihung ist eine Gemeinschaftsveranstaltung der Organisation Friends of Dresden Deutschland e.V. und der Semperoper Dresden. Der Dresden-Preis wird gefördert von der Klaus Tschira Stiftung.

Nachdem Tommie Smith bei den Olympischen Spielen 1968 in Mexiko den 200-Meter-Lauf gewonnen hatte, nutzte er die Weltbühne, um gemeinsam mit dem Drittplatzierten John Carlos auf dem Siegerpodest mit der erhobenen Faust im schwarzen Handschuh gegen Rassismus zu protestieren und für Menschenrechte einzutreten. Es war die größte öffentliche politische Geste in der neueren Geschichte des Sports. Das Foto davon wurde berühmt.

Danach verlor Smith alles. Der damals 24jährige war einer der besten Sprinter aller Zeiten und hatte zwölf Weltrekorde gebrochen. Nach dem Protest durfte er nie wieder bei einem Wettkampf antreten. Er erhielt Morddrohungen und lange keinen Job mehr. Später wurde Smith Leichtathletiktrainer, beendete sein Studium und lehrte Soziologie am Santa Monica College. Er wurde in die Hall of Fame des nationalen Leichtathletikverbandes aufgenommen. Gleich zwei Mal lud ihn Barack Obama während seiner Amtszeit ins Weiße Haus ein.
2018 jährt sich die Protestaktion zum 50. Mal. Vom Geächteten wurde Tommie Smith zum Helden und zur Legende. Er ist auch Vorbild für NFL-Spieler wie Colin Kaepernick, die gegenwärtig gegen Rassismus kämpfen. 
„Ich bereue nichts“, sagt Tommie Smith heute. Nichts zu tun, sei auch damals keine Option für ihn gewesen. Gleich, wie viel ihn sein Handeln kosten würde.

Zur Begründung der Preisvergabe an Dr. Tommie Smith:

Dr. Günter Blobel, Nobelpreisträger und Mitinitiator des Dresden-Preises
Die Geste der Sportler Tommie Smith und John Carlos auf dem Siegerpodest der Olympischen Spiele 1968 in Mexiko war eine der beeindruckendsten öffentlichen Demonstrationen gegen Rassendiskriminierung im letzten Jahrhundert. Eine stumme Protestaktion, die Teil der Geschichte von Zivilcourage geworden ist. Der damalige Olympiasieger Tommie Smith wurde zu einem Rollenmodell des politisch engagierten Sportlers. 50 Jahre danach gibt es noch immer Rassismus. Leider hat das Thema an Aktualität wenig eingebüßt. Und die Geste ist geblieben, was sie damals war: mutig und stark.     

Geschäftsführerin der Klaus Tschira Stiftung: „Ein starkes Signal“
„Gerade heute ist es wichtig, ein starkes Signal gegen Rassismus zu setzen. Und die Preisverleihung an Tommie Smith ist solch ein Signal“, sagt Beate Spiegel, Geschäftsführerin der Klaus Tschira Stiftung.

Semperoper-Intendant: „Zivilcourage ist das Lebenselixier  einer freien Gesellschaft“
„Sei es im Hinblick auf bedenkliche politische Entwicklungen im In- und Ausland, sei es im zwischenmenschlichen und gesellschaftlichen Kontext: Zivilcourage, Offenheit und Respekt gegenüber dem Anderen, Teilhabe und Achtsamkeit sind das Lebenselixier einer toleranten, freien Gesellschaft. Heute genauso wie vor 50 Jahren, als Tommie Smith seine berühmt gewordene bekennende Geste zeigte“, sagt Wolfgang Rothe, amtierender Intendant der Dresdner Semperoper.

Günter Wallraff hält Laudatio
Der vielfach ausgezeichnete Enthüllungsjournalist und Schriftsteller Günter Wallraff engagiert sich seit Jahrzehnten gegen Rassismus, unter anderem als Botschafter der Initiative „Respekt! Kein Platz für Rassismus“. Mit seinem Film „Schwarz auf Weiß – eine Reise durch Deutschland“ aus dem Jahr 2009 deckte er latenten und offenen Rassismus im Land auf.

Lyambiko mit Songs von Nina Simone
Lyambiko gilt als eine der besten Jazzsängerinnen Deutschlands. Bei der Preisverleihung an Tommie Smith in der Semperoper wird die Echo-Preisträgerin gemeinsam mit ihrer Band mehrere Songs von Nina Simone performen, der musikalischen Ikone der amerikanischen Bürgerrechtsbewegung. Aufgewachsen im thüringischen Greiz hat Lyambiko als Tochter eines aus Tansania stammenden Vaters selbst Erfahrungen mit Rassismus gemacht. 

Gerhart Baum: „Rassismus ist ein Anschlag auf die Menschenwürde“
Der ehemalige Bundesinnenminister Gerhart Baum moderiert die Veranstaltung. „Rassismus ist ein Anschlag auf die vom Grundgesetz geforderte Unantastbarkeit der Menschenwürde. Und das besonders in einem Land wie Deutschland, in dem Rassismus zum Holocaust geführt hat“, sagt Baum.

Der mit 10 000 Euro dotierte Dresdner Friedenspreis wird seit 2010 jährlich in der Semperoper vergeben. Die bisherigen Preisträger waren Friedensnobelpreisträger Michail Gorbatschow, der Pianist und Dirigent Daniel Barenboim, der Kriegsfotograf James Nachtwey, der ehemalige sowjetische Offizier Stanislaw Petrow, der einstige sudanesische Kindersoldat und heutige Friedensaktivist und Musiker Emmanuel Jal, der Herzog von Kent, der Urvater der Whistleblower Daniel Ellsberg sowie der Bürgermeister des Flüchtlingsdorfes Riace, Domenico Lucano. Die Preisverleihung  findet am Sonntag, den 18. Februar 2018 um 11 Uhr in der Semperoper Dresden statt.

Eintrittskarten zum Preis von 10 Euro (Schüler/Studenten ermäßigt 5 Euro) sind erhältlich beim Besucherdienst der Semperoper, Schinkelwache, Theaterplatz 2, 01067 Dresden, T 0351 4911 705, bestellung@semperoper.de sowie über www.semperoper.de

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