BMEL verhindert verstärkten Schutz der Ostseeschweinswale

NABU kritisiert mangelndes Artenschutzinteresse

(lifePR) ( Neumünster, )
Im Bundeslandwirtschaftsministerium ist die Fischereilobby einflussreicher als der Walschutz. Zwar gibt man sich hier gerne als weltweiter Schutzpatron der Wale: Die deutsche Delegation wettert gerne in der Internationalen Walfangkommission über Nationen wie Norwegen, weil diese die Jagd auf Zwergwale zulassen. Wenn es aber um den Schutz der einzigen bei uns heimischen Walart geht, geben nur Fischereiinteressen den Ton an.

Durch eine E-Mail an das Bundesumweltministerium (BMU), die auch in die Redaktion des Nachrichtenmagazins SPIEGEL gelangte, wurde öffentlich, wie das Landwirtschaftsministerium zum dringend notwendigen Schutz des Schweinswals steht. Laut SPIEGEL vom 29. März 2019 hatte das Bundesumweltministerium vergeblich vorgeschlagen, den Schutzstatus des Ostseeschweinswals im internationalen Artenschutzabkommen CMS zu verbessern.

Doch dieser Erweiterung des Schutzes will das BMEL partout nicht zustimmen - da dazu u. a. die Stellnetzfischerei – wie vom NABU seit langem gefordert - deutlich eingeschränkt werden müsste. Jedes Jahr werden 150 bis über 200 Schweinswale an der deutschen Ostseeküste tot angespült. Im Jahr 2018 waren dies allein auf Fehmarn über 40 Tiere. Hinzu kommt eine hohe Dunkelziffer nicht gefundener oder registrierter Tiere. Weit über die Hälfte der Totfunde ist nachweislich in Stellnetzen verendet.

Das BMEL reagierte mit einem Dementi, das auf Falschinformationen beruht. Die Entscheidung habe man u. a. getroffen, weil der vom Aussterben bedrohte Schweinswal-Bestand keine eigenständige Population sei, der Gesamtbestand aber – fälschlich - als nicht gefährdet gelte. Das sehen drei beim Bundesamt für Naturschutz BfN benannte wissenschaftliche Studien anders, die darlegen, dass sich diese Population genetisch deutlich unterscheidet, und damit besonders schutzbedürftig ist. Die Population umfasste 2014 in der Ostsee nur noch ca. 300 - 450 Tiere.

International gibt es ähnlich negative Beispiele: Der kalifornische Schweinswal ‚Vaquita‘ wurde auf der Roten Liste 2008 als ‚vom Aussterben bedroht‘ geführt. Seinerzeit gab es noch 245 Exemplare – ähnlich wenige wie heute vom Schweinswal in der zentralen und östlichen Ostsee. Im März 2019 zählte man nur noch 10 Exemplare. Erst viel zu spät bemüht sich die Politik nun um Schutzmaßnahmen. Wenn die Bedrohung des Schweinswals in der Ostsee auch in Zukunft nicht zu einem entschlossenen Handeln führt, das den Schutz der Art sicherstellt, wird auch der Ostseeschweinswal das Schicksal des Vaquita teilen, weiter abnehmen und ggf. aussterben, befürchtet der NABU.

Hintergrund Schweinswal

Schweinswale können über 20 Jahre alt werden. Die durchschnittliche Lebenserwartung liegt heute nach neuesten Erkenntnissen in der Ostsee bei unter vier Jahren. Die Forscher erklären dies mit menschlichen Aktivitäten wie der Stellnetzfischerei. Die Geschlechtsreife eines weiblichen Schweinswals setzt erst im Alter von fünf Jahren ein. Einmal im Jahr wird ein Kalb geboren. Diese Bedingungen lassen die Art heute nicht langfristig überleben. Derzeit lassen sich die Wale noch an den deutschen Küsten beobachten. Ob dies noch folgenden Generationen möglich ist, hängt maßgeblich davon ab, ob das BMUL in Berlin den letzten Meeressäugetieren einen höheren Schutzstatus zubilligt.
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