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Pressemitteilung BoxID: 526945 (Schweizerischer Bauernverband)
  • Schweizerischer Bauernverband
  • Laurstrasse 10
  • 5200 Brugg
  • https://www.sbv-usp.ch
  • Ansprechpartner
  • Jacques Bourgeois
  • +49 (7921) 932-33

Bauernfamilien wollen sich am Markt orientieren

(lifePR) (Brugg, ) Die Bauern müssen sich am Markt orientieren. Das tönt einfacher als es ist, denn Agrarmärkte funktionieren nicht nach den gängigen ökonomischen Lehren. Die grosse Herausforderung ist, dass die Bauern einen fairen Preis erhalten und einen angemessenen Anteil an der Wertschöpfung haben. Das Einkaufsverhalten der Konsumenten, der Grenzschutz und die Partnerschaft mit den nachgelagerten Bereichen sind die dafür nötigen Rahmenbedingungen. So lauten die Schlussfolgerungen des Schweizer Bauernverbands an seiner heutigen Neujahrsmedienkonferenz in Diemerswil im Hinblick auf die bevorstehende Präsentation des bundesrätlichen Gegenvorschlags zur Volksinitiative für Ernährungssicherheit.

An seiner Neujahrsmedienkonferenz auf dem Familienbetrieb von Damaris und Thomas Münger in Diemerswil widmete sich der Schweizer Bauernverband (SBV) dem Thema Agrarmärkte und stellte seinen aktuellen Situationsbericht dazu vor. Dieser befasste sich in einem ersten Teil mit den Besonderheiten der Agrarmärkte wie der geringen Preiselastizität, der X-Struktur (viele Produzenten, wenige Verarbeiter/Händler, viele Konsumenten) oder dem zeitlichen Abstand zwischen Produktionsentscheid und Vermarktung. Märkte für Lebensmittel sind auch dadurch geprägt, dass das Land als wichtigster Produktionsfaktor immobil ist. Eine weitere Gemeinsamkeit von Agrargütern - speziell bei Milch oder Getreide - ist, dass es sich oft um austauschbare Massenware für die Verarbeitungsindustrie handelt. Alle diese Spezifitäten schwächen die Position der Bauern innerhalb der Wertschöpfungskette, was sich auf die Produzentenpreise und den Anteil der Urproduktion an der Wertschöpfung niederschlägt. Gerade mal ein Viertel des Ladenpreises landet aktuell bei den Bauernfamilien. Vor 25 Jahren bekamen diese beispielsweise mehr für das Fleisch ihrer Tiere als heute, obwohl es im Laden für die Konsumenten damals günstiger war. Die Landwirtschaft erhält stetig weniger vom Kuchen und dennoch wird sie gerne - zu Unrecht! - als Hauptkostenfaktor für die höheren Schweizer Preise angeprangert.

Dabei gibt es nicht einen Schweizer Agrarmarkt, sondern unterschiedlich organisierte und funktionierende Teilmärkte. Besonders anspruchsvolle Zeiten stehen den Milchproduzenten bevor, weil mit der Abschaffung der Milchquoten in der Europäischen Union, die Mengen massiv steigen und die Milchpreise im umliegenden Ausland in den Keller purzeln dürften. Wegen der ausgeprägten X-Struktur des Schweizer Milchmarkts ist die Position der Milchproduzenten bei Preisverhandlungen schwach. Beim Gemüse steht und fällt der einheimische Markt mit dem Grenzschutz. Eier auf der anderen Seite ist ein privatrechtlich eng regulierter Markt mit starker vertikaler Integration. Die Eierproduzenten sind in ein engmaschiges System eingebunden, das wenig unternehmerischen Spielraum lässt, aber dafür viel und langjährige Sicherheit bietet. Das hat durchaus auch Vorteile, wie der Gastgeber Thomas Münger an der Medienkonferenz erläuterte.

Agrarmärkte sind in vielen Ländern staatlich reguliert. Dabei stehen die Koppelprodukte der Lebensmittelproduktion wie eine vielfältige Landschaft, Versorgungssicherheit oder Biodiversität im Vordergrund, die auch in der Schweizer Verfassung verankert sind. Der Staat hat ein vitales Interesse, solche positiven Nebeneffekte zu erzielen und negative Nebeneffekte wie Umweltverschmutzung zu vermeiden. Dabei handelt es sich um öffentliche Güter für die kein Markt aber durchaus ein gesellschaftliches Interesse besteht. Mit sinkender Wertschöpfung sind die Bauernfamilien gezwungen, sich mehr und mehr an diesem Markt der Direktzahlungen zu orientieren. Das ist schade und unbefriedigend. Mit gezielten Massnahmen auf vier Achsen will der SBV dem entgegenwirken: Dem Importdruck entgegenhalten, die Konsumenten begeistern, die Produkte der Schweizer Landwirtschaft unersetzlich machen und die Landwirtschaft auf Augenhöhe der Abnehmer bringen.

Denn was sicher ist: Die Bauernfamilien wollen sich am Markt orientieren. Dazu brauchen sie einen fairen Preis für ihre Produkte und einen angemessenen Anteil an der Wertschöpfung. Das Einkaufsverhalten der Konsumenten, der Grenzschutz und die Partnerschaft mit den nachgelagerten Bereichen sind die dafür nötigen Rahmenbedingungen. Dafür wird sich der SBV im Rahmen seiner Arbeit und insbesondere mit seiner Volksinitiative für Ernährungssicherheit einsetzen. Mit Spannung erwartet er deshalb den direkten Gegenvorschlag, den der Bundesrat auf Mitte Januar angekündigt hat.

Sie finden weitere Unterlagen (Referate) und die Originalmitteilung mit Bild unter : http://www.sbv-usp.ch/de/medien/medienmitteilungen/archiv-2015/060115-jahresmedienkonferenz/