Hommage à Mauricio Kagel

(lifePR) ( Saarbrücken, )
.
Festival für hinterhältige Musik
18. September bis 24. Dezember 2011
Konzerte - Instrumentales Theater - Hörspiel - Film

Mauricio Kagel (1931 - 2008) gehört neben Karlheinz Stockhausen, Pierre Boulez und Luigi Nono zu den bedeutendsten Komponisten unserer Zeit. Aus Argentinien kommend, hat er seit den späten fünfziger Jahren das Musikleben in Deutschland entscheidend mitgeprägt und mit seinen Werken Maßstäbe gesetzt. Vielleicht weniger im Sinne einer »Materialentwicklung« -

um einen für die Musik der Nachkriegszeit zentralen, von Adorno geprägten Begriff zu verwenden -, wohl aber eines Materialdiskurses. Um historisch Sedimentiertes, im Musikbetrieb Glorifiziertes, um Heroen und Meilensteine der Musikgeschichte geht es häufig in Kagels Werken, und um eine genauere Betrachtung und Hinterfragung des Umgangs mit diesen im modernen Konzertbetrieb. Mauricio Kagels Musik ist Musik über Musik im besten wie im hinterhältigsten Sinne. Mit allen verfügbaren Mitteln der zeitgenössischen Musik und anderer Künste - ob Elektronik, akustische Instrumentalbesetzung, Pantomime, Theater, Film oder Hörspiel - entwirft Kagel Metakompositionen, die einen kritischen Blick auf unsere musikalischen Erfahrungen, aber auch auf unsere alltägliche akustische Umgebung werfen. Er bringt Straßen- und Volksmusik sowie Naturgeräusche in den Konzertsaal, macht Musik auf selbst konstruierten Instrumenten oder verkehrt die angestammten Verhältnisse zwischen Solisten und Chor. Dabei fördert er nicht selten bis dahin eher überhörte Schönheiten der Musikgeschichte zutage. Doch zeigt er auch, dass Musik niemals geschichtslos ist und auch die zeitgenössische Musik sich immer wieder neu an ihrer Geschichte messen lassen muss.

Kagels Werk zeigt Perspektiven auf im Umgang der Gegenwart mit ihrer Geschichte. Sie schlägt Brücken zwischen dem Alten und dem Neuen, und sie schlägt Brücken für diejenigen Hörer, die mit Neuer Musik wenig oder gar nicht vertraut sind. Deshalb soll dem Komponisten, der in diesem Jahr 80 Jahre alt geworden wäre, mit »Hommage à Kagel« ein Festival gewidmet werden, das einen Blick auf das aktuelle musikalische Schaffen im Saarland und die Spuren von Kagels Einfluss darauf wirft. Das Festival wird veranstaltet von einer Reihe junger Ensembles, die sich (benannt nach einer Komposition Kagels) unter dem Namen »Pandoras Box« zusammengeschlossen haben, in Zusammenarbeit mit allen großen Institutionen des saarländischen Musiklebens wie dem Saarländischen Rundfunk, der Deutschen Radio Philharmonie Saarbrücken Kaiserslautern und der Hochschule für Musik Saar sowie Netzwerk Musik Saar und weiteren Partnern.

Im Jubeljahr 2011 ist diese Hommage die umfangreichste Werkschau Kagels in Europa!

Mauricio Kagel hatte ein besonderes Verhältnis zu Saarbrücken. Oder besser: Saarbrücken hat ein besonderes Verhältnis zu Kagel. Zwei Mal widmete das Festival »Musik im 20. Jahrhundert«

des Saarländischen Rundfunks dem aus Argentinien stammenden Komponisten größere Aufmerksamkeit, zunächst 1972 mit einem Porträtkonzert und 1991 mit einem ganzen Porträt- Festival samt der Uraufführung seines großen Orchesterwerks »Opus 1.991«. Anlässlich dieses Festivals wurde auch der »Prolog« gegründet, ein Auftaktkonzert zu »Musik im 20.

Jahrhundert« durch Studierende der Hochschule für Musik Saar, das bis heute zum festen Veranstaltungskanon des Festivals gehört. Das Engagement der Studierenden würdigte Mauricio Kagel damals mit einem Workshop an der Saarbrücker Hochschule und seiner Anwesenheit beim Konzert. Der Kagel-Schüler und Mentor der Studierenden, Theo Brandmüller, Professor für Komposition an der Saarbrücker Musikhochschule, war hier ein wichtiger Vermittler. Kagels Musik gab so den Anstoß zu einem neuen Jour fixe der Neuen Musik an der Hochschule.

