Donnerstag, 23. November 2017


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Drastischer Rückgang der Tagfalter Berlin-Brandenburgs

Schmetterlingsforscher legen "Tagfalterfauna Berlin-Brandenburgs" vor / intensive Landnutzung und hoher Chemieeinsatz dezimieren Artenspektrum und Populationen / gegen den Trend: Rückkehr des Segelfalters

Potsdam, (lifePR) - Schmetterlinge, die Gaukler der Lüfte, lösen bei den meisten Menschen positive Empfindungen aus. Vielen ist aufgefallen, dass es deutlich weniger als früher gibt. Wie sieht die Situation in Brandenburg aber konkret aus?

Für eine umfassende und objektive Darstellung der Tagfalterfauna haben Schmetterlingsforscher aus Berlin und Brandenburg, ihre über Jahrzehnte gesammelten Daten ausgewertet und analysiert. Als Fachexperten sind die meisten von ihnen im Arbeitskreis Lepidoptera (=Schmetterlinge) des Landesfachausschusses Entomologie des NABU Brandenburg organisiert.

Erste Aufzeichnungen zur Tagfalterfauna in der damaligen Mark Brandenburg wurden bereits vor etwa 250 Jahren angefertigt. In den vergangenen 130 Jahren wurde die Suche nach den Schmetterlingsarten intensiviert und so konnten für Berlin und Brandenburg 118 Arten mit Sicherheit nachgewiesen werden.

Klar ist, dass Anzahl und Artenvielfalt der Schmetterlinge insgesamt im Vergleich zu früher stark bis drastisch abgenommen haben. Schmetterlingsforscher beklagten schon in den 1940er Jahren, dass im Zuge der Trockenlegung von Mooren und der Intensivierung der Landwirtschaft ein negativer Bestandstrend zu verzeichnen wäre. Diese Rückgänge setzten sich in den letzten Jahrzehnten mit rasanter Geschwindigkeit fort, nicht nur in Brandenburg, sondern in ganz Europa. Falter wie der Lilagold-Feuerfalter, Heller und Dunkler Wiesenknopf-Ameisenbläuling, Mittlerer Perlmutterfalter und Kleiner Waldportier, die in den 1940er Jahren in der Mark Brandenburg noch häufig waren, stehen jetzt auf der Roten Liste und sind in ihrer Existenz stark gefährdet. Die zusammengetragenen Daten zeigen die ernüchternde Tatsache, dass in den letzten 120 Jahren der Artenbestand um 18 Prozent schrumpfte. Zudem weisen mehr als ein Drittel, etwa 35 Prozent der Tagfalterarten, weiterhin sinkende Bestände auf.

„Die Nährstoffanreicherung auf den meisten Wiesen und Weiden durch Überdüngung mit Stickstoff, der Einsatz von Insektiziden, aber auch von Herbiziden wie z.B. Glyphosat, die die Nahrungspflanzen vieler Tagfalter vernichten, wirken unmittelbar. Aber auch das Verschwinden von Strukturen wie Hecken und Feldraine, verbunden mit dem Anbau von Monokulturen, wie z. B. Mais und Raps, sind wesentliche Ursachen für den Rückgang der Insekten insgesamt und mit ihnen der Tagfalter. „Die Moorentwässerung mit intensiver Nutzung auf der einen Seite und die Auflassung einer früher weitverbreiteten extensiven Mahdnutzung auf kleinen Moorwiesen tragen zur Verschärfung des Negativtrends bei“, analysiert Dr. Jörg Gelbrecht, einer der Autoren der „Tagfalterfauna“ die Situation.

Als positiv für manche Tagfalterarten, wie Magerrasen-Perlmutterfalter und Wegerich-Scheckenfalter, erwiesen sich die in Brandenburg großflächig vorkommenden Truppenübungsplätze, die Stilllegungsflächen auf nährstoffarmen Standorten und die Bergbaufolgelandschaften im Süden Brandenburgs.

„Eine der ganz wenigen Erfolgsgeschichten ist die Rückkehr des Segelfalters“, freut sich Jörg Gelbrecht. Vor 100 Jahren besiedelte der imposante Großschmetterling noch nördlichere Gegenden um Rüdersdorf und Fürstenwalde, vor allem aber das Oder- und Neißetal. Seit den 1960er/70er Jahren taucht der farbenfrohe Falter wieder vermehrt in der südlichen Niederlausitz auf, ab den 80er Jahren zunehmend häufiger. Inzwischen hat er sich wieder bis ins südliche Odertal und an den südlichen Berliner Stadtrand ausgebreitet. „Wahrscheinlich hängt dies mit der Zunahme der Bergbaufolgelandschaften zusammen, die dem Segelfalter geeignete Lebensräume bieten“, so der Entomologe. „Besonders bemerkenswert ist, dass er sich nicht nur neuen Lebensraum, sondern auch neue Nahrungsquellen erschlossen hat. So werden die Raupen des Segelfalters neuerdings an Spätblühender Traubenkirsche beobachtet, einem aus Nordamerika nach Europa eingeschleppten Gehölz, dessen Blätter giftige Stoffe enthalten. Dadurch kann die auffällige Art auch die Heideflächen auf den ehemaligen Truppenübungsplätzen oder die breiten Stromtrassen in trockenen Kiefernwäldern besiedeln. Dazu bieten in der Gartenlandschaft Zierpflanzen wie Sommerflieder, Prachtscharte und Lavendel dem Falter Nahrung. Dr. Gelbrecht bittet Naturfreunde um Mithilfe, um das Vorkommen des schönen Segelfalters noch genauer kennen zu lernen. Er fliegt gerade jetzt in der zweiten Generation. Unter mitmachen@nabu-brandenburg.de sollten bei Sichtung bitte folgende Daten zugesendet werden: Foto des Falters, Adresse des Fundortes, Datum des Fundes sowie nach Möglichkeit ein Ansprechpartner für Rückfragen.

 

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