Montag, 29. Mai 2017


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Psychotherapie mit Älteren: Erinnerungen als riskante und wertvolle Ressource

(lifePR) (Lengerich, ) Erinnerungen können in der Psychotherapie stark belasten - oder auch wesentlich zum Wohlbefinden beitragen. "Erinnerungen sind das Rohmaterial für die Konstruktion unserer Lebensgeschichte", bringt Genevieve Grimm es auf den Punkt. Gemeinsam mit KollegInnen des Psychologischen Instituts der Universität Zürich hat sie einen Aufsatzband vorgelegt: "Erzählen, Träumen und Erinnern. Erträge Klinischer Erzählforschung."

Grimm erinnert an Risiken: "Erinnerungen belasten, wenn das erinnerte Ereignis das Individuum an Leib oder Seele bedroht hat, wenn sie unser Selbstbild bedrohen, wenn sie mit Schuld oder Scham behaftet sind und wenn sie Schmerz, Hilflosigkeit und Ohnmacht verursachen.

Zwanghaftes Erinnern führt den Menschen in einen Teufelskreis sich wiederholender quälender Erinnerungen, für die keine Lösung gefunden werden kann. Die dadurch ausgelösten Emotionen können den Menschen überwältigen. Sie führen zur Destabilisierung des Selbst, zur Inkohärenz und damit zur Bedrohung der eigenen Identität."

In ihren Studien beschreiben die AutorInnen eine große Zahl von Aspekten und Möglichkeiten therapeutisch wertvollen Erinnerns unter fünf Gesichtspunkten:

Integratives Erinnern dient dem Verständnis des eigenen Lebens, der Sinnhaftigkeit, der Selbstakzeptanz; offen gebliebene biografische Konflikte werden aufgearbeitet, unerfüllte Ansprüche werden korrigiert, die Kontinuität zwischen Vergangenheit und Zukunft wird bewusst.

Instrumentelles Erinnern vergegenwärtigt gelöste Probleme; es stärkt das Gefühl der Selbstkompetenz und die Ressourcen zur Bewältigung gegenwärtiger Lebensumstände.
Transmissives Erinnern bedeutet Weitergeben von Erfahrung an Jüngere; darin realisiert sich eine soziale Funktion, mit der altersbedingte Rollenverluste kompensiert werden können.
Narratives Erinnern kann dem Erzählenden wie den Zuhörern Freude bereiten - und Konsens verwirklichen.

Evasives Erinnern kann negative Aspekte der Vergangenheit ausblenden und hilft, den "negativen Aspekten der Gegenwart zu entfliehen. Die selektive Erinnerung positiver Erfahrungen mag kurzfristig das aktuelle Wohlbefinden steigern, sie kann jedoch die aktuellen sozialen Beziehungen beeinträchtigen."

Grimm, Kapfhamer, Mathys, Michel, Boothe (Hrsg.):
Erzählen, Träumen und Erinnern. Erträge Klinischer Erzählforschung
Pabst, Lengerich/Berlin, 2009, 228 Seiten, ISBN 978-3-89967-565-8

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