Mittwoch, 24. Januar 2018


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Waldweide Bucher Forst und Rieselfelder

Warnung vor verfrühtem Jubel

Berlin, (lifePR) - Für den kommenden Mittwoch, 25.07.2012, hat sich in Panketal hoher Besuch aus dem brandenburgischen Umweltministerium und von der Berliner Senatsverwaltung für Stadtentwicklung und Umwelt angesagt, um sich über das Erforschungs- und Erprobungsvorhabens (E+E) Rieselfeldlandschaft Hobrechtsfelde mit seinem Waldweideprojekt zu informieren. Doch unter die positiven Berichte und ersten Ergebnisse des Projekts mischen sich seitens des Naturschutzes auch kritische Stimmen. Der NABU Berlin fordert deshalb eine umfassende Auseinandersetzung mit den Ergebnissen.

Landschaften mit Haustieren zu beweiden ist eine alte Tradition, die mit dem Beginn der intensiven Landwirtschaft sowie der klaren Trennung zwischen Wald und Weide in Vergessenheit geriet. Auftrieb bekam sie erst wieder, als die aus Naturschutzgründen notwendige Offenhaltung der Landschaft immer aufwändiger und teurer wurde. Seitdem spielen genügsame Schaf-, Rinder- und Pferderassen wieder eine Rolle bei der Offenlandpflege. Der Bucher Altforst ist ein naturschutzfachlich und forstlich überdurchschnittlich gut ausgestatteter Wald, der nun Versuchsfläche im Rahmen des E+E-Vorhabens wurde. Allerdings bleibt aus Sicht des Naturschutzes die Frage, ob durch die Beweidung ein echter Mehrwert oder nicht eher negative Effekte erzielt werden.

Bedenken überwiegen

Von Seiten des NABU Berlin gab es bereits zu Projektbeginn Bedenken, was die Beweidung des Bucher Altforstes anging, da viele Fragen offen blieben, wie die nach einem begleitenden Monitoring für Greifvögel, deren Horste und den Auswirkungen auf ihre Reviere. Auch wurde seitens des E+E-Vorhabens immer wieder vom Beispiel des früheren Hutewaldes (Vieh wurde "gehütet") gesprochen, doch tatsächlich stellt sich die Beweidung nun als Standweide heraus, was eher zu einer Belastung des Ökosystems führt, als wenn es eine Lenkung des Viehs im Wald gegeben hätte. "Uns ist derzeit nicht klar, was der Besucher gerade im Bereich des Bucher Forstes wirklich positives zu sehen bekommen soll", gibt Anja Sorges vom NABU Berlin angesichts der morgigen Tagesordnung des länderübergreifenden Besuchs zu bedenken. "Ob ein stark durch Verbiss angegriffener Wald wirklich als Erholungsraum taugt, wird von uns jedenfalls bezweifelt."

Bekannte Erkenntnisse ignoriert?

Erste Beobachtungen zeigen, dass die Tiere nicht bestrebt sind, bestimmte Waldbäume - insbesondere die auch für einen Hutewald klassische Eiche - zu erhalten und ihr Verbiss und Raumnutzungsverhalten sich nicht an den idealen Zielvorgaben der Wissenschaft orientieren. Dies mag zum einen daran liegen, dass die Nahrungsbedingungen und Lebensraumstruktur auf den Flächen nicht einfach sind. Zum anderen spielen jedoch die Besatzzahlen und die Wahl der Tierrassen eine Rolle. Pferde gleich welcher Rasse schälen und verbeißen Gehölze gleich welcher Art.

Bereits jetzt wird deutlich, dass sich das Artenspektrum im Unterwuchs und der Naturverjüngung verschiebt. Der NABU Berlin befürchtet, dass bei der derzeitigen Versuchsanordnung längst bekannte Fakten, wie der Druck von Pflanzenfressern allgemein und von Pferden im Besonderen auf die Vegetation und Naturverjüngung eines funktionierenden Altbestands, außer Acht gelassen wurden. Beispielsweise führte der hohe Besatz südlich der Schönelinder Chaussee zu einer vollständigen Zerstörung der bisher vorhandenen Waldstruktur. Gleichzeitig scheint sich der erhoffte Effekt der Eichenverjüngung unter den beschriebenen Konditionen ebenfalls nicht einstellen zu wollen.

Umsteuern dringend notwendig

Die komplexen Rahmenbedingungen verlangen eine stetige Kontrolle der Verbissauswirkungen und eine rasche Reaktion auf potentielle Missstände. Dem NABU Berlin bleibt nur die Hoffnung, dass sich für den Bucher Forst zu einem späteren Zeitpunkt ein wie auch immer geartetes positives Resümee ziehen lässt. Von einem heterogenen, ökologisch wertvollem Mischwald zu sprechen, hält der NABU Berlin jedoch für falsch und fordert ein möglichst rasches Umsteuern, um die weitere Zerstörung vor allem durch den Pferdeverbiss zu verhindern.

Weitere Informationen finden Sie auch unter http://berlin.nabu.de/nabuaktiv/bezirksgruppen/pankow/aktuelles/14057.html

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