Montag, 20. November 2017


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Fakten zum Insektensterben verdichten sich weiter

NABU legt Übersicht von mehr als 20 Studien aus Baden-Württemberg, Deutschland und Europa vor

Stuttgart, (lifePR) - „Krefeld ist überall. Das Insektensterben ist eine Tatsache, auch bei uns!“, fasst der NABU-Landesvorsitzende Johannes Enssle eine aktuell fertig gestellte Auswertung von mehr als 20 wissenschaftlichen Studien aus Baden-Württemberg, Deutschland und Europa zusammen. „Aus unserem Überblick ergeben sich weitere Belege für den dramatischen Insektenschwund – für weitere Regionen und Arten. Die in den letzten Monaten vielfach zitierte Studie des Entomologischen Vereins Krefeld, die für mehr als 60 Standorte in Deutschland einen Rückgang der Biomasse der Fluginsekten von über 75 Prozent in knapp 30 Jahren belegt, wird damit durch weitere Fakten aus ganz Europa untermauert.“

Für Baden-Württemberg belegen Studien beispielsweise von der Schwäbischen Alb die Abwärtsspirale beim Insektensterben. „Im Naturschutzgebiet Eierberg ist der Bestand der einst relativ häufigen, weil anspruchslosen Gewöhnlichen Schmalbiene auf nur noch fünf Prozent ihres ursprünglichen Bestands geschrumpft“, berichtet Enssle. Viele Untersuchungen stellen außerdem eine Beschleunigung des Insektenrückgangs seit etwa der Jahrtausendwende fest – eine Beobachtung, die sich mit den Ergebnissen verschiedener ornithologischer Studien deckt. „Viele Vogelarten sind zur Aufzucht ihrer Jungen auf Insekten als Proteinquelle angewiesen. Mit dem Rückgang der Insektenbestände bricht für sie die Nahrungsgrundlage weg“, fasst Enssle das Dilemma zusammen. „Wenn das so weiter geht, erleben wir auf unseren Äckern wirklich bald den stummen Frühling.“

Zu den Ursachen gibt es klare Hinweise: „Wissenschaftler auf der ganzen Welt nennen immer wieder zwei Hauptgründe für den Insektenrückgang: die Intensivierung der Landwirtschaft und den steigenden Einsatz giftiger Pestizide“, erläutert der NABU-Landesvorsitzende. Durch den technischen Fortschritt in der Agrartechnik würden Acker- und Grünlandflächen immer intensiver genutzt. Dadurch gehe das Blütenangebot als Nahrungsgrundlage für die meisten Insekten zurück. Hinzu komme, dass durch hochtoxische Insektizide aus der Wirkstoffgruppe der Neonicotiniode vielen Insekten der Garaus gemacht werde.

„Die Fakten liegen auf dem Tisch. Es ist Zeit, dass die Politik Konsequenzen zieht und handelt“, betont Enssle auch mit Blick auf die aktuellen Sondierungsgespräche in Berlin. Für Baden-Württemberg fordert der NABU ein systematisches Insektenmonitoring, vor allem müsse sich das Land aber sowohl in Baden-Württemberg als auch in Berlin und Brüssel für eine Ökologisierung der Landwirtschaft und für ein sofortiges Verbot der hochgiftigen Neonicotinoide einsetzen. „Wir brauchen mehr Blütenvielfalt auf unseren Äckern und wir brauchen eine Landwirtschaft, die komplett ohne die Giftspritze auskommt“, appelliert Enssle an die Politik.

Weitere Informationen zum Insektensterben sowie die 80-seitige Studienübersicht „Gibt es das Insektensterben wirklich?“ zum Download: www.NABU-BW.de/insektensterben.

NABU-Aktion „Hallo Jamaika: Neue Agrarpolitik jetzt!“

Der NABU hat eine Online-Aktion gestartet, mit der Bürger/-innen ihren Wunsch nach einer neuen, naturverträglichen Agrarpolitik deutlich machen können – gegenüber den Parteispitzen von CDU, CSU, FDP und Bündnis 90/Die Grünen, die derzeit über eine mögliche neue Regierung verhandeln: www.NABU.de/NeueAgrarpolitik

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