Das Festival wird in der Zeit zwischen dem 18. September (Kagels Todestag im Jahr 2008) und dem 24. Dezember (seinem Geburtstag im Jahr 1931) stattfinden. Die Hommage wird das Spektrum seines OEuvres erstmals in Saarbrücken in all seinen Facetten ausbreiten und soll ein möglichst breit gefächertes Publikum erreichen, in Konzerten, im Kino, in einer Hörbar, auf der Straße und im Radio, aber auch in Schulen und in Betrieben. Dabei werfen die Veranstaltungen immer wieder andere Schlaglichter auf die Arbeit des Multitalents.

Beleuchtet werden etwa:

- Kagels Verhältnis zu Genres, die auf Improvisation basieren
- seine »multikulturelle« Identität: Kagel wurde geboren und ausgebildet in Buenos Aires, in kultureller Hinsicht ein wahrer Melting Pot, und traf in den späten 50er Jahren in Deutschland auf eine Musikszene, die sich bei dem Entwurf neuer Kompositionstechniken gerade aus der Sackgasse der seriellen Musik wieder befreite
- Kagels kompositorischer Blick auf Musikkulturen der verschiedenen Kontinente und Epochen
- Kagels Lehrer, Schüler, Enkelschüler
- Kagels Verhältnis zu den klassischen Gattungen: dem Klaviertrio und dem bis heute prestigeträchtigen Streichquartett
- Kagels besonderes Verhältnis zu Saarbrücken: seine Zusammenarbeit mit dem Rundfunk-Sinfonieorchester und sein Einfluss auf das Festival »Musik im 20. Jahrhundert«
- das »Instrumentale Theater«, ein Begriff und auch eine Gattung, die von Kagel wesentlich geprägt wurde und als wesentliche Anregung zu sehen ist für heutige Aufführungskonzepte wie Performance und Konzertinstallationen
- Alltagsklänge im Werk von Kagel: Am Beispiel seines Stücks für 111 Radfahrer
- Perspektiven junger Komponisten auf Kagel
- Kagel, der Hörspielautor/-komponist

»Hommage à Mauricio Kagel« wird veranstaltet von »Pandoras Box« (Julien Blondel, Lutz Gillmann, Jonathan Kaell, Stefan Scheib) in Zusammenarbeit mit der Hochschule für Musik Saar, dem Kino achteinhalb, dem KuBa - Kulturzentrum am EuroBahnhof, dem Stadtarchiv Saarbrücken, der Stiftung Saarländischer Kulturbesitz, SR2 KulturRadio und »strukturwandel - neues hören und sehen« von Netzwerk Musik Saar, gefördert vom bundesweiten Netzwerk Neue Musik, einem Förderprojekt der Kulturstiftung des Bundes (Infos: www.netzwerkneuemusik.de).

Das Festival wird unterstützt von der Landeshauptstadt Saarbrücken, dem Minister für Bundesangelegenheiten und Kultur/Chef der Staatskanzlei, der Saarland-Sporttoto GmbH, der Union Stiftung und der Stiftung ME Saar.

Schirmherr: Botschafter der Republik Argentinien, Victorio Taccetti Mitwirkende: Gieseking-Klaviertrio, Ensemble Grenzpunkt, ensemble hors-du-cadre, InZeit Ensemble, KammerChor Saarbrücken, Liquid Penguin Ensemble & ADFC Saarbrücken, Los Poseidos, Les Quatuors d'Aurore, Ensemble la rosa dei venti, Johannes S. Sistermanns, Hochschule für Musik Saar, Deutsche Radio Philharmonie Saarbrücken Kaiserslautern Das Festival wird von SR2 Kulturradio begleitet. Ein ausführliches Porträt des Komponisten sowie Mitschnitte der hier veranstalteten Konzerte werden am 27. Dezember gesendet.

Infos: www.netzwerk-musik-saar.de
Für die oben stehenden Pressemitteilungen, das angezeigte Event bzw. das Stellenangebot sowie für das angezeigte Bild- und Tonmaterial ist allein der jeweils angegebene Herausgeber (siehe Firmeninfo bei Klick auf Bild/Meldungstitel oder Firmeninfo rechte Spalte) verantwortlich. Dieser ist in der Regel auch Urheber der Pressetexte sowie der angehängten Bild-, Ton- und Informationsmaterialien.
Die Nutzung von hier veröffentlichten Informationen zur Eigeninformation und redaktionellen Weiterverarbeitung ist in der Regel kostenfrei. Bitte klären Sie vor einer Weiterverwendung urheberrechtliche Fragen mit dem angegebenen Herausgeber. Bei Veröffentlichung senden Sie bitte ein Belegexemplar an service@lifepr.de.