"Christine Lagarde - wird sie den Kurs der EZB ändern?" - der aktuelle Neuwirth Finance Zins-Kommentar

(lifePR) ( Starnberg, )
Die Kandidatenfrage für den Posten des zukünftigen Präsidenten der Europäischen Zentralbank (EZB) scheint nun mit der etwas überraschenden Nominierung der Chefin des Internationalen Währungsfonds (IWF) gelöst zu sein. Es herrscht breiter Konsens darüber, dass Christine Lagarde den bisherigen geldpolitischen Kurs von Mario Draghi fortsetzen wird damit der Zins bis auf einen unbestimmten Zeitraum niedrig bleibt. Erfahren Sie in der heutigen Ausgabe des Zinskommentars, was Investoren von Christine Lagarde als neue EZB-Präsidentin erwarten können.

Markt-Monitoring und Ausblick

Kurzfristiger Zins: Der 3-Monats-Euribor fällt marginal und steht bei aktuell - 0,363%. Die EZB wird Ihre Geldpolitik weiter lockern. Bis Mitte 2020 erwarten wir deshalb einen leichten Zinsrückgang in Richtung -0,40%.

Langfristiger Zins: Der 10jährige SWAP-Satz steht derzeit bei 0,17%. Wir erwarten zukünftig weiter niedrige SWAP-Sätze zwischen 0,00% - 0,75% bis Ende des Jahres, schließen aber erstmalig negative, 10-jährige SWAP-Sätze nicht aus.

Christine Lagarde - wird sie den Kurs der EZB ändern?

Christine Lagarde wird am 1. November 2019 als erste Frau überhaupt das Amt als EZB-Chefin übernehmen. Doch bis dahin ist noch Zeit genug für den aktuellen Amtsinhaber Mario Draghi letzte geldpolitische Akzente zu setzen. Bereits am 25. Juli könnte die EZB ein neues Anleihekaufprogramm aufsetzen, um dem Inflationsziel näher zu kommen. Ebenso ist eine Senkung der Einlagenfazilität von minus 0,4 Prozent auf minus 0,6 Prozent denkbar. Zuletzt stiegen die Preise lediglich um 1,2 Prozent. Das erfreut vor allem die Aktien -und Immobilienmärkte. Anderweitige Geschäfte scheinen kaum noch ein vertretbares Rendite-Risiko-Verhältnis zu garantieren. Die Börse eilt somit unaufhaltsam weiter von Rekord zu Rekord. Darüber hinaus denkt die amerikanische Notenbank (Fed) laut über eine mögliche Zinssenkung nach.

Mit Christine Lagarde bekommt die EZB eine äußerst erfahrende und kompetente Führungspersönlichkeit. Als ehemalige Finanz -und Wirtschaftsministerin Frankreichs und IWF-Chefin kennt sie sowohl das politische Tagesgeschäft als auch die Finanzwelt sehr gut. Ebenso zeigte sie sich äußerst solidarisch zu Zeiten der Eurokrise und unterstützte die EZB mit mehr als 60 Milliarden Euro bei der Vergabe von Hilfspaketen an Griechenland. So ist nicht davon auszugehen, dass Christine Lagarde leittragende Länder wie Italien mit Zinserhöhungen gegen den Kopf stößt. Die Französin wird wohl nach diplomatischen Lösungen suchen (müssen), die den Zusammenhalt der Eurozone garantieren.

Nicht nur wegen der Divergenz innerhalb der Eurozone könnte die EZB immer mehr von einer unabhängigen Notenbank zu einer politischen Institution werden, sondern auch aufgrund struktureller Faktoren. So wird immer mehr Geld für den Ruhestand zurückgelegt, da die Menschen immer älter werden. Diese Rücklagen werden nur dann höher verzinst, wenn auch die Nachfrage nach Krediten hoch ist. Derzeit ist aber genau das Gegenteil der Fall. Viele Unternehmen sind durch den technologischen Fortschritt nicht auf milliardenschwere Investitionsprogramme angewiesen. Somit ist das Angebot von Kapital hoch, aber die Nachfrage nach Kapital ist niedrig: Der Zins fällt. Dieser ökonomische Mechanismus wird auch „säkulare Stagnation“ genannt und passiert weitestgehend unabhängig von der EZB. Nur öffentliche Investitionsprogramme oder eine gestiegene Auslandsnachfrage können dem entgegenwirken. Nimmt also der Staat Schulden im großen Stil auf erhöht dies den Preis des Geldes und damit den Zins. Außerdem würde so wieder mehr Geld in das volkswirtschaftliche System eingespeist werden. So könnte Christine Lagarde versuchen neben einer expansiven Geldpolitik weiteren indirekten Einfluss auf die Investitionspolitik von sparsamen Ländern, wie z.B. Deutschland, auszuüben.
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