Sonntag, 17. Dezember 2017


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Wildes Altona - NABU und BUND fordern geschützte Lebensräume für Kiebitze & Co

Planungsausschuss stimmt über B-Plan für die Rissen-Sülldorfer Feldmark ab

Hamburg-Borgfelde, (lifePR) - Im Streit um die zukünftigen Nutzungen von Flächen in der Rissen-Sülldorfer-Feldmark soll heute Abend im Planungsausschuss der Bezirksversammlung Altona dem letzten Entwurf des Bebauungsplans Rissen 44 / Sülldorf 18 / Iserbrook 26 zugestimmt werden. Die Feldmark in Rissen-Sülldorf ist einer der letzten wichtigen Lebensräume für Wiesenvögel im Bezirk Altona. Hier brüten noch kleine Populationen von Kiebitzen und einzelne Paare der Bekassine.

Dr. Christian Gerbich, Naturschutz-Referent beim NABU-Hamburg: "Die Ausweitung der wirtschaftlichen Nutzung der Feldmarken in Altona nimmt seit Jahren ungehindert zu. Deshalb braucht es hier dringend einen Bebauungsplan (B-Plan), der einen verbindlichen und verlässlichen Rahmen für bauliche Vorhaben setzt und die Feldmark als Rückzugs- und Lebensraum für Tiere und Pflanzen schützt."

Seit Jahrzehnten besteht das Ansinnen, für die Rissen-Sülldorfer Feldmark ein Planwerk zu schaffen, dass die Belange von Landwirtschaft und Naturschutz berücksichtigen soll. Die Bezirksverwaltung Altona hat mit der Vorlage eines neuen Entwurfes des B-Plans ihre Vorstellungen von der Entscheidung in dem Konflikt vorgelegt. Als Ergebnis zahlreicher interner Einzelgespräche zwischen Landwirten und Bezirk wurde der Naturschutz im jetzigen Entwurf des B-Plans mittlerweile so eingedampft, dass der Bezirk Altona damit das Potential der Feldmarken als Naturraum nicht nutzt und kaum Festsetzungen für die Aufwertung von Naturflächen vornimmt.

Auf Druck der Landwirte wurden daher im B-Plan-Entwurf wichtige Bereiche zum Nachteil des Naturschutzes gestrichen oder massiv reduziert:
- Flächen, die zukünftig als Ausgleichsflächen genutzt werden können, sind von 43 ha auf 23 ha erheblich reduziert worden. Die 23 ha entsprechen lediglich rund 4 % der gesamten Feldmarkfläche.
- Ursprünglich sollte für 175 ha Grünland ein Umbruchverbot festgesetzt werden. Der finale Entwurf sieht hierfür keine Flächen mehr vor. Eine rechtliche Sicherung von Grünlandflächen über das EU-Recht, wie von der Wirtschaftsbehörde behauptet, gibt es faktisch nicht.
- Die Baugrenzen der Höfe wurden gegenüber den vorangegangenen Plänen nochmals erweitert. Eine weitere Intensivierung der Landwirtschaft scheint damit programmiert.

Dennoch sehen NABU und BUND einen verbindlichen B-Plan in der jetzigen Situation als beste Lösung, die Grünflächen vor dem "Wildwuchs" der Bauanträge zu schützen. Ginge es rein nach den Wünschen der dort ansässigen Landwirte, sähe die Zukunft der Feldmark sehr düster aus. Während der Erarbeitung des B-Plans lagen dem Bezirk Altona 69 Bauanträge für Erweiterungsbauten zur wirtschaftlichen Nutzung vor. Die Bandbreite reicht von Unterständen für Pferde und Maschinen bis zu Hotelbetrieben und Biogasanlagen.
( https://www.buergerschaft-hh.de/ParlDok/dokument/49343/bauantr%c3%a4ge-beziehungsweise-bauvorbescheidsantr%c3%a4ge-in-der-rissen-s%c3%bclldorfer-feldmark.pdf)

Dr. Gisela Bertram, die für den BUND die Gespräche im Vorfeld begleitet hat, sieht die Reduzierung der Ausgleichsflächen als fatalen Fehler: "Bei den zahlreichen Eingriffen in die Natur durch den erhöhten Wohnungsbau könnte der Bezirk Altona auf dringend benötigte Ausgleichsflächen in der Feldmark zurückgreifen. Gleichzeitig könnten so große Bereiche der Feldmark für den Naturhaushalt geschützt werden."

Zudem hat gerade der Bezirk Altona sich das Ziel gesetzt, den Kiebitz als sein Patentier in besonderem Maße zu schützen. Sollte mit dem neuen Bebauungsplan der Wegfall der Festsetzung des Dauergrünlandes sowie die Reduzierung der Ausgleichsflächen in der vorliegenden Form beschlossen werden, gibt es kaum noch Entwicklungsmöglichkeiten für die Lebensräume der Wiesenvögel. Einzelne Rettungsaktionen von Kiebitz-Gelegen auf Gründächern in Othmarschen - wie sie letzten Sommer vom Bezirk Altona durchgeführt wurden - reichen nicht aus, um den gefährdeten Bestand der Kiebitze zu retten.

"Der Kiebitz in Altona hat nur eine Chance, wenn wir seinen Lebensraum sichern. Nur so kann sich die Population der Wiesenvögel natürlich positiv entwickeln. Es ist deshalb höchste Zeit, dass der B-Plan für die Feldmark Rissen-Sülldorf auf den Weg gebraucht wird. Sonst haben Kiebitz &Co langfristig keine Überlebenschance in der Feldmark", so Dr. Christian Gerbich vom NABU-Hamburg. Dr. Gisela Bertram ergänzt: "Die für die Landwirtschaft im B-Plan großzügig festgesetzten Baugrenzen müssen jetzt auf jeden Fall eingehalten werden. Bei Verstößen muss die Verwaltung sofort einschreiten."

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