Warum Sport kranken Menschen gut tut

Körperliches Training hilft nicht nur Gesunden fit zu bleiben, sondern auch bei der Behandlung chronischer Erkrankungen wie Herzmuskelschwäche

(lifePR) ( Berlin, )
Es ist ein alter Mythos, der bis etwa Mitte der 1980er Jahre Bestand hatte: Menschen mit Herzschwäche sollten auf Bewegung verzichten. Zum Glück hat die Medizin herausgefunden, dass dies längst überholt ist. Kardiologen testen heute jeden Patienten individuell auf dessen Leistungsfähigkeit und erstellen dann eine individuelle Trainingstherapie. Denn Sport ist gut, auch für ein krankes Herz, wie der Kardiologe Dr. Olaf Göing weiß: „Ein Spaziergang hilft einem kranken Herzen mehr als entspannen auf der Couch“, so der Chefarzt der Klinik für Innere Medizin II und Kardiologie am Sana Klinikum Lichtenberg.

„Auch bei vielen anderen chronischen Erkrankungen wirkt sich eine regelmäßige sportliche Aktivität positiv auf den Krankheitsverlauf und die Prognose aus. Zudem kann Sport helfen, Medikamente einzusparen“, ergänzt Dr. Göing. So haben Forscher in einer kürzlich veröffentlichten Studie nachgewiesen, dass regelmäßiges Training dazu beiträgt, blutdrucksenkende Medikamente einzusparen. Für ein gesundes Sporttreiben ist es jedoch wichtig, gewisse goldene Regeln zu beachten, um Risiken zu vermeiden und das Wohlbefinden zu steigern, so die Sportmedizinerin.

Dass Bewegung gut ist für den Körper, ist allgemein bekannt. Sport reduziert nicht nur die Wahrscheinlichkeit von Herz-Kreislauf-Erkrankungen, sondern auch von Typ-2-Diabetes, Darmkrebs, Brustkrebs, Demenz, Schlaganfällen und Depressionen. „Wissenschaftliche Studien haben gezeigt, dass Sport auch für ein krankes Herz wichtig ist. Und dabei meine ich nicht nur Spazierengehen. Es ist sogar durchaus sinnvoll, zumindest kurzfristig bis an die Grenzen der Belastbarkeit zu gehen. Dann pumpt das Herz nämlich besser, auch ein krankes“, so Dr. Olaf Göing.

Wichtig vor belastendem Sport ist aber, zunächst ein Aufbauprogramm zu absolvieren. Der Körper muss langsam herangeführt werden an die Leistungssteigerung. Eine Trainingstherapie bei herzkranken Patienten sollte von einem Kardiologen wie ein Medikament verschrieben und ärztlich beaufsichtigt werden. „Wir testen die Leistungsgrenzen eines jeden Betroffenen ganz individuell und passen die Trainingsempfehlung daran an. Dafür müssen die Patienten unter anderem einen Leistungstest auf dem Fahrradergometer durchführen. Je nach Begleiterkrankungen und Vorlieben kann dann zwischen verschiedenen Trainingsformen gewählt werden“, erklärt Dr. Göing. Die Patienten erfahren dabei mehr über ihren Körper und ihren Puls. So gewöhnen sie sich an den regelmäßigen Sport und profitieren von der Leistungssteigerung. Das kann dann später auch im Alltag beim Radfahren, beim Laufen oder Nordic Walking  genutzt werden. „Ich empfehle zumeist die Nutzung einer Pulsuhr. Dann kann eigentlich nichts mehr schief gehen“, so der Kardiologe.

Unwichtig ist, unter welcher Herzerkrankung man leidet. Wichtig ist nur die richtige Dosis. Und Wettkampfsport kommt nicht in Frage. Auch Patienten mit einem Herzschrittmacher müssen sich sportlich nicht einschränken. Die Geräte sind heute so modern, dass sie genau auf den Patienten reagieren und den Puls entsprechend der körperlichen Belastung regeln können. Einschränkend wirkt hier nur die Positionierung des Schrittmachers unter dem Schlüsselbein. Stöße oder Schläge gegen den Oberkörper können die Elektrik kaputt machen, welche den Schrittmacher und das Herz verbindet. „Also sind Kampfsportarten wie Boxen oder Karate nicht zu empfehlen. Nur bei wenigen Herzerkrankungen wie einer akuten Herzmuskelentzündung durch Viren ist Sport absolut verboten. Vor dem Beginn von sportlichem Training sollten Herzpatienten daher immer ihren Kardiologen aufsuchen“, empfiehlt Dr. Göing.
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