Dienstag, 19. Juni 2018


  • Pressemitteilung BoxID 332311

Halbstarke kriegt Gratis-Fahrstuhlfahrt

Junge Sperberdame hat Kurzzeitintermezzo im Wuhletal

Berlin, (lifePR) - Ende Juni hat eine Passantin einen vermeintlich in Not geratenen jungen Greifvogel beim Spaziergang durch die Wuhlheide aufgenommen. Die Finderin meldete sich rasch bei der NABU-Wildvogelstation, wohin das Tier noch am gleichen Tag gebracht wurde. Die Erstuntersuchung ergab, dass es sich um eine 28 Tage alte Sperberdame handelt.

Jung, aber nicht unbedingt hilflos

Auch bei den einheimischen Greifvögeln gibt es eine Phase, in der die Jungtiere sich nicht mehr wirklich im Nest, sondern mehr im Astwerk rund um ihr Zuhause aufhalten. Daher auch ihr Name: Ästlinge. Sie erkunden ihre Umgebung und trainieren Gleichgewicht und Flugmuskeln. Der ein oder andere Halbstarke purzelt bei der ungeschickten Akrobatik auch mal zu Boden. Das ist beim Sperber nicht so schlimm, denn die fürsorglichen Eltern füttern fleißig weiter, weil die Eltern durch Rufen immer mit ihrem Nachwuchs in Kontakt stehen. Viele Menschen wissen das nicht und denken, der aufgeregt rumhüpfende Jungvogel, der so jämmerlich rumschreit, ist in allergrößter Not. Häufig nehmen Spaziergänger das Tier dann mit. Doch das ist falsch und hat schlimme Folgen, denn die so wichtige Verbindung von Jungvogel und Eltern wird unterbrochen und der Kleine kann sich nicht mehr die arttypischen Verhaltensmuster von den Eltern abschauen. Darüber hinaus ist es schlicht verboten und jeder macht sich s trafbar, der ohne Genehmigung Wildvögel aus der freien Wildbahn entnimmt.

Happy End dank NABU-Netzwerk

Im NABU Berlin engagieren sich mehr als 300 Menschen in 20 Fach- und Bezirksgruppen. Unter diesen Fachgruppen gibt es auch die Arbeitsgemeinschaft Greifvogelschutz Berlin-Bernau, die mittlerweile so ziemlich jede Brutstätte von Greifvögeln und Eulen in Berlin und Umgebung kennt. Dank Stefan Schulz, aktives Mitglied dieser Fachgruppe, konnte Wildvogelstationsleiter André Hallau, den elterlichen Sperberhorst bald ausmachen. Dorthin konnte das Sperbermädchen nun im Juli gebracht werden, nachdem es flugfähig geworden ist. Der Horst war zwar leer, aber frische Nahrungsreste zeigten, dass der Rest der Familie nicht weit war. So bekam die junge Dame einen kostenlosen Tragetransport auf den Baum in die Nähe des Horstes, wo sie nach einiger Zeit - wie aus der Ferne beobachtet werden konnte - von der Mutter begrüßt und gefüttert wurde.

Aufwändiger Start ins Leben

Jedes Jahr kommen in der NABU-Wildvogelstation rund 200 Ästlinge unterschiedlicher Arten an, die von unwissenden Menschen vermeintlich gerettet wurden. Da häufig der Neststandort unbekannt ist, werden sie in der Station aufgepäppelt und wieder ausgewildert. Zum Teil müssen die Tiere, weil ihre "Retter" sie gar erst bei sich zu Hause aufnahmen, über einen längeren Zeitraum von Menschen entwöhnt werden. Pro Tier kann man mit mindestens 100 Euro reinen Futter- und Transportkosten rechnen. Hochgerechnet auf ein Jahr, kommt man da schnell auf rund 20.000,- EUR pro Saison. Dazu kommt noch der enorm hohe Betreuungsaufwand, da die Jungvögel sehr regelmäßig gefüttert werden müssen.

Helfen Sie mit und werden Sie stellvertretend für die Ästlinge in der NABU Wildvogelstation Pate für das Sperbermädchen!

Gut zu wissen

Sperber fangen ungefähr zwischen dem 30. und 32. Lebenstag mit dem Fliegen an. Der in diesem Bericht geschilderte Jungvogel war also fast flügge. Dass es sich um ein Sperberweibchen handelte, war im Gegensatz zu vielen anderen Greifvogelarten hier leicht zu erkennen: Die Damen sind fast doppelt so groß und auch doppelt so schwer wie ein Männchen, so dass man auch schon bei den Jungtieren sicher das Geschlecht bestimmen kann. Bei den meisten Vögeln erkennt man es erst, wenn diese nach der ersten Komplettmauser ihr "Alterskleid" bekommen. Anhand der Flügellänge bei jungen Greifvögeln kann auf den Tag genau das Alter bestimmt werden. Bei wieder anderen ist eine Unterscheidung nur mittels endoskopischer Untersuchungen möglich. Ganz schön beeindruckend.

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