Sagmeister & Walsh: Beauty

(lifePR) ( Hamburg, )
Was ist Schönheit und warum fühlen wir uns von ihr angezogen? Philosophie, Wissenschaft, Psychologie und nicht zuletzt Kunst und Gestaltung streiten seit der antiken Ästhetik kontrovers über das Wesen der Schönheit, ihre Wirkung auf die menschliche Wahrnehmung und unser daraus resultierendes Verhalten. Diesem Diskurs widmet sich das Museum für Kunst und Gewerbe Hamburg (MKG) mit dem neuen Ausstellungsprojekt Beauty von Stefan Sagmeister, dem in New York lebenden Superstar des Grafikdesigns. Gemeinsam mit Jessica Walsh stellt Sagmeister ein ganz persönliches, und visuell beeindruckendes Plädoyer für die Lust am Schönen vor. Nahezu im gesamten 20. und 21. Jahrhundert war und ist Schönheit im Designdiskurs eher negativ besetzt. Diesem Ressentiment setzen Sagmeister und Walsh empirisch fundierte Argumente genauso wie subjektive Beobachtungen entgegen und machen Schönheit als einen zentralen, funktionalen Aspekt ansprechender Gestaltung erlebbar. Nach dem großen Erfolg seiner Happy Show nimmt Stefan Sagmeister die Besucher*innen nun mit spektakulären interaktiven und multimedialen Installationen mit auf eine sinnlich-vergnügliche Expedition in seinen Kosmos des Schönen. Eine Mischung aus eigens für die Ausstellung produzierten Installationen und Beispielen aus Produktdesign, Stadtplanung, Architektur und Grafikdesign animiert die Besucher*innen zum Sehen, Riechen und Fühlen. Unterstützt von Erkenntnissen aus der psychologischen Ästhetik vertreten Sagmeister & Walsh den Standpunkt, dass Schönheit mehr ist als eine rein oberflächliche Strategie: Sie beeinflusst unseren Alltag, stimuliert unsere Wahrnehmung und macht die Welt zu einem besseren Ort.

Gegliedert in sechs Ausstellungsthemen – „Was ist Schönheit?“, „Die Geschichte der Schönheit“, „Im Auge des Betrachters“, „Schönheit erleben“ und „Transformierende Schönheit“ – entfachen rund 70 Objektgruppen einen ästhetischen Diskurs zur Schönheit als Paradigma für hochwertige Gestaltung. Den Abschluss der Ausstellung bildet ein von Sagmeister & Walsh kuratiertes „Schönheitsarchiv“ mit von ihnen als besonders schön bewerteten Exponaten aus der über 500.000 Werke umfassenden Sammlung des MKG. Das Best-of umfasst über 60 Objekte aller Gattungen aus verschiedenen Kulturen und Epochen, von der antiken Skulptur und Kunstkammer-Schätzen der Renaissance über Grafiken von Albrecht Dürer, Mode von Christian Dior, Spielzeug von Lyonel Feininger bis zu Fotografien, Möbeln oder einem Hightech-Rennrad.

Das spektakuläre Haupttreppenhaus des MKG wird unter anderem mit einer imposanten Installation aus 216 „atmenden“ Kunststoff-Tüten des Künstlers Nils Völker bespielt und führt schon beim Betreten des Museums zur zentralen Frage: „Was ist Schönheit?“. Die von unzähligen Philosoph*innen und Wissenschaftler*innen diskutierte Frage, was Schönheit ausmacht, beantworten Sagmeister & Walsh mit Fakten: Schönes wirkt unmittelbar auf die Dopamin-Rezeptoren und auf das Empfinden, somit kann schöne Gestaltung als funktionell verstanden werden.

Symmetrie definieren Sagmeister & Walsh als universelle Komponente des Schönheitsempfindens. Diese These untermauern sie mit mehreren Installationen: Unter anderem können Besucher*innen mit einer interaktiven App symmetrische Strukturen generieren und bedruckte Tragetaschen bestellen. Ein auf Großleinwand projizierter Vogelschwarm, der sich in seiner Dichte und Geschwindigkeit kontrollieren lässt, belegt, dass ausbalancierte Muster tendenziell bevorzugt werden.

Schönheit ist seit jeher ein bestimmendes Moment für die Partner*innenwahl, die Reproduktion und die Evolution. Wir empfinden positive Emotionen, wenn wir Schönes sehen. Beispiele aus allen Epochen der Menschheitsgeschichte lassen im Ausstellungsbereich „Die Geschichte der Schönheit“ keinen Zweifel am Begehren nach Schönheit. Sexuell anziehend ist nicht nur physische Schönheit, sondern auch die Fähigkeit, schöne Dinge zu kreieren. Das war schon in der Frühgeschichte so: Für den symmetrischen Schliff von Steinäxten gab es keine Begründung, allerdings gewannen die Hersteller*innen dieser Werkzeuge mit ihrem Gefühl für symmetrische Gestaltung und mit feinmotorischem Können an Attraktivität. Auch die Ablehnung von Schönheit wird im Rahmen dieses Ausstellungsbereichs umfassend thematisiert.

Das ästhetische Empfinden ist nach Sagmeister & Walsh weniger subjektiv als gemeinhin angenommen. In dem Ausstellungsbereich „Im Auge des Betrachters“ werden bemerkenswerte Ähnlichkeiten in verschiedenen Kulturen und Epochen aufgespürt. Wie universell das Schönheitsempfinden ist, verdeutlicht unter anderem die Visualisierung von Untersuchungen des Psychologen Chris McManus am University College London: 85 Prozent der Proband*innen können auf Anhieb ein Werk von Piet Mondrian von der leicht abgeänderten Fälschung unterscheiden. Einmal mehr laden Sagmeister & Walsh hier zur Interaktion ein: Die Eintrittskarte ist mit geprägten Münzen versehen, mit denen die Besucher*innen an verschiedenen Stationen über unterschiedliche Formen, Farben und Gerüche abstimmen können.

Schönheit hat das Potenzial, die Welt zu verbessern, wie Sagmeister & Walsh im Ausstellungsbereich „Transformierende Schönheit“ deutlich machen. Unter anderem zeigt die Installation From Garbage to Functional Beauty, wie der unkonventionelle französische Designer Thierry Jeannot gemeinsam mit mexikanischen Müllsammler*innen einen wunderschönen Kronleuchter aus Plastikmüll schafft.

Im Bereich „Schönheit erleben“ können die Gäste Schönheit mit allen Sinnen entdecken: Ein Sound-Raum zelebriert die Kombination aus einem analogen Plattenspieler, audiophilen Kopfhörern und einem besonders schönen Musikstück. Mit der Virtual Reality Station Tyranny of the Tool der Firma Unbound können Besucher*innen eigene dreidimensionale Skulpturen erschaffen. Philip Beesleys Installation Nebula Prototype: Liminal Architecture nimmt einen ganzen Raum ein und wird ergänzt von außergewöhnlichen Outfits der Modedesignerin Iris van Herpen. Der mit intensiven, blau-rosafarbenen Mustern überzogene Color Room wird regelmäßig mit einem speziellen Licht beleuchtet, das bestimmte Farbtöne grau erscheinen lässt und mit der Farbwahrnehmung spielt. Das Ergebnis: Farbigkeit wird als schöner empfunden.

Publikation: Zur Ausstellung ist die Publikation Sagmeister & Walsh: Beauty. Schönheit als Schlüsselkonzept für die Gestaltung der Zukunft von Stefan Sagmeister und Jessica Walsh erschienen, Deutsch und Englisch, 284 Seiten mit 377 farbigen Abbildungen, Verlag Hermann Schmidt, Mainz 2018, um 39,80 Euro

Sagmeister & Walsh: Beauty ist eine Ausstellung des MAK, Wien, und des Museum Angewandte Kunst, Frankfurt am Main. Die Ausstellung wurde kuratiert von Kathrin Pokorny-Nagel (MAK, Wien) und wird im Museum für Kunst und Gewerbe Hamburg von Dennis Conrad und Simon Klingler realisiert. Die Hamburger Station wird ermöglicht durch Mittel aus dem Ausstellungsfonds der Freien und Hansestadt Hamburg, der Hubertus Wald Stiftung und der Justus Brinckmann Gesellschaft.
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